Lieferengpass

Vagantin frühestens im September 2024 verfügbar Katharina Brand, 27.11.2023 08:58 Uhr

Krankhaftes Schwitzes ist häufig mit einem großen, psychischen Leidensdruck verbunden. Foto: kanachaifoto/stock.adobe.com
Berlin - 

Seit Juli dieses Jahres ist Vagantin nicht lieferbar. Das Präparat von Esteve wird bei Hyperhidrose – krankhaft starkem Schwitzen – eingesetzt. Es ist das einzige systemisch wirksame Präparat, das in Deutschland in der Verschreibungspflicht zugelassen ist. Nun erklärt Esteve, dass es zu einer weiteren Verzögerung kommt. Wo man vormals von einer Verfügbarkeit im Juli 2024 ausgegangen war, gehe man jetzt von Ende September 2024 aus.

Grund für die Nichtverfügbarkeit des Präparats sei ein Herstellerwechsel, erklärt Esteve auf Nachfrage. „Wir sind bereits mit Hochdruck dabei, diesen Wechsel mit allen behördlichen Auflagen so schnell wie möglich umzusetzen. Dennoch handelt es sich um ein komplexes Herstellungsverfahren, das an den vielen verschiedenen Herstellungsstufen Justierungen erfordert, die zur vollständigen Zufriedenheit abgeschlossen sein müssen, um die Sicherheit und Qualität des Produktes auf jeder dieser Stufen zu gewährleisten.“

Echte Alternativen: Fehlanzeige

Als Mittel der Wahl in der Verschreibung gilt zurzeit Axhidrox. Hierbei handelt es sich allerdings um eine lokal aufzutragende Creme. In der Umsetzung ist das nicht für jede:n Patient:in eine adäquate Lösung. Systemisch wirksame Präparate im freiverkäuflichen Bereich sind oftmals kostspielig. Nicht jede:r Betroffene kann sich das auf Dauer leisten, denn: OTC-Präparate werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen getragen oder bezuschusst.

Zwar gibt es Therapie-Ansätze im Off-Label-Bereich, eine echte Überbrückung bis zur Verfügbarkeit von Vagantin stellen diese erfahrungsgemäß aber nicht dar. Da der Leidensdruck Betroffener oft hoch ist, zählen zwar auch Psychopharmaka, Tranquilizer und Sedativa zu weiteren systemischen Ansätzen. Die Ursache bekämpfen diese Präparate selbstredend nicht. Kontrollierte Studien liegen ebenfalls nicht vor.