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Pillbox: Start-up spannt Apotheken ein Nadine Tröbitscher, 17.11.2017 08:57 Uhr

Berlin - Einfach muss es sein und bequem. Das Start-up Pillbox hat sich auf die Fahne geschrieben, den Patienten den Weg zum Arzneimittel zu verkürzen und  Lücken in der Versorgungskette zu schließen. Wie? Indem die Apotheken die ausgeschrieben Dienstleistungen – Medikationscheck, Verblisterung und Botendienst – erbringen und für die Teilnahme zahlen.

Pascal Evecek und Christian Lenski sind die Gründer von Pillbox, ihnen geht es nach eigenem Bekunden primär um eine Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS). Evecek hat Wirtschaftswissenschaften studiert und nach seinem MBA-Abschluss das Gesundheitssystem zu seinem Metier gemacht. Als Gründer eines Ärztehauses hat er den Markt durch verschiedene Brillen gesehen. „Das Problem war immer der Umgang mit den Medikamenten. Die einen wundern sich, warum die Pille plötzlich rot ist, die anderen fragen, wie das Arzneimittel einzunehmen ist. Die Ärzte wissen aufgrund der fehlenden gemeinschaftlichen Datenlage oft nicht, welche Arzneimittel die Patienten eigentlich einnehmen.“

Der Gründer sieht „die vermeidbaren Medikationsfehler als gesellschaftliches Problem“. „Die jetzige Struktur vom Disponieren bis zur Einnahmesicherheit hat Lücken.“ Diese will Pillbox schließen und zeigen, dass auch „ein kleines Start-up etwas tun kann“. Das Unternehmen aus Düsseldorf beschäftigt aktuell fünf feste Mitarbeiter. Dem gegenüber stehen etwa 15 Millionen Menschen in Deutschland, die regelmäßig drei oder mehr Medikamente einnehmen, davon wenden 30 Prozent diese Medikamente nicht wie verordnet an.

Wie funktioniert Pillbox? Nutzer registrieren sich für pill:scription und erhalten somit die Services pill:check, pill:kit, pill:delivery und pill:fill. Der Kunde bevollmächtigt das Start-up zur Kommunikation mit Apotheken und behandelnden Ärzten. Und erspart sich so den Gang in die Apotheke. Pillbox will mit Vor-Ort-Apotheken zusammenarbeiten, mitmachen kann jeder, der dem Anforderungsvertrag zustimmt. „Ambitionen, mit Versandapotheken zu arbeiten, haben wir nicht“, versichert Evecek.

In den kooperierenden Apotheken werden die Arzneimittel im Namen des Kunden eingekauft – sowohl Rx als auch OTC. Die Apotheke nimmt nun einen Wechselwirkungscheck vor. „Bevor jemals etwas verblistert wird, findet der pill:check statt. Was der Patient alles einnimmt, muss vorab geklärt werden, darum werden Dauer- und Bedarfsmedikation des Kunden von der Apotheke überprüft.“ Sind Interaktionen möglich, wird das Ergebnis dem Arzt „gespiegelt“.

Weiter geht es dann im Blisterzentrum, das von der Apotheke beauftragt wird. Dort findet auch die Endkontrolle statt, sobald die Schlauchblister geliefert werden. In die Tüte kommen sowohl die Dauer- als auch die Bedarfsmedikation. In jedem Sachet für den individuellen Einnahmezeitpunkt können maximal vier Tabletten enthalten sein. Geliefert wird im Intervall von 14 oder 28 Tagen. „Dank pill:delivery entfällt der Gang zur Apotheke für den Kunden.“ Denn nachdem Pillbox die geblisterte und nicht blisterfähige Ware von der Apotheke erhalten hat, geht die Ware per DHL an den Kunden.

Kühlware wird nicht über diesen Vertriebsweg geliefert. Auch hier hat der Gründer eine Lösung: „Die Arzneimittel werden in einer wohnortnahen Vor-Ort-Apotheke von uns gekauft und dann durch den Apothekenboten unter Einhaltung der Lager- und Lieferbedingen an den Kunden ausgeliefert.“ Nicht möglich ist jedoch eine Belieferung von BtM-Rezepten. In den Wechselwirkungscheck wird das Arneimittel jedoch aufgenommen. Die Logistik ist für die Gründer die größte Herausforderung. Es muss eine digitale Lösung her, um die Logistik effizienter aufzubauen.

Auch der Gang zum Arzt für die Folgeverordnung soll dem Kunden erspart werden. Mit einem Vorlauf von etwa zwei Wochen fordert der Service pill:fill das Folgerezept an. Dabei wird abgefragt, ob die Medikation so erhalten bleiben soll oder Änderungen nötig sind. Arzt und Patienten erhalten zudem stets den aktuellen Medikationsplan. „Pillbox ist ein standardisiertes System mit präventiver Sicherheit und es ist bequem.“ Probleme mit den Ärzten gab es bislang nicht. Ohnehin suche der Patient den Arzt mit dem Wunsch auf, an dem Konzept teilzunehmen.

Aktuell hat Pillbox nach eigenen Angaben etwa 500 Nutzer, Tendenz steigend. Neukunden werden demnach alleine durch Online-Marketing gegeneriert. Es gibt sogar eine Warteliste. Die Gründer wollen im behutsamen Maß nach und nach mehr Patienten aufnehmen. Versorgt wird bundesweit. Vor einem Jahr startete das Konzept mit 30 Nutzern, der Kloster-Apotheke in Düsseldorf und dem Blisterzentrum Nordhorn als exklusive Partner. Das Testprojekt sollte die Prozesse optimieren um Stellschrauben für einen reibungslosen Prozess zu drehen. Diese Alleinstellung ist nun vorbei und andere Partnerschaften möglich. Noch ist unklar, ob die Kloster-Apotheke dabei bleibt, zwei weitere Apotheken hat Pillbox angeblich schon mit im Boot.

Pillbox-Kunden erhalten auf nicht verschreibungspflichtige Produkte 10 Prozent Rabatt. So will man verhindern, dass die Kunden in den Versandhandel abwandern, und garantieren, dass tatsächlich alle Arzneimittel, die eingenommen werden, erfasst werden. Für den Service zahlen die Nutzer 15,95 Euro im Monat, inklusive Versandkosten.

Zuzahlungen und Kosten für weitere Apothekeneinkäufe werden den Kunden dann von Pillbox in Rechnung gestellt. Das Start-up geht bei den Apotheken und Blisterzentren in Auslage, die an das Unternehmen eine Sammelrechnung stellen. Jeder Kunde erhält aber eine seperate Auflistung seiner geleisteten Zuzahlungen. Von Pillbox erbrachte Dienstleistungen wie Folgerezeptanforderungen werden als Pauschalbeträge von der Apotheke vergütet.