Abnehmspritzen: Leopoldina für Kostenübernahme 22.01.2026 12:11 Uhr
Die Besteuerung von stark zucker- oder fetthaltigen Lebensmitteln und Getränken ist der Leopoldina zufolge auch in Deutschland zu empfehlen. Abgaben auf zuckergesüßte Getränke hätten in anderen Ländern wie Großbritannien den Konsum von Zucker und zuckergesüßten Getränken nachweislich reduziert, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften in Halle. Auch in Deutschland sei mit positiven Effekten auf die Bevölkerungsgesundheit und weniger krankheitsbedingten Versorgungskosten zu rechnen.
Die Wirksamkeit der bisherigen politischen Anstrengungen und Strategien gegen Adipositas sei fraglich, so die Leopoldina. Trotz zahlreicher Präventionsbemühungen gehe die Erkrankungshäufigkeit nicht zurück. Im Gegenteil: „In Deutschland gibt es eine Adipositas-Epidemie.“ Fast jedes sechste Kind im Alter von 3 bis 17 Jahren hat demnach Übergewicht oder starkes Übergewicht (Adipositas). Bei den Erwachsenen sind zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen übergewichtig, etwa ein Viertel der Erwachsenen hat starkes Übergewicht.
Kombi von Prävention und Therapie ist sinnvoll
Nötig sei eine Kombination von Prävention und Therapien, hieß es von der Leopoldina. Zentral ist den Akademie-Experten zufolge dabei, dass die Prävention früh ansetzt – in der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren des Kindes. „Ungesunde Verhaltensmuster sollten regulatorisch eingedämmt werden“, heißt es in der Empfehlung weiter. Die Mehrwertsteuer für gesunde Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Vollkornprodukte solle gesenkt werden. Werbung für ungesunde Lebensmittel müsse eingeschränkt werden, insbesondere, wenn sie sich an Kinder und Jugendliche richte, deren Konsumverhalten stark von Werbung beeinflusst werde.
Bei den Therapien gebe es drei Optionen: Medikamente, auf den Lebensstil abzielende Maßnahmen und Chirurgie. Bei den Arzneimitteln sind der Leopoldina zufolge die Inkretin-Mimetika hervorzuheben, die neben dem Gewicht auch Begleiterkrankungen wie Diabetes 2 und kardiovaskuläre Erkrankungen positiv beeinflussen. Derzeit werden die Kosten für Arzneimittel, deren primäres Ziel die Steigerung der Lebensqualität ist – dazu zählt auch die Regulierung des Körpergewichts – nicht übernommen. Eine Anpassung sei dringend erforderlich, so die Expert:innen.
Hohe finanzielle Belastung für die Gesellschaft
Zu den Folgen von Adipositas gehört ein höheres Risiko unter anderem für Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes und Krebserkrankungen. Die jährlichen volkswirtschaftlichen Kosten von Adipositas und Übergewicht werden der Leopoldina zufolge auf etwa 2,6 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts geschätzt, was etwa 113 Milliarden Euro entspreche.
Inkretin-Mimetika: Rechtliche und finanzielle Barrieren abbauen
Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) und die Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) begrüßen die Forderungen und beziehen sich damit vor allem auf den präventiven Ansatz: Programme in Kindergärten und Schulen, Zuckersteuer, die Senkung der Mehrwertsteuer auf gesunde Lebensmittel und Werbeverbote für ungesunde, insbesondere, wenn sich diese an Kinder richten.
„Die Nationale Akademie der Wissenschaften unterstreicht absolut zutreffend, dass die Prävention ein zentraler Schlüssel zur Vermeidung der Adipositas ist. Viel zu wenig werden bislang Maßnahmen ergriffen, die Kinder und Jugendliche schützen, Gesundheits- und Bewegungskompetenzen fördern und gesunde Lebenswelten schaffen. Viele ausgewogene und evidenz-basierte Vorschläge sind vorhanden, wir wissen also, was zu tun wäre. Nun muss aber auch an verantwortlicher Stelle gehandelt werden“, so Professor Dr. Martin Wabitsch, Sprecher der AGA.
Beim Zugang zu modernen Adipositas-Mitteln wie Inkretin-Mimetika müssten bestehende rechtliche und finanzielle Barrieren abgebaut werden, insbesondere mit Blick auf Paragraf 34, Absatz 1 des Sozialgesetzbuches, den sogenannten „Lifestyle-Paragrafen“. Auch digitale und telemedizinische Angebote könnten diese Maßnahmen niedrigschwellig und alltagsnah gestalten, so DAG und AGA.
Die wirksame Bekämpfung von Adipositas sei eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, welche nur sektorübergreifend, interdisziplinär und ressortübergreifend bewältigt werden kann. „Zugleich ist die Positionierung der Leopoldina ist ein klarer Auftrag an die politischen Entscheidungsträger, endlich zu handeln“, ergänzt DAG-Präsident Professor Dr. Matthias Laudes.