XXL-Kommissionierer

Der Doppel-Rowa von der Isar Silvia Meixner, 06.09.2018 07:57 Uhr

Berlin -

Diesen 400.000-Euro-Rowa kann man nicht so einfach last minute ordern. Der Neue im Klinikum rechts der Isar in München ist eine beeindruckende Maßanfertigung: 13,5 Meter lang, 1,60 Meter breit, in seinem Innern schlummern 70.000 Medikamentenpackungen.

Kaum ist der neue Kommissionierer in Betrieb, träumen die Apothekenmitarbeiter schon von der nächsten Größe. „Wir hätten gern ein paar Meter mehr gehabt“, sagt Martina Fischer, Fachapothekerin für klinische Pharmazie und stellvertretende Abteilungsleiterin. Aber leider war nicht mehr Platz vorhanden. „Er besteht deshalb aus zwei Geräten, die gekoppelt sind“, erklärt sie. Der Aufbau erfolgte schrittweise, Modul für Modul.

Das wichtigste Auswahlkriterium war die Packungskapazität. Size matters. Platz ist im Klinikum rechts der Isar ein kostbares Gut. Das Krankenhaus befindet sich in Innenstadtlage, sodass für einen größeren Kommissionierer nicht etwa ein neues Gebäude gebaut werden kann. Wohin also mit einem Gerät, lang wie ein Omnibus? „Wir haben mehr Ware als Platz vorhanden ist“, beschreibt die Apothekerin die Situation. Auf 34 Palettenstellplätzen wird derzeit alles gelagert, was nicht in den Kommissionierer passt und schnell verfügbar sein muss.

Trotz des Raumproblems sind die 15 Apothekenmitarbeiter glücklich mit dem neuen Rowa. „Der alte Apparat war fast 20 Jahre alt, es gab keine Ersatzteile mehr“, erzählt Fischer aus der Praxis. Zuletzt musste per Hand nachgefüllt werden. „Im Idealfall passten 40.000 Packungen hinein.“ Jetzt sind es fast doppelt so viele.

Rund drei Jahre hat die Planungsphase des Projektes in Anspruch genommen. „Zwei Jahre, bevor er aufgebaut wurde, haben wir damit angefangen, Angebote einzuholen. Danach haben wir uns die Kommissionierer anderer Krankenhäuser angeschaut.“ Schließlich mussten die Wirtschaftsexperten des Klinikums tagen und das Budget einrichten. Dann erst gab es grünes Licht für die Investition.

„Im Uniklinikum Mainz gibt es das selbe Modell“, sagt die Krankenhausapothekerin. Auch die Kommissionierer in Münster und München-Haar wurden unter die Lupe genommen: Welcher kann mehr, welcher bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis? Die Lösung war der Neue, der aus Modulen besteht. „Der alte Kommissionierer wurde im Februar abgebaut, der Aufbau des neuen begann Anfang März und dauerte bis Ende April. Er wurde in Einzelteilen angeliefert“, berichtet Fischer. „Er besteht aus einem Regalgerüst mit Glasböden. Nach und nach wurden die Module aufgebaut und danach die Außenverkleidung angebracht.“

Um den Koloss sicher aufstellen zu können, wurde auch der Fußboden neu gemacht und verstärkt. „Der alte Kommissionierer war in den Fußboden eingearbeitet.“ Für den alten Arzneimittelsortierer gab es keine Zukunft mehr. Seine Zeit war einfach gekommen, es gab keine Ersatzteile mehr und mehr und mehr entpuppte er sich als höchst fehleranfälliger Geselle.

Um die Zeit des Umbaus möglichst kurz und problemlos zu gestalten, wurden bei einer Zeitarbeitsfirma studentische Hilfskräfte angefordert. Jeder Artikel musste einmal eingescannt werden. „Über viele Wochen hinweg war der Umbau eine große Belastung für das Team“, sagt Fischer. Seit Juni ist aller Ärger vergessen und vergeben. Der neue Kommissionierer arbeitet wie erhofft: schnell, effizient und fehlerfrei. Der neue Rowa versorgt die Patienten, die in den 1161 Betten des Klinikums rechts der Isar medizinische Hilfe finden. Rund 60.000 Patienten werden im Jahr stationär, 250.000 ambulant behandelt. Im Klinikum finden rund 39.000 OPs im Jahr statt. Und der Rowa hält für alle weitere Heilung bereit.