Offener Brief an CDU-Politiker

Selber absurd! Kuck kontert Hennrich Alexander Müller, 17.02.2020 11:27 Uhr

Berlin - Noweda-Chef Dr. Michael Kuck hat sich in einem offenen Brief an CDU-Gesundheitsexperte Michael Hennrich gewandt und dessen Aussagen zum Großhandel scharf kritisiert. Hennrich hatte das heutige Logistiksystem des Großhandels bei der Berliner Runde des BAH als „absurd“ bezeichnet. Kuck dreht den Spieß um, schließlich mache die Politik die Rahmenbedingungen.

Hennrich hatte dem Großhandel in einer Debatte um Lieferengpässe unter anderem geraten, „mehr in die Bevorratung zu investieren und Abstriche bei der Lieferfrequenz“ zu machen. Kuck kontert: „Tatsächlich gibt es im Rahmen des deutschen Gesundheitssystems und der Steuerung dieses Systems eine ganze Reihe von Absurditäten.“

Der Noweda-Chef führt weiter aus: „Absurd ist es, wenn man in Deutschland – früher bekanntlich die Apotheke der Welt – in Zeiten des grassierenden Coronavirus besorgt sein muss, ob die Versorgung mit Antibiotika dauerhaft sichergestellt werden kann, weil diese zu einem nicht geringen Teil in China produziert werden. Jahrelang hat die Politik alle Warnungen vor einer zu großen Abhängigkeit von anderen Staaten in der Arzneimittelproduktion ignoriert.“

Ebenfalls absurd sei es, dass die Politik dem Apothekensterben tatenlos zusehe und damit der Beschädigung einer einmaligen sozialen Infrastruktur. Inzwischen schließe alle 32 Stunden eine Apotheke, erinnert Kuck. Ferner nehme die Politik hin, dass EU-Versender immer größere Umsatzanteile erzielten und dabei „behördlich praktisch nicht kontrolliert werden“. Vor-Ort-Apotheke und Großhandel als Teil der klassischen Lieferkette hätte dagegen mit immer höheren Auflagen zu kämpfen. In diesem Zusammenhang findet es Kuck auch absurd, „wenn es 21 europäischen Staaten gelingt, die soziale Infrastruktur der eigenen Arzneimittelversorgung durch ein Rx-Versandverbot zu schützen, Deutschland hierzu jedoch keine Möglichkeit sieht.“

Und dann geht der Noweda-Chef auf das Thema Lieferengpässe ein: „Die Politik begegne dem Problem mit Scheinlösungen, wenn als Maßnahme Hersteller und Großhändler Daten liefern sollten, „anstatt die jahrelangen Sparmaßnahmen der Gesetzlichen Krankenkassen als die tatsächliche Ursache der Lieferengpässe ernsthaft zu thematisieren“. Es sei absurd, wenn nun die Logistik der Großhändler ins Visier genommen werde. Anschließend schildert Kuck die aus seiner Sicht die Leistungen des Großhandels. Noch hielten es viele Menschen für selbstverständlich, ihre Medikation unmittelbar nach dem Arztbesuch oder nur wenig später zu erhalten. „Aber das ist es eben nicht“, erinnert Kuck.

Mit Blick auf die CO2-Bilanz müssten natürlich auch die Großhändler über mehr Nachhaltigkeit nachdenken. Die Noweda befasse sich beispielsweise intensiv mit den Themen Elektromobilität und Wasserstoff. „Gerade in der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnik sehen wir eine vielversprechende Möglichkeit, unseren Fuhrpark nachhaltiger und ökologischer aufzustellen“, so Kuck.

Der pauschale Abbau von Belieferungstouren würde sofort die hohe Verfügbarkeit von Arzneimitteln für Patienten verschlechtern, ist Kuck überzeugt. „Zugleich würde der ausländische Versandhandel weiter gestärkt, der sich im Übrigen offensichtlich nicht mit Forderungen nach CO2-Einsparungen konfrontiert sieht.“

Kuck fragt sich auch, wie eine höhere Lagerhaltung im Großhandel bei gleichzeitiger Verringerung der Belieferungstoruren die Verfügbarkeit der Arzneimittel in den Apotheken sicherstellen soll. Allein für die Umsetzung der mittlerweile rund 28.000 Rabattverträge müssten die Apotheker dann massiv ihre Lager erweitern, was in vielen Apotheken schon aus Platzgründen nicht möglich sei. „Letztendlich lässt sich Ihre Auffassung zur Verringerung der Belieferungsfrequenz mit einem Satz beschreiben: Verschlechterung der Versorgungsqualität der Bevölkerung zum Zwecke schneller CO2-Einsparung. Eine Politik, die das will, sollte den Mut haben, das auch zu sagen“, so Kuck an Hennrich, der den CDU-Politiker abschließend einlädt, sich vor Ort ein Bild von der Arbeit der Großhändler zu machen.