Doping

Olympia-Ausschlüsse: Russland will klagen dpa, 30.07.2016 10:53 Uhr

Staatsdoping-Vorwürfe: Russische Sportler, die von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ausgeschlossen wurden, wollen vor Zivilgerichten klagen. Foto: Elke Hinkelbein
Moskau - 

Russland will nach den Staatsdoping-Vorwürfen vor Gericht klagen. Das kündigte Sportminister Witali Mutko im russischen Sportfernsehender Match TV in Moskau an. Man werde jede Zeile des jüngsten Berichtes des WADA-Chefermittlers Richard McLaren „analysieren und juristisch dagegen vorgehen.“

Der Ermittler der Welt-Antidoping-Agentur WADA hatte Russland in seinem Report von Mitte Juli staatlich gesteuertes Doping vorgeworfen. Der Skandal hätte der Sportnation fast den Totalausschluss von den Sommerspielen in Rio de Janeiro beschert, allerdings entschied das Internationale Olympische Komitee (IOC) für die Russen. Trotzdem kann die russische Mannschaft nur reduziert in Rio antreten. Die gesperrten Sportler wollten nach den Spielen vor Zivilgerichten klagen, kündigte Mutko an.

Mutko kritisierte auch den Ausschluss der kompletten Gewichthebermannschaft von den Sommerspielen in Rio. Der Gewichtheber-Weltverband IWF verstoße damit gegen Vorgaben des IOC, sagte Mutko. Wenigstens Athleten „mit einer fleckenfreien Reputation“ hätten zugelassen werden müssen. Mutko nannte die Namen Oleg Tschen und David Bedschanjan. Der IWF hatte die wegen Dopingfällen ohnehin auf acht Sportler reduzierte russische Mannschaft komplett gesperrt.

Die Sportausschuss-Vorsitzende des Bundestages, Dagmar Freitag, hält die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees in der Doping-Causa Russland für falsch. Dass das IOC statt eines Komplett-Ausschlusses wegen Staatsdopings von den internationalen Fachverbänden eine Prüfung fordere, ob einzelne russische Athleten nachweislich sauber seien, empört Freitag.



„Ich habe doch große Zweifel, dass da überhaupt eine verantwortungsvolle Prüfung stattfindet“, sagte die SPD-Politikerin. „Wir werden Entscheidungen nach völlig unterschiedlichen Maßstäben und Kriterien bekommen; auch das schafft Ungerechtigkeiten.“

Hanebüchen findet sie zudem, dass ehemals gedopte Russen nicht an den Rio-Spielen teilnehmen dürfen, dafür aber Doping-Wiederholungstäter wie der US-Sprinter Justin Gatlin. „Die so häufig zitierte Null-Toleranz zum Doping wird einmal mehr zur Farce“, sagte Freitag.

Verwundert ist sie, dass trotz festgestellten Staatsdopings in Russland Sportminister Witali Mutko immer noch im Amt ist. „Wenn man nur Bauernopfer sucht, die suspendiert werden, zeigt dies, dass man nicht verstehen will, in welchem Zustand sich der russische Sport in Gänze befindet“, sagte Freitag.