„Geldschneiderei“: Tagesspiegel kritisiert Erkältungsmittel 05.11.2026 14:24 Uhr
Herbstzeit ist Erkältungszeit – und Zeit für den Berliner Tagesspiegel, den angebotenen OTC-Medikamenten auf dem Markt auf den Zahn zu fühlen. „Die meisten sind nutzlos“, so das vernichtende Urteil des Artikels.
Zusammen mit der Professor Dr. Eva Hummers, Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Göttingen, schaute die Zeitung auf die verschiedenen Medikamente, die der Markt bietet. Das Geschäft damit sei für die Pharmabranche „lukrativ“, mehr als 2,6 Milliarden Euro würden die Deutschen demnach jährlich für Erkältungsmittel ausgeben.
Der oftmals schlechte Ruf von Kombipräparaten wird im Beitrag als Erstes aufgegriffen: „Je mehr unterschiedliche Wirkstoffe da drin sind, desto weniger sinnvoll ist die Kombi. Hätte man auch nur ein wirksames Mittel gegen Erkältungsviren, dann bräuchte man diese wilden Kombis gar nicht“, so die Ärztin. Zudem seien Wirkstoffe enthalten, die in der Nase abschwellend wirken sollen. „Die schluckt man einfach runter und das hilft überhaupt nicht.“
Auch Vitamin C oder Koffein in den Präparaten hätte in der enthaltenen Dosis keine entsprechende Wirkung. Also bleibe nur noch das Schmerzmittel als wirkungsvoller Inhalt – und das gebe es einzeln deutlich günstiger.
Auch bei Halsschmerzen sei längst nicht alles empfehlenswert. Tabletten zum Lutschen wirkten antiseptisch – nutzlos, wenn der Infekt von Viren verursacht werde. „Und die sitzen da nicht auf der Oberfläche und müssen da weggeputzt werden“, so die Medizinerin. Die lokal wirkenden Antibiotika könnten zudem sogar hilfreiche Bakterien im Mund- und Rachenraum zerstören. Besser sehe es da bei Lösungen mit Benzocain oder Lidocain aus: „Das funktioniert tatsächlich, weil die die Oberfläche betäuben.“ Bei den generell schnell verschwindenden Halsschmerzen brauche es nicht mehr als Lutschbonbons zum Befeuchten, vorzugsweise mit Pfefferminz oder Salbei.
„Geldschneiderei“ bei pflanzlichen Mitteln
Außerdem gibt Hummers abschwellenden Nasensprays ein positives Urteil – „die funktionieren 1A“ – sie sollten bekanntermaßen aber nicht lange angewendet werden. Schleimlöser wie Acetylcystein bei Husten seien hingegen nur etwas bei schwerer chronischer Bronchitis. „Schleim ist erst fest und wird irgendwann selbst weniger und flüssiger, unabhängig davon, was man da nimmt oder nicht nimmt.“ Auch Hustenstiller hätten keine belegbare Wirkung: „Ich nehme diese Mittel nicht und würde auch keiner Freundin dazu raten, auch nicht meinen Kindern oder meiner Mutter“, so die Ärztin.
Auch viele pflanzliche Mittel seien „Geldschneiderei“, Thymian helfe aber tatsächlich, so das Urteil der Medizinerin. Die Wirkung sei gering, aber immerhin belegt, heißt es weiter im Artikel.
Und warum würden die Menschen dann doch immer wieder zu den vielen Erkältungspräparaten greifen? Das liege an einem Trick, so Hummers: „Nach zwei Tagen Abwarten geht es einem mit einer Erkältung oft so schlecht, dass man irgendetwas nehmen will. Gegen Erkrankungen, die von selbst heilen, kann man wunderbar Dinge verkaufen.“ Ein Wundermittel gegen Atemwegsinfekte gebe es nun mal nicht, schließt der Beitrag.