Porträt

HEC Pharm: Generika und Aluminium Julia Pradel, 05.07.2013 10:05 Uhr

Berlin - Zwischen den bekannten Rabattarzneimitteln gibt es in der Apotheke auch Exoten: Ein Unternehmen, dass gleichzeitig relativ groß – US-Medien ziehen bereits Vergleiche zu Ranbaxy und Dr. Reddy's – und hierzulande noch weitestgehend unbekannt ist, ist HEC Pharm. Das chinesische Pharmaunternehmen hat 2012 sein erstes Präparat auf den Markt gebracht und ist damit bereits in zwei Rabattverträgen vertreten.

Die HEC Gruppe wurde 1992 unter dem Namen Zhejiang Hengdian Electronic Company gegründet und gehört heute mit einem Umsatz von 2 Milliarden US-Dollar zu den 50 größten Privatunternehmen in China. Das Hauptgeschäft der Gruppe ist Aluminium: HEC besitzt die größte Produktionsstätte für Folien und Kondensatoren. Außerdem besitzt die Gruppe seit 2007 ein eigenes Kraftwerk und eine Genehmigung zum Bergbau.

Zum Pharmageschäft war man eher zufällig gekommen: 2001 hatte die HEC Gruppe bei einer Investition im Aluminiumgeschäft auch eine Produktionsstätte für pharmazeutische Wirkstoffe in der Provinz Hubei erworben, vier weitere Werke kamen wenig später dazu. Zwei Jahre darauf wurde die Sparte HEC Pharm gegründet, die von Zhang Zhongneng – dem Eigentümer der HEC Gruppe – und Dr. Guenther Kinast geleitet wird.

Zunächst hatte sich HEC Pharm auf Generika konzentriert. Gestützt durch das Aluminiumgeschäft der HEC Gruppe wurde aber inzwischen eine Forschungsabteilung mit 1200 Mitarbeitern und einem Budget von mehr als 70 Millionen Dollar eingerichtet: Die Strategie des Unternehmens ist es, hochqualifizierte Wissenschaftler aus China und dem Ausland zu gewinnen.

Berufsanfängern bietet HEC Pharm nicht nur ein für chinesische Verhältnisse gutes Gehalt, sondern auch Wohnungen und Prämien. Die genaue Zahl der Mitarbeiter spielt in China keine große Rolle, entscheidend ist die Ausbildung: Bei HEC Pharm betont man, dass 65 Prozent der Beschäftigten in der Forschung und Entwicklung einen Master- oder Doktortitel haben.

HEC Pharm konzentriert sich auf vier therapeutische Bereiche: Antibiotika, Onkologie, Neurologie und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Mehrere Moleküle befinden sich zurzeit in der Entwicklung, so zum Beispiel der Non-Polymerase-Inhibitor Morphothiadine zur Behandlung von Hepatitis-B. Den Ansatz für diesen Wirkstoff brachte ein ehemaliger Bayer-Mitarbeiter mit. Außerdem entwickelt HEC Pharm zwei Krebsmedikamente, ein Diabetesmittel und einen Wirkstoff zur Bekämpfung des Hepatitis-C-Virus.

Die Wirkstoffe sollen zunächst in China auf den Markt gebracht werden, da die Zulassung neuer Medikamente dort einfacher ist als in den USA oder Europa. In der Volksrepublik müssen Unternehmen beispielsweise nicht nachweisen, dass die Arzneimittel einen Zusatznutzen haben.

Die deutsche HEC Pharm-Niederlassung in Berlin wurde 2010 eröffnet. In der Hauptstadt kümmern sich vier Mitarbeiter vor allem um die Registrierung der Arzneimittel in Europa und den Vertrieb der Präparate. 2012 wurde mit Azithromycin-HECpharm der erste Wirkstoff des Unternehmens in der EU zugelassen – und damit zugleich das erste Präparat eines chinesischen Unternehmens unter dessen eigenem Namen.

Weitere Generika sollen folgen: Clarithomycin, Ciprofloxacin, Levofloxacin und Irbesartan befinden sich zurzeit in der Registrierung für den deutschen Markt. Für Azithromycin hat HEC Pharm bereits Rabattverträge mit der Knappschaft und dem Kassendienstleister GWQ abgeschlossen. Mit den Rabattverträgen will sich der Hersteller in Deutschland etablieren: „Finanziell machen die Rabattverträge keinen Sinn. Aber man darf das Geschäft nicht kurzfristig sehen“, erklärt Kinast.