Zeitung erklärt Vor-Ort-Preise

FAS: „Online-Apotheken sind nicht immer günstig“ 21.07.2026 07:59 Uhr

Berlin - 

In der letzten Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) wurde eine Lanze für die Vor-Ort-Apotheken gebrochen. Die FAS „hat den Test gemacht“ und wollte wissen, ob Versender die Nase vorn haben. Der Einstieg trifft den Schmerzpunkt der Apothekerschaft: Aufgegriffen wird der Werbespot von Shop Apotheke mit Günther Jauch. Das Fazit am Ende des umfangreichen Tests: Apotheken sichern die Versorgung und können auch gegen den übermächtig erscheinenden Versandhandel bestehen.

Versender würden mit günstigen Preisen und bequemer Bestellung samt Lieferung werben, heißt es. Dabei gebe es bei Rx-Arzneimitteln eine Preisbindung, so die FAS. Bei OTC-Präparaten gebe es hingegen teils erhebliche Preisunterschiede, wie ein Preisvergleich zwischen zehn Versandapotheken und zehn Apotheken in Köln, Leipzig, Berlin, Hamburg und München zeigte. Der Preis für Ibuprofen, Paracetamol, Nasenspray, Hustenlöser und Wundsalbe schwankte hierbei vor Ort zwischen 23,80 Euro und 37,25 Euro.

Expertin erklärt: Vor Ort muss oft teurer sein

Warum es zu solchen Unterschieden kommt, erklärt Expertin Annika Herr, Gesundheitsökonomin an der Leibniz Universität Hannover: „Apotheken, in denen viele Rezepte eingelöst werden, können rezeptfreie Produkte dadurch günstiger anbieten. Apotheken mit weniger Rezeptkundschaft müssen diese Produkte teurer verkaufen, um wirtschaftlich zu überleben.“

Online hatte Medikamente-per-Klick mit 15,86 Euro den besten Komplettpreis; DocMorris war am teuersten mit 24,53 Euro. „Online lohnt sich der Einkauf besonders dann, wenn man den Betrag erreicht, ab dem die Versandkosten erlassen werden“, sagt Gesundheitsexpertin Bettina Sauer von der Stiftung Warentest – einzelne Posten hingegen weniger.

Die klassische Apotheke habe jedoch auch eine andere Preiskalkulation. Diese müsse mehr Leistungen finanzieren, so Expertin Herr gegenüber der FAS – Notdienst, Akutversorgung, Rezepturen, spontane Beratung, Botendienste und Krisenreserven. Wäre dies besser vergütet, wären OTC-Medikamente auch vor Ort günstiger. Hinzu kämen noch die schlechteren Einkaufskonditionen.

„Rechtliche Weichenstellung“ begünstigt Versender

Dass die Versender den Vor-Ort-Apotheken nach und nach den Rang ablaufen, „ist auch Folge einer rechtlichen Weichenstellung“, so die FAS. Und fälschlicherweise außerdem: „Seit der flächendeckenden Einführung des E-Rezepts im Jahr 2024 sind verschreibungspflichtige Medikamente ebenfalls online erhältlich.“

Versender-Chatbots versagen

Die Versender Shop Apotheke, DocMorris, Sanicare, Aponeo und Mycare würden die Versandkosten erlassen, sobald ein Rezept eingelöst wird. Bei der Beratung hätten jedoch klar die Versender das Nachsehen, so die FAS. Chatbots oder telefonische Hotlines würden die Beratung vor Ort nicht ersetzen können. Die Bots hatten im FAS-Test auf ganzer Strecke versagt.

„Notfallversorgung in Gefahr“

Gerade Menschen, die mehrere Medikamente einnehmen, seien bei einer Stamm-Apotheke vor Ort besser aufgehoben, selbst wenn Versender Wechselwirkungs-Checks anbieten. „Die Apotheke vor Ort kennt die Medikamentenhistorie ihrer Stammkunden oft und kann mögliche Wechselwirkungen besser einschätzen“, erläutert Expertin Sauer. Wer akut ein Arzneimittel brauche, für den sei ohnehin der Weg zur nächsten Apotheke der einzig richtige. Aber: „Machen zu viele Apotheken dicht, ist die Notfallversorgung in Gefahr“, so die FAS.

Zudem hätten Online-Bestellportale einen weiteren Nachteil: „Wer online kauft, wird stärker durch gezielte Marketingreize beeinflusst“, sagt Thomas Jendrosch, Konsumforscher an der Fachhochschule Westküste. Man sei vielen psychologischen Tricks ausgesetzt. „Darauf reagieren einige Verbraucher und kaufen das Produkt in der Regel dann auch“, sagt der Konsumpsychologe. Zudem würden Vor-Ort-Apotheken zunehmend digital nachziehen, unter anderem durch Angebote wie IhreApotheken.