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Apotheke vs. Drogerie: Welche Medikamente sind besser? APOTHEKE ADHOC, 23.01.2019 13:58 Uhr

Berlin - Drogerie vs. Apotheke: Frei verkäufliche Medikamente gibt es längst nicht mehr nur in der Offizin, sondern auch im Mass Market. Gegen Erkältungssymptome wie Husten, Schnupfen oder Halsschmerzen sind die Regale der Drogerien prall gefüllt. Aber wirken die „ähnlichen“ und günstigeren Produkte auch genauso gut wie Arzneimittel aus der Apotheke? RTL macht gemeinsam mit Allgemeinärztin Dr. Leonie Becker den Check.

„Freiverkäufliche Mittel können helfen, weil auch diese Mittel durchaus wirksame Substanzen haben. Und das bedeutet, dass ich auch durchaus mit diesen Mitteln meine Erkältung, wenn sie leicht ist, behandeln kann“, startet Becker in den Beitrag. Direkt im Anschluss folgt die Warnung. Verbraucher sollten sich die Zusammensetzung genau anschauen, denn „nicht alles ist harmlos“. Beispielsweise seien bei Vitaminen Überdosierungen möglich.

Worauf sollten Verbraucher also achten? Becker räumt ein, dass die Arzneimittel in der Apotheke häufig stärker oder sehr ausgewogen dosiert sind. „Das hat seine Berechtigung, dass das auch nur über die Ladentheke gehen darf, wenn ein Apotheker sagt: ‚Ja, das ist gut für sie.‘“ Wichtig sei es, die Zusammensetzung im Beipackzettel anzuschauen und bei Zweifeln – egal ob in der Apotheke oder der Drogerie – den Arzt zu fragen.

Aber warum sind Medikamente aus der Apotheke eigentlich teurer? Apotheken würden die teilweise großen Preisunterschiede mit ausführlicher und kompetenter Beratung rechtfertigen. Wer also richtig sparen will, kann laut Beitrag auf die Beratung verzichten und in die Drogerie gehen.

Einige Hersteller fahren zweigleisig und bieten in der Drogerie ein Pendant zur Apothekenmarke an. Siemens & Co. setzt in der Apotheke auf Emser und im Mass Market auf Emcur. Aus Köln kommen Neo Angin und Anginetten – allerdings mit anderer Zusammensetzung. Außerdem setzt Klosterfrau mit Sinulind plus Nasenspray und Sinulidn Erkältungskapseln mit Eukalyptus auf das bekannte und vertraute Nasic-Design der Apotheke. Queisser vetreibt Doppelherz als „System“ in der Drogerie und als „Aktiv“ in der Apotheke.

Apotheker sind vielleicht die letzten Einzelhändler, auf deren Befindlichkeiten in Sachen konkurrierende Vertriebswege die Hersteller noch Rücksicht nehmen. Als Paradebeispiel dafür, wie man es sich mit dem Berufsstand verderben kann, dient Lichtwer: Ende der 1990er Jahre hatte der Berliner Hersteller sein Knoblauchprodukt Kwai in die Drogerie gebracht. Die Apotheker straften das Unternehmen gnadenlos ab; selbst der Versuch, den Fehler wiedergutzumachen, scheiterte: Die Insolvenz ließ sich nur durch einen Verkauf vermeiden.

Dass Hersteller beide Vertriebswege bedienen, hat unterschiedliche Hintergründe. Manche Unternehmen haben dezidiert Marken für die Offizin entwickelt, darunter die Kosmetikkonzerne Beiersdorf (Eucerin) und L'Oréal (Vichy). Andere Firmen sind durch Zukäufe in neue Handelskanäle geraten, etwa Omega mit Abtei, Dr. Kade mit Sanostol, Dermapharm mit Hübner oder Dr. Theiss mit Lacalut.