Trotz häufigerer Verwendung

Antibiotika: Deutsche ungenügend aufgeklärt Hanna Meiertöns, 13.01.2023 14:54 Uhr

Eine Umfrage ergab, dass die Verwendung von Antibiotika unter den Deutschen in den letzten Jahren zugenommen hat. Foto:shutterstock.com/SonisPhotography
Berlin - 

Die Aufklärungslage in der Bevölkerung bezüglich Antibiotika hat sich in den letzten Jahren verschlechtert: Wie eine repräsentative Umfrage ergeben hat, denken mehr als 40 Prozent der Deutschen, dass Antibiotika auch oder ausschließlich gegen Viren wirksam sind.

Der Bundesverband Deutscher Arzneimittelhersteller (BAH) gibt regelmäßig Umfragen zum Umgang und den Erfahrungen mit Antibiotika in Auftrag. Im Rahmen der Studie durch IQ Nielsen wurden im November 2022 1008 Personen befragt, auch 2017 und 2019 fanden repräsentative Umfragen statt.

Verwendung nimmt zu

Seit 2017 ist die Verwendung von Antibiotika gestiegen. Damals gaben 84 Prozent der Befragten an, schon mal ein Antibiotikum eingenommen zu haben, 2022 waren es 91 Prozent. Generell gaben Frauen häufiger an, Antibiotika angewendet zu haben. Die Quote stieg vor allem in der jüngsten Altersgruppe: 2019 waren es unter den 15- bis 29-Jährigen 78 Prozent, 2022 gaben 91 Prozent der 18- bis 29-Jährigen an, schon mal ein Antibiotikum eingenommen zu haben. Insgesamt sind die Ergebnisse unter PKV- und GKV-Versicherten ausgeglichen.

Schneller wieder gesund

2022 bejahten nur noch 73 Prozent die Aussage, sie seien durch die Einnahme schneller wieder gesund geworden – 2019 waren es noch 79 Prozent gewesen. Auffällig ist dabei vor allem eine Veränderung bei der Altersgruppe von 30 bis 39 Jahren: von 2019 noch 87 Prozent, stimmten 2022 nur noch 72 Prozent zu. Auch bei den über 60-Jährigen sank die Quote von 79 auf 71 Prozent. In den restlichen Altersgruppen blieb das Verhältnis sehr ähnlich zur vorherigen Umfrage.

Generell stimmte aber ein Viertel der Befragten der Aussage zu, dass durch die Einnahme eine Erkältung schneller vorbeigehe, 18- bis 29-Jährige waren am häufigsten der Meinung.

Absetzen bei Besserung

Knapp neun von zehn Befragten (89 Prozent) gaben an, das Antibiotikum streng nach Anweisung eingenommen zu haben, 2017 und 2019 waren es nur 84 Prozent gewesen. Während zuvor auch noch 7 Prozent angegeben hatten, ein Antibiotikum nach Besserung der Beschwerden abgesetzt zu haben, reduzierte sich die Zahl auf 2 Prozent. Auch die Häufigkeit der vergessenen Einnahmen sank von 9 Prozent 2019 wieder auf das Niveau der Umfrage von 2017 mit 6 Prozent.

Allerdings ist auch in diesem Fall die Abweichung zwischen den Altersgruppen deutlich: 20 Prozent der 15- bis 29-Jährigen setzten 2019 ihr Antibiotikum nach Besserung ab, weitere 20 Prozent gaben an, eine Einnahme vergessen zu haben. Auch jeder Fünfte unter den 30- bis 39-Jährigen ließ mindestens eine Einnahme aus. 2022 sank die Zahl der Therapieabbrecher:innen deutlich: Nur 3 Prozent der 18- bis 29-Jährigen gaben an, die Einnahme vorzeitig beendet zu haben. Auch berichteten nur noch 14 Prozent in der jüngsten Altersgruppe und 12 Prozent der 30- bis 39-Jährigen von einer vergessenen Einnahme.

Trotzdem stimmte noch jeder Dritte unter den 18- bis 29-Jährigen der Aussage zu, ein Antibiotikum bei Besserung absetzen zu können, unter den 30- bis 39-Jährigen war es etwa jeder Vierte. 2019 waren es in dieser Altersgruppe noch 44 Prozent gewesen. Auch bei den 40- bis 49-Jährigen und den Befragten über 60 sank die Zustimmung von 28 Prozent auf 15 beziehungsweise 13 Prozent. Insgesamt verneinen acht von zehn Frauen die Aussage, Männer stimmen häufiger zu.

Bakterien, Viren oder beides?

Das Wissensniveau bezüglich der Wirksamkeit von Antibiotika hat unter den Deutschen abgenommen: Insgesamt gaben nur 46 Prozent der Befragten an, dass Antibiotika ausschließlich gegen Bakterien wirksam sind, 2019 waren es noch 50 Prozent gewesen. Mehr als jede:r Vierte war der Meinung, dass sie sowohl gegen Viren als auch Bakterien wirksam sind, unter den über 60-Jährigen sogar fast jede:r Dritte. Von einer Wirksamkeit ausschließlich gegen Viren gingen insgesamt 16 Prozent aus, allerdings jede:r Vierte zwischen 18 und 39 Jahren.

Resistenzbildung

Die Kenntnis über eine Resistenzbildung ist zwar hoch unter den Deutschen, allerdings hat auch diese abgenommen: 2019 waren noch 87 Prozent dafür sensibilisiert, 2022 nur 82 Prozent. Generell wussten Frauen häufiger davon als Männer.

Der Aussage, dass man Resistenzen selbst nicht verhindern kann, stimmten nur noch 42 Prozent zu, 2019 waren es 55 Prozent gewesen. Die Befragten über 60 Jahren waren am häufigsten der Meinung. 2019 hielten noch 52 Prozent der 30- bis 39-Jährigen ein Breitbandantibiotikum für eine gute Ergänzung der Hausapotheke, 2022 war es nur noch jede:r Dritte. In den Altersgruppen darüber hat die Annahme allerdings leicht zugenommen.

Schluckprobleme

Schluckprobleme bei Antibiotika sind ein häufigeres Thema geworden, von 2019 noch 15 Prozent erhöhte sich die Anzahl der Befragten auf 21 Prozent, die schon mindestens einmal Probleme hatten, die Tablette zu schlucken. Dabei ist die Quote unter den 18- bis 29-Jährigen am höchsten (42 Prozent), nimmt aber mit zunehmendem Alter ab: Nur jeder Fünfte der 40- bis 49-Jährigen berichtete von dem Problem, während es bei den über sechzig Jährigen bei weniger als jedem Zehnten auftrat.