Nahrungsergänzungsmittel

Orthomol im Kreuzfeuer Carolin Bauer, 08.05.2013 19:16 Uhr

Ärger um Produkte: Orthomol ruft weite Teile seines Sortiments wegen eines Streits zurück. Foto: APOTHEKE ADHOC
Berlin - 

Die vergangenen Wochen waren nicht leicht für Orthomol. Der Hersteller aus Langenfeld hatte sein Produkt Orthomol audio vom Markt nehmen müssen. Jetzt kommt es noch dicker: Wegen einer weiteren Abmahnung* ruft Orthomol weite Teile seines Sortiments vorübergehend zurück. Sieben Produkte sollen rechtlich überprüft werden**.

Laut Orthomol geht es um neue rechtliche Grundlagen zur Vermarktung diätetischer Lebensmittel auf EU-Ebene. Hinter der Abmahnung steckt demnach der Wettbewerber Alpenland Pharma, der wie zuvor DS Vital durch den Rechtsanwalt Thorsten Beyerlein vertreten wird. Das Unternehmen aus Benediktbeuren stellt unter anderem Nahrungsergänzungsmittel der Marke blue essentials her.

„Die Firma greift teilweise die Namen oder die Inhaltsstoffe der Produkte an“, sagt Vertriebsleiter Bodo Lauterbach. Es gebe jedoch keinen Hinweis, dass die Abmahnung auf solidem Boden stehe.

Die Apotheken sollen die Präparate an Orthomol zurückschicken. Betroffen von der Abmahnung von Alpenland sind die Produkte Orthomol rheumat, Glaukom, vision balance, vision AMD, AMD extra, diabet und arthro plus. „Wir nehmen die Produkte kostenfrei zurück, um unsere Kunden zu schützen“, sagt Lauterbach. Von der Firmenhomepage sind die Produkte bereits verschwunden, genauso wie Orthomol oesteo, immun junior, vital und cardio, die ebenfalls überprüft werden.

Orthomol zeigt sich trotz des Drucks selbstbewusst: „Wir möchten denen die Verdienstbasis entziehen“, so Lauterbach. In zwei Wochen seien die wichtigsten Produkte, vital und arthro plus, nach einer internen Prüfung wieder lieferfähig, so Lauterbach. Allein mit diesen beiden Präparaten erwirtschafte das Unternehmen 32 Prozent seines Jahresumsatzes von etwa 85 Millionen Euro.

Die Apotheken werden per Fax benachrichtigt. Die Geschäftsführer Nils Glagau und Dr. Michael Schmidt bitten darin um die Unterstützung der Apotheken. „Es war geplant, die sukzessive Umstellung der Produktpalette für Sie und Ihre Kunden so reibungslos wie möglich zu gestalten. Doch leider sind wir als Marktführer in den Fokus eines abmahnaktiven Wettbewerbers, vertreten durch die Anwaltskanzlei Beyerlein gerückt“, heißt es darin.

Das Unternehmen bittet eindringlich um Verständnis: „In über 20 Jahren haben Sie uns als verlässlichen Vertragspartner kennengelernt, und so möchten wir auch in Zukunft weiter mit Ihnen erfolgreich kooperieren. Jetzt aber brauchen wir Ihre Unterstützung und möchten uns bei Ihnen für die Unannehmlichkeiten von Herzen entschuldigen.“

* Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hatte es geheißen, Orthomol rufe die Produkte wegen mehrerer Abmahnungen zurück. Tatsächlich handelt es sich um eine einzige Abmahnung im Zusammenhang mit den verschiedenen Produkten. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

** Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hatte es geheißen, neun Produkte müssten rechtlich überprüft werden. Tatsächlich bezieht sich die Abmahnung von Alpenland Pharma auf sieben Produkte. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.