Cannabis-Rezepte

Start-up gegen Rezeptfälschungen Deniz Cicek-Görkem, 03.07.2018 12:47 Uhr

Berlin - 

Gefälschte Rezepte können Apotheker viel Geld kosten. Gerne werden Verordnungen über Arzneimittel mit Missbrauchspotenzial und auch Betäubungsmittel manipuliert. Jibbit, ein Start-up aus Monheim, möchte das Rezeptwesen revolutionieren und plant eine sogenannte Blockchain-Technologie, um dem entgegenzuwirken. Bei einer Umsetzung der Idee könnten künftig Apothekenmitarbeiter schnell und sicher Fälschungen feststellen. Vorerst widmet sich das Unternehmen den Cannabis-Rezepten.

Der Arzt soll eine Software-Lösung namens JibbitDoc erhalten und das Rezept virtuell in der Blockchain ablegen. Das ist ein dezentraler Platz, an dem die Daten in verschlüsselter Form gespeichert werden. Seinem Patienten händigt er eine Karte mit Schlüssel aus, damit die Daten in der Apotheke ausgelesen werden können. Die Karte soll wie eine gängige EC-Karte über das EC-Gerät gezogen werden können.

Alternativ erhalte der Patient einen QR-Code, die der Apotheker mit seinem Handy ablesen könne. So sollen Apotheker und PTA binnen Sekunden die Rezepte auf Echtheit überprüfen können. „Die Blockchain bringt Transparenz und Sicherheit“, verspricht René Müller, der in dem Unternehmen für das Marketing zuständig ist. Der Apotheker erhält weiterhin ein physisches Rezept vom Patienten; die Technologie ist vorerst als zusätzliche Maßnahme gedacht. Die App werde für Pharmazeuten kostenlos sein. „Wir wünschen uns, dass die Kosten von den Krankenkassen übernommen werden“, so Müller.

Um die Alltagstauglichkeit zu beurteilen, soll JibbitDoc zunächst mit freiwilligen Apothekern und Ärzten in Köln und Berlin getestet werden. Das Unternehmen konzentriert sich zuerst auf die Echtheit von Cannabis-Rezepten: „Aus Gesprächen mit Ärzten und Apothekern wissen wir, dass es bei Arzneimitteln mit Missbrauchspotenzial häufig zu Rezeptfälschungen kommt. Diese Rezepte belasten das Budget von Ärzten, Apothekern und Krankenkassen, denn die Schäden sind hoch.“ Was ist der Nutzen für Apotheker? „Lästige Rückfragen bei Ärzten fallen weg sowie auch Retaxationen durch Rezeptfälschungen. Außerdem kann schnell ein Wechselwirkungs-Check durchgeführt werden.“ Das Gesamtkonzept sei bei der Apothekerschaft insgesamt positiv aufgenommen worden.

Die App soll weiterhin auch telemedizinische Sprechstunden sowie Online-Terminbuchungen ermöglichen. „Auch im Bereich der pharmazeutischen Beratung sind wir bemüht, digitale Lösungen anzubieten“, so Müller. Doch das sei erst langfristig geplant. Dennoch seien die Apotheker ein essentieller Bestandteil des Konzepts: „Ohne sie würde das System nicht funktionieren.“ Bei erfolgreicher Umsetzung sollen teilnehmende Apotheken ein „Trusted“-Aufkleber bekommen, das zeigen soll, dass in dieser Offizin mit Blockchain-Technologie Fälschungen entgegengewirkt wird.

Die derzeitige Handhabung im Alltag sieht vor, dass der Arzt die Verordnung auf dem Computer vorbereitet und dann die Daten auf Papier ausdruckt. Das Papierrezept bringt der Patient in die Apotheke, wo das Personal die Verordnung auf Echtheit, Vollständigkeit Plausibilität überprüfen muss. In diesem Teil des Prozesses passieren häufig die Fehler, die für die Apotheke mit Kosten verbunden sind. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn das Rezept beliefert wurde, es sich aber im Nachhinein herausgestellt hat, dass es sich um eine Fälschung handelt. Oft ist damit eine Retaxation verbunden.

Die Rechenzentren und Krankenkassen arbeiten letztlich mit diesen Rezepten in digitaler Form weiter. Der Zwischenschritt der Digitalisierung, bei dem die Apotheke einbezogen ist, fehlt derzeit noch in Deutschland. Die Große Koalition will beim E-Rezepte jetzt endlich mehr Drucl machen. Müller ist optimistisch: „Wenn das Gesetz geändert wird, wird es in Richtung Blockchain-Technologie gehen. Denn hier ist die Fehlerquote praktisch Null.“ Auf lange Sicht sollen nicht nur Cannabis-Rezepte, sondern auch alle anderen Kassen- und Privatrezepte kontrolliert werden können.