Versandhandel

Pick-up-Stellen gegen Pick-up Alexander Müller, 17.09.2010 09:58 Uhr

Berlin - 

Pick-up-Stellen in Apotheken: Mit dieser Idee wollte die Apothekerfamilie Winterfeld aus dem bergischen Land auf die Fehlentwicklung beim Versandhandel hinweisen. Doch die schwarz-gelbe Bundesregierung bekommt das angekündigte Pick-up-Verbot nicht durch die Verfassungsressorts - und aus der Protestaktion wird langsam ein Geschäftsmodell: Das Winterfeld-Konzept wird jetzt in externen Apotheken getestet.

Bei „Vorteil24“ („Vorteil günstige Holland-Preise“) können Kunden in ihrer Apotheke bei der niederländischen Versandapotheke Montanus bestellen, die Dr. Andreas Winterfeld gehört. Vom grenznahen Dinxperlo aus wird die Ware innerhalb von zwei Tagen an die deutsche Partner-Apotheke geliefert. Für die Wartezeit werden Kunden mit Rabatten entschädigt, auch auf verschreibungspflichtige Arzneimittel und die gesetzliche Zuzahlung.

Gestartet hatten die Winterfelds - die Eltern und alle drei Kinder sind Apotheker - mit ihren eigenen sieben Apotheken. Jetzt wird das Modell angepasst: Apotheken, die teilnehmen wollen, vermitteln die Rezepte und OTC-Bestellungen an Montanus in Holland. Dafür erhalten sie eine Aufwandsentschädigung, über deren genaue Höhe Andreas Winterfeld aber nicht reden will. Das Modell sei so austariert, dass beide Seiten etwas davon hätten, sagt er. Die Höhe der Vergütung hängt von der Menge der gelieferten Rezepte ab.

Zu den Aufgaben der Apotheke gehört es, die Kunden zu informieren und die Bestellungen weiterzuleiten. Dazu müssen sie die Rezepte scannen und die Lieferfähigkeit des Großhandels überprüfen. Die Technik zum Vorteil24-Arbeitsplatz liefert Awinta, an der VSA und Pro Medisoft beteiligt sind. Die Verordnungen werden in der Apotheke bedruckt, getrennt gelagert und am Monatsende abgeholt.

Winterfeld weiß, dass die Vorstellung einer Pick-up-Stelle im Haus für die meisten Apotheken gewöhnungsbedürftig ist. „Aber jede Apotheke muss sich die Frage stellen, wie viel Umsatz sie durch die Konkurrenz im Versandhandel verliert“, argumentiert Winterfeld. Sich selbst hat er keine Zielvorgabe für das Projekt gesetzt - man wolle sich nicht unter Druck setzen. In den kommenden Wochen und Monaten sollen einige Testprojekte laufen.

Möglicherweise könnte die Akquise beginnen, wenn das Pick-up-Verbot im Gesetzgebungsverfahren endgültig gestorben ist. Dass die Regierung noch eine Lösung findet, glaubt Winterfeld nicht. Er schielt auf die Entscheidung des Gemeinsamen Senats der Obersten Bundesgerichte in Sachen Rx-Boni: Sollte ausländischen Versandapotheken verboten werden, Rabatte auf Rezept zu gewähren, wäre deren Geschäftsmodell aus seiner Sicht empfindlich getroffen. „Und wenn dieser Spuk ein Ende hat, hören auch wir gerne wieder auf“, verspricht Winterfeld.