Novo Nordisk: Wegovy-Pille hebt Prognose 05.08.2026 11:54 Uhr
Novo Nordisk hat wegen des guten Marktstarts der Wegovy-Abnehmpille erneut seine Prognose erhöht. Der dänische Pharmahersteller blickt nun noch etwas weniger pessimistisch auf das laufende Jahr als zuletzt. An der Börse reichte dies aber nicht, um die Anleger zufriedenzustellen, diese hatten sich zum Teil mehr erhofft. Analysten bemängelten vor allem die Entwicklung der neuen Abnehmpille Wegovy. Diese steht derzeit besonders im Fokus, weil Novo Nordisk im Wettbewerb mit dem US-Konkurrenten Lilly Marktanteile zurückgewinnen will.
Die Novo-Nordisk-Aktie verlor am Mittwoch zunächst bis zu viereinhalb Prozent auf 293,50 dänische Kronen. Damit beendete das Papier die jüngste Erholung von dem im März erreichten Mehrjahrestief in Höhe von 224 Kronen. Das Papier hat seit Juni 2024 einen schweren Stand am Finanzmarkt. Damals war die Aktie im Zuge des Booms um die Abnehmmedikamente und der massiven Rally der Novo-Nordisk- und Lilly-Papiere zeitweise über die Marke von 1000 Kronen geklettert. Mit einem Börsenwert von umgerechnet mehr als 500 Milliarden Euro war Novo Nordisk im Sommer 2024 das wertvollste Unternehmen Europas.
In den Monaten und Jahren danach stürzte die Novo-Nordisk-Aktie wegen verfehlter Forschungserwartungen, eines massiven Preisdrucks auf dem US-Markt, der Aufholjagd der Konkurrenz und mehrerer Umsatz- und Gewinnwarnungen massiv ab. Derzeit kommt das Unternehmen nur noch auf eine Marktkapitalisierung von umgerechnet knapp 180 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Börsenwert des US-Konzerns Lilly zog seit Ende Juni 2024 um rund ein Viertel auf 1,05 Billionen Dollar oder etwas mehr als 900 Milliarden Euro an.
Ein Analyst bezeichnete die Entwicklung von oralem Wegovy als enttäuschend; die Zahlen zum zweiten Quartal seien „bestenfalls gemischt“. Zwar habe Novo Nordisk den Jahresausblick angehoben, doch beruhe dies vor allem auf positiven Sondereffekten wie einer Brutto-zu-Netto-Anpassung in den USA sowie einem günstigen Umsatzmix. Zudem ließen neue Studiendaten zum Adipositas- und Diabetesmittel Cagrisema weitere Zweifel an der Stärke der Produktpipeline aufkommen, schrieb der Analyst. Cagrisema hatte in der Studie im Vergleich zum Konkurrenzprodukt Zepbound des US-Konzerns Lilly schlechter abgeschnitten.
Wegovy-Tablette hatte hohe Erwartungen geweckt
Auch die schnelle Markteinführung der Wegovy-Tablette hatte bei den Anlegern die Hoffnung auf einen deutlich stärkeren Erfolg geweckt, da Novo Nordisk im Wettbewerb mit Lilly Marktanteile zurückgewinnen will. Das Ergebnis schürte jedoch Sorgen über die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens. Der Fokus der Anleger verlagere sich zudem zunehmend auf die Entwicklung der US-Verschreibungen für orales und injizierbares Wegovy im zweiten Halbjahr 2026.
Novo Nordisk rechnet bei dem um Währungseffekte bereinigten Umsatz jetzt maximal mit einem Rückgang um sechs Prozent. Im besten Fall dürfte der Erlös zu konstanten Wechselkursen auf dem Vorjahresniveau stagnieren, wie das Unternehmen am Dienstagabend mitteilte. Zuvor hatte Novo Nordisk bereits aufpoliert und mit einem Umsatzrückgang von bis zu 12 Prozent gerechnet. Anfang des Jahres waren es sogar noch bis zu 13 Prozent gewesen. Auch beim operativen Gewinn geht Konzernchef Maziar Mike Doustdar jetzt nur noch von einem Rückgang von maximal 6 Prozent aus.
Pille schon mehr als fünf Millionen Mal verschrieben
„Das Wegovy-Produktportfolio bleibt auch im Jahr 2026 ein wichtiger Wachstumsmotor für Novo Nordisk, angeführt von der anhaltend raschen Akzeptanz der Wegovy-Tablette in den USA, die seit ihrer Markteinführung bereits mehr als fünf Millionen Verschreibungen erreicht hat, sowie von der vielversprechenden frühen Akzeptanz in Märkten außerhalb der USA und der Einführung von Wegovy HD (7,2 mg)“, so Doustdar. Die zunehmende Dynamik im GLP-1-Bereich in den USA in Verbindung mit anhaltendem Wachstum und die internationalen Markteinführungen hätten nun zur Anhebung der Prognose geführt.
Im zweiten Quartal legte der um Sondereffekte bereinigte Erlös um sechs Prozent auf 78,5 Milliarden dänische Kronen (10,5 Milliarden Euro) zu. Ohne die Umrechnungsfolgen durch die starke heimische Krone wäre der Umsatz sogar um sieben Prozent gestiegen. Der bereinigte operative Gewinn zog um acht Prozent auf 33,4 Milliarden Kronen an. Beide Werte fielen zwar höher als von Experten erwartet aus, die mit der Wegovy-Pille erzielten 3,2 Milliarden Kronen wiederum nicht.