Luxuskaufhaus-Kurfürstendamm und zurück

Das Umzugs-Karussell der KaDeWe-Apotheke Silvia Meixner, 01.02.2019 07:58 Uhr

Berlin - Die Apotheke im Berliner Edelkaufhaus KaDeWe ist gerade umgezogen, die neue Offizin befindet sich am Kurfürstendamm, gleich neben Karstadt. Doch sie ist nur eine Übergangslösung. In ein paar Jahren soll es wieder zurück an den alten Standort gehen. Dann soll dort ein neues, größeres Haus stehen, mit vielen Büros und Tiefgarage. Karstadt soll dann auch abgerissen werden.

Ab sofort ist die alte Garage geschlossen, das Haus, das sich gegenüber des KaDeWe in einer Seitenstraße befindet, wird demnächst abgerissen. Statt des alten Parkhauses, erbaut im Jahr 1966, entsteht ein neues Bürohaus mit vierstöckiger Tiefgarage mit 600 Stellplätzen. Auch die alte Apotheke im KaDeWe ist Teil der Abrisspläne des österreichischen Unternehmens Signa Real Estate, dem auch das KaDeWe und Karstadt gehören. Die verglaste Brücke, die Kunden jahrzehntelang benutzten, um von der Garage ins Kaufhaus zu gelangen, wird ebenfalls abgerissen.

Die Apotheke musste sich deshalb nach 20 Jahren einen Ausweich-Standort suchen. Die Lage Kurfürstendamm klingt zwar schick, aber der Umzug hat durchaus Nachteile. „Wir wären am liebsten überhaupt nicht umgezogen, die alte Lage war super“, sagt Berit Bennani, stellvertretende Apothekenleiterin. Denn mit dem Umzug verliert die Apotheke auch Stammkunden. „Gleich neben der alten Apotheke befindet sich eine Seniorenresidenz“, erzählt Bennani. Und nicht jeder Kunde ist fit genug, um die rund zehn Minuten Gehweg entfernte neue Offizin aufzusuchen. „Wir hatten viele Stammkunden aus dem KaDeWe, die gerne zu uns gekommen sind, haben auch viele Kaufhaus-Mitarbeiter betreut und hatten viele internationale Kunden.“

Viele KaDeWe-Kunden werden „ihre“ Apotheke, die Isabella Abaew gehört, vermissen. Auf dem Weg vom Kaufhaus, über die Straße in Richtung Parkhaus – da kauften viele gern ein, weil es praktisch war. Und weil der Service stimmte. Viele Stammkunden sind seit der Eröffnung schon in der neuen Offizin gewesen „Alte Stammkunden haben uns schon wiedergefunden. Und wir sind natürlich dabei, uns einen zusätzlichen Kundenstamm aufzubauen“, sagt Bennani. Die Lage hat durchaus auch Vorteile, gleich vor der Apotheke gibt es eine U-Bahnstation und eine Bushaltestelle, an der viele Linien halten.

In der neuen Apotheke gibt es mehr als doppelt so viel Platz wie am alten Standort. „Die Offizin ist 170 Quadratmeter groß“, erzählt die Apothekerin. Beim Umzug hat das Team tatkräftig mitgeholfen. Tagelang, auch am Wochenende. „Wir sind 15 im Team, alle haben fleißig mitgearbeitet. Die Ware ist noch nicht komplett ausgepackt, wir suchen noch einiges“, erzählt sie, „aber vorne sieht alles wunderschön aus, unser Kosmetik- und Nahrungsergänzungsmittelbereich ist deutlich größer als vorher. Der Umzug war natürlich lange im Voraus geplant, Übervorräte und Bürosachen haben wir schon nach und nach verpackt und in die neuen Räumlichkeiten transportiert.“ Der Hauptteil des Umzugs fand am vergangenen Wochenende statt, Samstagabend nach Geschäftsschluss ging es los.

Bennani sagt lächelnd: „Stellen Sie sich das größte Chaos Ihres Lebens vor – und das hoch Zehn. Man versucht immer, alles perfekt zu organisieren, aber am Ende kommt es immer anders. Die Apotheke musste am Dienstag revisionsfähig sein.“ Da erfolgte die Prüfung des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LAGeSo), die die Betriebserlaubnis erteilte. Die Umbauarbeiten am alten Standort sollen vier bis fünf Jahre dauern. Dann will die Apotheke am Karstadt wieder umziehen – und wieder Apotheke im KaDeWe heißen.

Am Kudamm-Standort könnte sie sowieso nicht bleiben, denn das Kaufhaus soll laut aktuellen Plänen ebenfalls abgerissen werden. „Wir müssen und wollen zurückziehen“, sagt Bennani. Auch am Übergangsstandort hat Karstadt-Eigner René Benko große Pläne. Er will das 70er-Jahre-Warenhaus abreißen und mit angrenzenden Gebäuden ein Stadtquartier mit drei Hochhaustürmen der Größenkategorie 100, 120 und 150 Meter bauen. Ob er diese Pläne verwirklichen kann, steht noch in den Sternen. Die Berliner Senatsbaudirektorin hat kürzlich bereits Protest eingelegt.