Heuschnupfen

Erlenpollen auf Rekordniveau dpa, 26.02.2019 09:44 Uhr

Tabletten, Nasenspray, Augentropfen und Taschentücher: Für viele Pollenallergiker fühlt sich der Februar in diesem Jahr schon wie April oder Mai an. Foto: Klaus-Uwe Gerhardt/pixelio.de
Berlin - 

In manchen Jahren liegt Mitte Februar noch Schnee, 2019 plagt insbesondere die Erle Pollenallergiker vielerorts schon heftig. Auch die Birkenblüte lasse wohl nicht mehr lange auf sich warten, sagen Experten.

Tabletten, Nasenspray, Augentropfen und Taschentücher: Für viele Pollenallergiker fühlt sich der Februar in diesem Jahr schon wie April oder Mai an. Zweistellige Temperaturen, teils kräftige Sonne und kaum Regen – noch vor dem meteorologischen Frühlingsbeginn am 1. März ist die Konzentration von Erlenpollen an manchen Orten in Deutschland auf außergewöhnlich hohe Werte gestiegen. In Berlin sei vergangene Woche an einem Tag die höchste je seit 1985 gemessene Zahl von Erlenpollen in der Luft gemessen worden, sagt der Meteorologe Thomas Dümmel von der FU Berlin. Der bisherige Rekord von 2017, der bereits ein Extremwert gewesen sei, wurde demnach noch deutlich überschritten.

Die Deutsche Stiftung Polleninformationsdienst berichtete kürzlich in einer Vorhersage von „selten beobachteten Niveaus“ bei der Konzentration von Erlenpollen im nord- und westdeutschen Tiefland. Die saisonalen Spitzenwerte seien dort bereits erreicht. Als Grund wurde vermutet, dass die Kätzchen angesichts frühlingshafter Bedingungen nahezu zeitgleich heranreiften und die Pollen sich dann optimal verteilten. „Für Allergiker war es nicht der Traumwinter“, bilanziert der Leiter des Allergie-Centrums an der Berliner Charité, Torsten Zuberbier, mit Blick auf die weitgehend milde Witterung in den meisten Regionen Deutschlands.

„Schon zu Weihnachten waren Haselpollen-Allergiker geplagt, außer vielleicht im Hochgebirge.“ Der seit etwa 20 Jahren beobachtete Trend hin zu einer immer kürzeren wirklich pollenfreien Zeit im Winter setze sich damit fort, betont Zuberbier. Die Intensität des Pollenflugs habe dabei zugenommen. „Man hat das Gefühl, dass der Klimawandel bei uns angekommen ist. Pflanzen lieben dieses Wetter.“ Die Bäume nutzten „Warmzeiten“ zur Fortpflanzung aus.

Auf Hasel und Erle, bei denen in der nächsten Zeit abklingende Werte erwartet werden, folgt der Allergikerschreck Birke: „Man kann jetzt schon damit rechnen, dass die Birke bald mit voller Kraft anfängt zu blühen“, sagt Zuberbier. Er rechnet mit einem ein bis zwei Wochen früheren Start der Blüte als üblich, möglicherweise Anfang März. Dümmel hingegen geht von einem Start nicht vor Mitte, Ende März aus – vorausgesetzt, es komme keine Kälteperiode mehr. Birken sondern im Vergleich zu anderen Bäumen deutlich mehr Pollen auf einmal ab. Allergiker müssen sich nicht wundern, wenn sie schon vor Beginn der Blütezeit Reaktionen bemerken: „Selbst wenn in der Luft noch keine Pollen gemessen werden, können Allergene in der Nähe der Bäume vorhanden sein“, sagt Zuberbier.

Bei den Stoffen, auf die Allergiker reagieren, handele es sich um kleinste, für das menschliche Auge unsichtbare Eiweißstückchen im Pollenkorn. „Diese Teilchen können sich auch vor dem Beginn der Blüte absondern und mit der Luft weitergetragen werden“, so der Wissenschaftler. Auch ohne tägliche Gartenarbeit kann man dann mit Allergenen in Kontakt kommen. „Wenn der Baum vorm Fenster steht, reicht das.“ Heuschnupfen betrifft nach Angaben des Polleninformationsdienstes etwa zwölf Millionen Menschen in Deutschland, laut einer Studie des Robert Koch-Instituts sind mehr als eine Million Betroffene Kinder und Jugendliche.

Das RKI sieht allergische Erkrankungen als eine der häufigsten gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei Kindern und Jugendlichen überhaupt. Das Vorkommen habe sich zuletzt auf hohem Niveau stabilisiert. Die Hygiene heutzutage gilt als einer der Faktoren, die das Entstehen von Allergien begünstigen. Blütenstaub ist eigentlich harmlos, das sensibilisierte Immunsystem von Allergikern schaltet dennoch beim Kontakt mit den Schleimhäuten auf Abwehr: Tränende, juckende Augen, Niesanfälle und starker Schnupfen sind mögliche Folgen. Die Beschwerden können mit der Zeit – insbesondere wenn sie unbehandelt bleiben – neben den oberen Atemwegen auch die unteren Atemwege betreffen, chronisches Asthma droht.

Betroffene können akute Heuschnupfen-Symptome mit Tabletten unterdrücken, sogenannten Antihistaminika. Manchmal verschreiben Ärzte auch Arzneimittel mit Cortison gegen Entzündungsreaktionen. Daneben steht außerhalb der Pollensaison die sogenannte Hyposensibilisierung zur Verfügung, eine in der Regel länger andauernde Therapie. Diese kann nach einiger Zeit zur Besserung der Krankheitsanzeichen führen.