Barbara-Apotheke in Voerde

29 Monate Baustelle fast vor der Haustür APOTHEKE ADHOC, 23.02.2019 08:28 Uhr

Berlin - Die Botschaft, dass es fast vor der Haustür 29 Monate lang eine Baustelle geben wird, kann auch bei erfahrenen Apothekern zu Atemnot führen. Hans-Ulrich Zipfel aus Voerde am Niederrhein erlebt die Auswirkungen einer Riesen-Baustelle seit einem Dreivierteljahr.

Die Baustelle befindet sich zwar nicht 29 Monate lang direkt vor seiner Barbara-Apotheke, aber eine gute Nachricht ist das nicht, denn die Zufahrtsstraße wird komplett erneuert. Dazu gehören die Fahrbahndecke, Geh- und Radwege, zusätzlich werden Leitungen erneuert. Mehrere tausend Autos täglich passieren normalerweise die Straße vor seiner Apotheke, seit Beginn der Bauarbeiten hat sich der Verkehr drastisch reduziert. Von jetzt auf gleich wurde aus einer hochfrequentierten Straße eine beinahe leere. „Man könnte problemlos Fußball hier spielen“, sagt der Apotheker.

Die Arbeiten finden abschnittsweise statt. „Die Durchfahrt ist immer unterbrochen“, sagt Zipfel. Das bedeutet, dass nur sehr treue Stammkunden längere Anfahrtswege auf sich nehmen, um ihre Solidarität mit der Barbara-Apotheke unter Beweis zu stellen. Der Apotheker verzeichnet bisher einen Umsatzrückgang von 15 bis 20 Prozent.

Den Apotheker ärgert die Informationspolitik der Verwaltung – besser gesagt, die kaum vorhandene Informationspolitik. „Die Infopolitik des Kreises ist eine Katastrophe“, sagt er. Rund 50 Meter entfernt liegt die Baustelle, die ihm den Kundenstrom abkappt. Damit muss ein Bürger fertig werden, so verlangt es das Gesetz. Nicht jeder schafft das. Eine Tankstelle in der Nachbarschaft musste schon die Öffnungszeiten drastisch reduzieren.

Apotheker Zipfel ist Vorsitzender der Gewerbegemeinschaft in Möllen, jenem Stadtteil von Voerde, in dem sich die Baustelle befindet. „Wir haben den Kontakt mit den Verantwortlichen gesucht. Uns wurde mitgeteilt, dass wir keinerlei Einfluss auf die Bauarbeiten nehmen können.“ Der Apotheker und die übrigen Gewerbetreibenden wären schon mit umfassender Information zufrieden gewesen. Oder mit der Maßnahme, statt die komplette Straßendecke aufzureißen, die Straße in einer Fahrtrichtung für den Verkehr offen zu lassen. „Wir bekamen die Auskunft, dass das aus technischen Gründen nicht möglich sei“, erzählt der Apotheker. „Es hat überhaupt niemanden interessiert, wie man die 29 Monate für Gewerbetreibende einigermaßen erträglich gestalten kann. Über die Dimension der Baumaßnahme wurde weder im Kreistag noch im Stadtrat vernünftig informiert.“

Die Frage, wie lange man das als Apotheker durchhalten kann, stellt Zipfel sich lieber nicht. „Man hat ja keine Alternativen, wenn man selbstständig ist“, sagt er und hofft, dass seine Stammkunden ihm auch weiterhin die Treue halten. „Dann werden wir das durchhalten. Man ist ein Stück weit hilflos.“ Der Apotheker sieht ein, dass Bauarbeiten sein müssen, aber 29 Monate hält er für ungewöhnlich lang.

Entschädigungszahlungen zu beantragen, hat er zwar erwogen, den Gedanken aber wieder verworfen. „Wir wissen, dass das extrem schwierig ist, die Schäden müssen existenzgefährdend sein.“ So schlimm ist die Lage derzeit – noch – nicht.

Auch von der Zuverlässigkeit der Ankündigungen sind die Anrainer mittlerweile nur noch genervt. „Der erste Bauabschnitt sollte Ende letzten Jahres fertiggestellt sein, dann wären wir für viele Kunden auch wieder einfacher zu finden. Über Weihnachten war der Abschnitt kurz geöffnet, seit Anfang Januar ist er wieder geschlossen, angeblich für Restarbeiten.“ Die sollen bis März dauern. Wenn es gut läuft. Die gesamten Bauarbeiten sollen Ende 2019 beendet werden.