Diuretika

Nyrax: Spargel trifft Petersilie APOTHEKE ADHOC, 02.07.2019 08:59 Uhr

Nyrax für die Niere: Heilpflanzenwohl hat ein pflanzliches Diuretikum auf den Markt gebracht. Foto: APOTHEKE ADHOC
Berlin - 

Heilpflanzenwohl hat ein neues Produkt auf dem Markt: Nyrax enthält je 200 mg Pulver aus Spargelwurzel und Petersilienkraut und wird als pflanzliches Diuretikum eingesetzt. Der Hersteller spricht von einem „Phyto-Aquaretikum der neuesten Generation“ mit mehrfach belegter klinischer Wirksamkeit und will Ärzten und Apothekern eine natürliche Alternative zu chemischen Diuretika bieten.

Nyrax ist als traditionelles Arzneimittel registriert und wird aufgrund langjähriger Erfahrung zur Unterstützung der Ausscheidungsfunktion der Niere angewendet. Mögliche Einsatzgebiete sind entzündliche Erkrankungen der ableitenden Harnwege, aber auch venöse Beschwerden im Zusammenhang mit Ödemen und leichte Hypertonien.

Auch der Einsatz zur Ausschwemmung beim Abnehmen oder im Rahmen von Entschlackungskuren ist möglich. Als Lifestylemedikament vermarkten will Firmenchef Hari Sven Krishnan das Produkt, das Asparagus-P des Zulassungsdienstleisters Grünwalder ablöst, aber nicht. Er will je nach Saison verschiedene ethische Indikationen ansprechen; die Werbung beginnt jetzt.

Durch die erhöhte Wasserausscheidung über den Urin werden laut Hersteller der Körper, der Kreislauf und das Herz entlastet und Ödeme und Wassereinlagerungen beseitigt. Nyrax habe keinen negativen Einfluss auf den Elektrolyt-Haushalt, den Lipid- und den Harnsäurestoffwechsel und könne daher auch über längere Zeit ohne aufwändige Laborkontrollen eingenommen werden.

 

Krishnan sieht gute Chancen, mit Nyrax an den früheren Erfolg von Biofax (Birkenblätter-, Hauhechelwurzel-, Bohnenschalen-Trockenextrakt) anknüpfen zu können, das seit der Übernahme von Strathmann durch Dermapharm kaum noch beworben wird. Er verweist auf Studien französischer Forscher, die für die Kombination eine vergleichbare diuretische Wirkung nachgewiesen hätten wie für HCT. Studien hätte außerdem klinisch relevante blutdrucksenkende Effekte von bis zu 6 mmHg gezeigt. In weiteren Studien konnten die Extrakte die Beschwerden im Zusammenhang mit prämenstruellem Syndrom (PMS) beziehungsweise chronisch-venöser Insuffizienz (CVI) deutlich reduzieren.

Üblicherweise werden dreimal täglich vier Tabletten vor dem Essen mit ein bis zwei Gläsern Wasser eingenommen; bei Bedarf kann die Dosis auf dreimal zwei Tabletten angepasst werden. Die empfohlene Anwendungsdauer beträgt zwei bis vier Wochen. Bei andauernden Symptomen oder Fieber, Beschwerden beim Wasserlassen, krampfartigen Schmerzen oder Blut im Urin ist ein Arzt zu konsultieren. Erhältlich sind Packungen mit 100 Tabletten (24,95 Euro) beziehungsweise 200 Tabletten (44,95 Euro).

Zu den Nebenwirkungen gehören allergische Haut- und Schleimhautreaktionen, insbesondere bei hellhäutigen Personen sind lichttoxische Reaktionen möglich. Die in Petersilienkraut enthaltenen Furanocumarine machen die Haut lichtempfindlicher; längere Sonnenbäder und intensive UV-Bestrahlung sollten daher vermieden werden. Kontraindikationen sind Überempfindlichkeiten und entzündliche Nierenerkrankungen sowie Krankheiten, bei denen auf eine reduzierte Flüssigkeitsaufnahme geachtet werden muss, etwa Herz- und Nierenerkrankungen oder Ödeme.

 

Für die harntreibende Wirkung des Spargels sind die im holzigen Wurzelstock enthaltenen Saponine vom Furostanol- und Spirostanoltyp und Kaliumsalze verantwortlich; der entwässernde Effekt ist auch auf die Steigerung der glomerulären Fitrationsrate durch L-Asparaginsäure zurückzuführen. Das in sehr hoher Konzentration enthaltene Gluathion zählt zu den stärksten Antioxidantien und hilft daher laut Hersteller bei der Entgiftung.

Das ätherische Öl der Petersilie konnte in Studien eine kräftige Harnausscheidung vor allem durch die Reizwirkung der Phenylpropane auf das Nierenparenchym nachweisen. Dabei ist vor allem das Apiol für die Wirkung entscheidend. Weitere wichtige Inhaltsstoffe sind Myricistin, die Difuranocumarine Bergapten und Isoimperatorin sowie Polyine und das Flavonoid Apiin.

Heilpflanzenwohl gehört zu den am schnellsten wachsenden OTC-Herstellern; 2018 lagen die Umsätze auf Basis der Apothekenverkaufspreise (AVP) laut Insight Health bei 22 Millionen Euro. Zum Portfolio gehören das Abnehmmittel Refigura, Gelencium gegen Gelenkbeschwerden bei Arthrose, rheumatoider Arthritis und Gicht sowie Glycowohl, Wohlderma und seit einigen Monaten das Potenzmittel Libomax. Die Produkte werden regelmäßig in Publikumszeitschriften beworben. Der Hauptsitz von Heilpflanzenwohl liegt in Pfäffikon in der Schweiz, die deutsche Niederlassung befindet sich in Berlin.