Apotheken-Franchise

Wiener Schmäh für deutsche Patienten APOTHEKE ADHOC, 16.05.2009 12:57 Uhr

Berlin - 

Deutschlands Pharmazeuten können ab sofort bei einem neuen Franchise-Konzept einsteigen. In Berlin eröffnete in der vergangenen Woche die erste deutsche und weltweit zweite „Saint Charles Apotheke“. Knapp ein Jahr haben die Vorbereitungen für den Import des österreichischen „Premium-Apotheken“-Konzepts gedauert. 

Bis zu 200 Filialen sollen folgen; hochfrequente Lagen, Interesse an Naturheilmitteln sowie die Bereitschaft zum einheitlichen Auftritt und monatliche Lizenzzahlungen sind Pflicht. Die Macher setzen auf ein gehobenes Ambiente sowie hochwertige Eigenmarken in den Bereichen Kosmetik und Nahrungsergänzungsmittel.

Vertrieben wird das Modell in Zusammenarbeit mit der Münchener Firma IMG - Institut für innovatives Marketing im Gesundheitswesen, bekannt durch verschiedene Apothekenkonzepte und das Discount-Franchise-Modell Farma-Plus. Bei „Saint Charles“ muss es nicht immer das Komplettpaket sein. Auch Shop-in-Shop-Systeme oder reine Naturkosmetik-Filialen sind möglich. Lizenzvertrag und Produkte kommen in jedem Fall aus dem Wiener Stammhaus.

In der österreichischen Hauptstadt wurde das Konzept 2002 erfunden. Gemeinsam hatten die beiden heutigen Inhaber Alexander Ehrmann und Martin Rohla eine Apotheke übernommen und bis November 2006 komplett umgebaut. Mittlerweile betreiben die Unternehmer unter der Dachmarke zwei Kosmetik-Geschäfte, ein Kosmetikstudio, ein Entspannungszentrum, ein Restaurant sowie einen Bauernhof.

Ehrmann ist als Apotheker (in sechster Generation) für alles Pharmazeutische und Kreative zuständig, Rohla ist der Mann fürs Geschäft. 1997 hatte der Betriebswirt den Pharmabetrieb seiner Eltern an Nycomed verkauft. Nach verschiedenen Zwischenstationen landete Rohla als geschäftsführender Gesellschafter bei Datapharm, dem größten Anbieter von Apotheken-EDV in Österreich.

Rohla betreute außerdem eine Vielzahl von Apothekengründungen und -übernahmen. Die Mannheimer Phoenix ist bei der Wiener Apotheke nicht nur als Erstlieferant an Bord, sondern auch als Darlehensgeber. Das Franchise-Konzept ist laut Ehrmann davon aber nicht berührt.

Derzeit gibt es den Unternehmern zufolge mehr als zwei Dutzend Interessenten in Deutschland. „In Österreich selbst ist kein Franchise geplant“, sagt Ehrmann. Wegen der Niederlassungsbeschränkungen sei dieses Geschäftsmodell nur schwierig umzusetzen. Deutschland sei da schon „spannender“. Aber auch die Expansion in die Schweiz, in die USA und weitere Länder sei geplant. Der Ruf als „außergewöhnlichster Apotheker Wiens“ eilt Ehrmann voraus.