Dermatologen warnen vor „unerwünschten Reise-Souvenirs“ 05.08.2026 09:02 Uhr
Zwar ist ein Befall der Haut durch Larven von Hakenwürmern (Larva migrans), durch Fliegenlarven (Myiasis) oder durch von Sandmücken übertragene Parasiten (kutane Leishmaniasis) in Deutschland zwar selten. Doch solche Infektionen könnten Reiserückkehrer betreffen, die in Südeuropa oder in (sub-)tropischen Regionen Urlaub gemacht haben, warnt die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG). Da manche Symptome oft erst Wochen bis Monate nach der Rückreise auftreten, könnten sich Diagnose und Therapiebeginn hinziehen und auch Komplikationen seien möglich.
Nach Durchfall und Fieber gehörten Hauterkrankungen zu den dritthäufigsten „unerwünschten Reise-Souvenirs“. „Die steigende Reiselust der Menschen, mehr Migration und global mobile Bevölkerungsteile führen dazu, dass sich infektiöse Risikoerreger über Grenzen hinweg verbreiten können“, erklärt Professor Dr. Esther von Stebut, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie, Universitätsklinikum Köln und Mitglied im Vorstand der DDG.
Die Zahlen zu infektiösen Reisedermatosen (IRD) seien spärlich. Laut Daten der Techniker Krankenkasse (TK) und deutscher Tropeninstitute und Universitätsklinika komme die Larva migrans am häufigsten vor, gefolgt von Myiasis und kutaner Leishmaniasis. „Auch wenn einige dieser Infektionen von allein wieder verschwinden, sind sie in keiner Weise harmlos oder zu bagatellisieren“, betont von Stebut. Der Leidensdruck entstehe durch ausgeprägten anhaltenden Juckreiz, bleibende Hautentzündungen unter anderem im Gesichtsbereich und durch die mit dem Parasitenbefall einhergehende psychische Belastung.
Befall durch Larva migrans
Bei einem Befall durch Larven von Hakenwürmern entstehe zunächst ein rundes bis ovales Knötchen (Papel) auf der Haut. Von diesem breite sich ein gewundener Gang unter der Hautoberfläche aus, anhand dessen man die Wanderung der Larven gut beobachten könne. Die Gänge werden jeden Tag einige Millimeter länger, erklärt die DDG. Es komme zu lokal begrenzten Entzündungsreaktionen, in deren Folge sich Bläschen bilden könnten. Typisch als Symptom sei zudem ein massiver Juckreiz.
„Wenn wegen des Juckens an der Stelle gekratzt wird, können sich sekundär bakterielle Infektionen bilden. Das ist vor allem in den Endemiegebieten eine häufige Komplikation“, betont von Stebut.
Verbreitet sei die kutane Larva migrans in Südamerika, Afrika, der Karibik, Südostasien, im Südosten der USA und auch am Mittelmeer. In Kontakt kämen Menschen demnach mit dem Hakenwurm, wenn sie barfuß laufen und mit Exkrementen freilaufender Tiere in Berührung kommen, denn der Parasit sei auf Hunde und Katzen spezialisiert. Der Mensch sei allerdings ein Fehlwirt: Nach einigen Wochen sterben die Larven von allein ab.
Die Behandlung erfolge mit Mitteln zur Würmerbekämpfung (Anthelminthika genannt), die als Tabletten eingenommen (zumeist Ivermectin) oder aber als Creme (mit dem Wirkstoff Ivermectin) aufgetragen werden. Um sich zu schützen, empfiehlt die Dermatologin, an möglicherweise befallenen Stränden nicht barfuß zu laufen, sondern Schuhe mit fester Sohle zu tragen und sich am Strand statt auf Handtücher auf Matratzen oder Liegen zu legen. Der feuchte, wassernahe Bereich am Strand sei weniger häufig kontaminiert als der vom Wasser entfernte trockene. Wenn möglich, sollten bewusst Strände aufgesucht werden, an denen es weder Hunde noch Katzen gibt.
Befall mit Myiasis
Eine kutane Myiasis ist ein Parasitenbefall der Haut, der durch Larven bestimmter Fliegenarten verursacht wird. Verbreitet sei die Myiasis in Afrika, südlich der Sahara, in Mittel- und Südamerika und in weiteren tropischen und subtropischen Regionen weltweit. „Um sich vor Myiasis zu schützen, muss man wissen, wie der Befall funktioniert. Die Fliegen legen ihre Eier auf Gegenständen ab, beispielsweise auf trocknenden Kleidern, oder verwenden kleine Mücken als sogenannte Carrier, die sich dem Menschen – im Gegensatz zu den vergleichsweise großen Fliegen – unbemerkt nähern können“, erklärt von Stebut.
Aus den auf der Haut abgelegten Eiern schlüpfen die Larven und bohren sich in die Haut. An der entsprechenden Stelle bilde sich ein Geschwür. Zu den Symptomen gehören starker Juckreiz, gelegentlich auch Schmerzen, Sekretentleerungen aus einer Perforation oder auch kleine weiße Madenabschnitte, die aus der Wunde hervorragen. Typischerweise spüren die Betroffenen zudem die Bewegung der Larven unter der Haut.
Bei der Behandlung entferne man zunächst die Larven mechanisch aus der Haut. Ein vorheriges Abkleben des Porus mit einem luftdichten Verband führe zur Asphyxie (einem drohenden Erstickungszustand) der Larve und könne das anschließende Entfernen erleichtern.
