ADHS

vdek: Hamburg ist Ritalin-Hochburg dpa, 01.08.2013 09:42 Uhr

Spitzenreiter bei Ritalin: Eine vdek-Analyse hat ergeben, dass Kinder in Hamburg die meisten Medikamente gegen ADHS erhalten. Foto: Elke Hinkelbein
Berlin - 

Hamburgs Schulkinder nehmen im bundesweiten Vergleich die meisten Medikamente gegen die Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Die Hansestadt ist dem Verband der Ersatzkassen (vdek) zufolge Spitzenreiter bei der Verschreibung von Ritalin (Methylphenidat). „Die Verordnungsrate des Wirkstoffs in Hamburg liegt rund 50 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.“

Der Verband stützt sich bei der Analyse auf die Auswertung der Arzneimittelabrechnungsdaten der sechs Ersatzkassen, die er vertritt: Barmer GEK, Techniker Krankenkasse, DAK-Gesundheit, Kaufmännische Krankenkasse (KKH), Hanseatische Krankenkasse (HEK) und HKK.

Bei den verordneten durchschnittlichen Tagesdosen des Wirkstoffs pro 1000 Kinder nimmt Hamburg demnach mit 18,6 den ersten Platz ein. Zum Vergleich: In Berlin werden der Auswertung zufolge nur etwa halb so viele Dosen verordnet (9,8).

Auf den zweiten und dritten Platz kommen Rheinland-Pfalz (16,7) und Bremen (15,1). In Mecklenburg-Vorpommern wurden 6,7 Tagesdosen verordnet und damit die wenigsten bundesweit. Der Bundesdurchschnitt liegt bei einer Tagesdosis von 12,1.

„Rund 5000 gesetzlich versicherte Hamburger Kinder und Jugendliche schlucken das verschreibungspflichtige Betäubungsmittel Methylphenidat täglich“, hieß es. Bei den sechs Ersatzkassen waren nach vdek-Angaben 2012 rund 4,52 Millionen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene versichert, davon knapp 127.000 in Hamburg.

Medikamente wie Ritalin sollten nicht die erste Wahl bei der Therapie sein, sondern zurückhaltend verwendet werden, sagte Ralf Baade von der vdek-Landesvertretung Hamburg. „Ihr Einsatz sollte immer eingebettet sein in ein therapeutisches Gesamtkonzept.“

Nach dem Arztreport der Krankenkasse Barmer GEK von Ende Januar erhielten im Jahr 2011 rund 750 000 Menschen die Diagnose ADHS – ein Plus von 49 Prozent binnen fünf Jahren. Bekamen 2006 noch 32.000 der 10- bis 14-Jährigen Ritalin verordnet, waren es fünf Jahre später bereits 42.000.