Sanofi steigt bei Chepla ein 14.09.2026 15:52 Uhr
Sanofi hat bereits mehrere Altoriginale an Cheplapharm abgegeben, jetzt geht die Kooperation auf eine neue Ebene: Diesmal wechseln 20 Produkte den Besitzer, im Gegenzug steigt der französische Pharmakonzern beim deutschen Familienunternehmen ein. Das steigert damit auch seine Präsenz auf dem Heimatmarkt. Und Firmenchef Sebastian Braun ist sich sicher, dass ihm damit eine Blaupause für weitere Deals gelungen ist.
Sanofi und Cheplapharm gehen eine strategische Partnerschaft ein, in deren Rahmen Cheplapharm nicht nur 20 etablierte Medikamente, sondern auch drei Produktionsstandorte von Sanofi übernehmen wird. Im Gegenzug erhält Sanofi eine Beteiligung von 26,4 Prozent an Cheplapharm. Zum Portfolio gehören unter anderem Lovenox/Clexane, aber auch Xatral, Zenon und Cordarone.
Cheplapharm kann seinen Umsatz von derzeit 1,6 Milliarden Euro auf einen Schlag um eine weitere Milliarde Euro steigern. Die beiden Partner kooperieren bereits seit 2014; auch bei anderen Herstellern wie Lilly oder AstraZeneca hat Cheplapharm bereits bekannte Altoriginale abgestaubt.
Doch eine Größenordnung wie jetzt hatte bislang kein Deal. Im Rahmen des Projekts gehen auch die Produktionsstandorte in Csanyikvölgy in Ungarn mit rund 400 Mitarbeitenden, Jurong in Singapur mit circa 100 Mitarbeitenden und Ploërmel in Frankreich mit rund 65 Mitarbeitenden an Cheplapharm über. Hier werden die wichtigsten Produkte aus dem Sortiment hergestellt. Die Beschäftigten sollen ihre Tätigkeit unter Beibehaltung der bestehenden Arbeitsverhältnisse und Tarifvereinbarungen fortsetzen.
Braun, der das Familienunternehmen in zweiter Generation führt, ist überzeugt, dass der Deal zur Blaupause für ähnliche Transaktionen werden kann. „Es gibt noch unglaublich viele Nischenprodukte in den Bilanzen der großen Pharmakonzerne. Eine Dealstruktur wie diese könnte ein Vorbild sein.“ Er schätzt, dass Produkte mit Erlösen von 240 Milliarden Euro weltweit in Frage kommen: Altoriginale, deren Patent seit mehr als zehn Jahren abgelaufen ist und die im generischen Wettbewerb stehen, aber eine starke Marktposition haben, oder die als Nischenprodukte für die Versorgung von Bedeutung sind.
Die Partnerschaft mit Sanofi basiert entsprechend auch auf der gemeinsamen Überzeugung, dass innovative Arzneimittel und bestimmte etablierte Medikamente unterschiedliche Anforderungen haben und deshalb von Geschäftsmodellen profitieren sollten, die speziell auf ihre jeweiligen Produktions-, Zulassungs- und Vermarktungsanforderungen zugeschnitten sind. Die spezialisierte Expertise von Cheplapharm soll sicherstellen, dass diese langjährig etablierten Arzneimittel auch in der nächsten Phase ihres Lebenszyklus weiterhin den Bedürfnissen der Patienten gerecht werden.
Mehr als ein Jahr wurde verhandelt, mindestens noch einmal so lange soll laut Braun die Integration des Portfolios dauern. Dann aber könnte nach dem Vorbild – Produkte gegen Anteile – der nächste Deal an Land gezogen werden. „Wir freuen uns über einen solchen Mitgesellschafter wie Sanofi, der schöne Schätzchen mitbringt.“
„Dieser Schritt steht für ein langfristiges pharmazeutisches und industrielles Engagement: Wir investieren in Standorte und deren Fachwissen, bewahren spezialisierte Kompetenzen und stellen die langfristige Verfügbarkeit dieser Therapien für Patienten sicher. Wir sind stolz darauf, dieses Ziel gemeinsam mit Sanofi zu verfolgen“, so Braun.
Und Thomas Grenier, Executive Vice President für den Bereich General Medicines bei Sanofi, ergänzt: „Unser mehrjähriger Prozess, unser Portfolio etablierter Arzneimittel zu vereinfachen, hat es uns ermöglicht, uns stärker auf Innovationen zu konzentrieren und gleichzeitig sicherzustellen, dass bewährte Medikamente weiterhin für die Patienten verfügbar sind, die sie benötigen. Cheplapharm ist seit mehr als einem Jahrzehnt ein vertrauenswürdiger Partner, und diese Transaktion baut maßgeblich auf früheren Akquisitionen aus dem Portfolio etablierter Arzneimittel von Sanofi auf. Diese neue Partnerschaft sowie unsere Beteiligung an Cheplapharm unterstreichen unser Engagement, Patienten weiterhin den Zugang zu wichtigen Arzneimitteln von heute zu ermöglichen und gleichzeitig die medizinischen Innovationen von morgen voranzutreiben.“
Die kommerzielle Übertragung des Arzneimittelportfolios soll im ersten Quartal 2027 beginnen. Anschließend sollen die Standorte übertragen werden – vorbehaltlich der Informations- und Konsultationsverfahren mit den Arbeitnehmervertretern, der behördlichen Genehmigungen sowie der üblichen Vollzugsbedingungen. Der Abschluss der gesamten Transaktion wird für das dritte Quartal 2027 erwartet.