Manchmal sind auch eine lokale Betäubung und eine Vergrößerung des Porus mit dem Skalpell notwendig, um die Larven sicher zu entfernen. In manchen Fällen werden Antibiotika verschrieben, um sekundäre bakterielle Infektionen zu verhindern. Ein wirksamer Tetanusschutz sei wichtig.
Um sich zu schützen, sollten Urlauber unter imprägnierten Moskitonetzen schlafen und Insektenschutzmittel (Repellentien) mit Wirkstoffen wie DEET oder Icaridin verwenden, empfiehlt die DDG. Sollte man eine Wunde haben, sollte diese sauber und abgedeckt gehalten werden, da es Fliegenarten gibt, die ihre Eier bevorzugt in nekrotischem oder feuchtem Gewebe ablegen.
Befall mit cutane Leishmaniasis
Die Leishmaniasis werde vom Parasiten Leishmania hervorgerufen, der während des Stichs aus der Speicheldrüse von Sandmücken übertragen wird. Die Infektion bilde sich in 90 Prozent der Fälle als cutane Leishmaniasis (CL) aus, könne sich aber auch an inneren Organen manifestieren, warnt die DDG. Leishmaniasis-Fälle treten demnach in Südeuropa, den Tropen und Subtropen auf.
Die CL gehöre zu den häufigsten importierten Tropendermatosen überhaupt. Besonders häufig ist sie laut WHO-Angaben in Südamerika (Brasilien, Peru, Kolumbien), Ostafrika (Kenia, Äthiopien, Sudan), Nordafrika (Algerien), im Nahen Osten (Syrien, Iran) und Südasien (Afghanistan). Infektionen würden aber auch zunehmend bei Reiserückkehrern aus dem europäischen Mittelmeerraum einschließlich Mallorca beobachtet.
Im Jahr 2024 seien über 210.000 CL-Fälle bei der WHO gemeldet worden. Die WHO schätzt weltweit 600.000 bis 1 Million neue Leishmaniasis-Fälle jährlich als tatsächliche Inzidenz. „Die Infektion zeigt sich meist erst Wochen bis Monate nach der Rückkehr, so dass der Zusammenhang mit der Reise zunächst oftmals nicht erkannt wird“, sagt von Stebut.
Zuerst bildet sich eine klar abgegrenzte Pustel, ein eitrig gefülltes Knötchen, das sich im Verlauf der folgenden Wochen vergrößert und zu Geschwüren an freiliegenden Körperstellen, wie Gesicht, Armen und Beinen führen kann. Meist seien die Geschwüre schmerzlos und verursachen keine anderen Symptome, es sei denn, dass es zu einer sekundären bakteriellen Infektion gekommen ist, die an Rötungen in angrenzenden Hautbereichen, Schmerzen und bisweilen Fieber erkennbar ist. Die Geschwüre könnten bei Menschen mit einem intakten Immunsystem in der Regel von selbst nach einigen Monaten abheilen.
„Belastend ist dann aber auch die Narbenbildung“, erklärt von Stebut. Die Dermatologin weist darauf hin, dass sich die CL durch das Lymph- oder Blutsystem im gesamten Körper verteilen kann. Sind die Schleimhäute des Nasenrachenraums sowie zusätzlich des Kehlkopfs und der Luftröhre befallen, spricht man von mukokutaner Leishmaniasis.
Infektion der inneren Organe
Bei der seltenen viszeralen Leishmaniasis, auch Kala-Azar genannt, betrifft die Infektion vor allem innere Organe wie Leber, Milz, Darm, Nieren und Knochenmark. Dann könne es lebensbedrohlich werden, warnt die DDG. Eine Verbreitung des Erregers in die Schleimhaut oder die inneren Organe werde vor allem bei immungeschwächten Patienten beobachtet.
Eine frühe und sinnvolle Diagnostik mittels Biopsie, Histologie, Kultur und PCR sichere die Diagnose. Die Behandlung hänge von der ursächlichen Spezies und dem Zustand des Patienten oder der Patientin ab. Sowohl Lokaltherapien als auch systemische Therapien stehen zur Verfügung.
Da die Sandmücken nachtaktiv und im Vergleich zu den hiesigen Mücken mit 2 mm sehr klein sind, sollte man engmaschige, imprägnierte Moskitonetze verwenden und mit geschlossenen Fenstern schlafen. Abends und nachts schütze Kleidung mit langen Ärmeln und Beinen. DEET- oder Icaridin-haltige Insektenschutzmittel (Repellentien) sollten auch in Innenräumen verwendet werden, mahnt die Gesellschaft.
„Die meisten schwerwiegenden Gesundheitsprobleme bei Reisen in die Tropen kann man verhindern, wenn man vier Dinge beachtet: An Schutzimpfungen, Mückenschutz, Malariaprophylaxe und konsequente Hygiene denken“, empfiehlt Professor Dr. Silke Hofmann, Direktorin des Zentrums für Dermatologie, Allergologie und Dermatochirurgie am Helios Universitätsklinikum Wuppertal und Beauftragte für die Öffentlichkeitsarbeit der DDG. Sechs bis acht Wochen vor Beginn jeder Fernreise sollten sich Urlauber reisemedizinisch beraten lassen. „Zur Prävention gehört auch, sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie HIV zu schützen“, empfiehlt Hofmann. In die Reiseapotheke gehören also auch Kondome.