4 Milliarden Umsatzeinbußen

Novartis in der Generika-Falle 04.02.2026 17:18 Uhr

Berlin - 

Novartis ist im Schlussquartal nahezu auf der Stelle getreten. Dies lag vor allem an dem durch Generika und Biosimilars verursachten Umsatzschwund. Für das laufende Geschäftsjahr gab das Management einen gemischten Ausblick – im ersten Halbjahr dürfte die Konkurrenz so schwer belasten wie bisher noch nie der Konzerngeschichte. Danach soll es wieder aufwärts gehen.

Die Aktie war am Mittwoch in Zürich zunächst wenig bewegt. Ab Mittag besserte sich die Stimmung aber deutlich, zuletzt legte die Aktie um 2,5 Prozent zu. Damit hat es im laufenden Jahr ein Plus von gut 9 Prozent aufzuweisen. In den vergangenen zwölf Monaten hat die Aktie um ein Viertel zugelegt.

Die Analysten von Goldman Sachs sahen die operativen Ergebnisse weitgehend im Rahmen der Markterwartungen. Der Ausblick hingegen sei ein wenig schwächer als gedacht. Allerdings spiele die angekündigte Übernahme des US-Konzerns Avidity mit ihrer verwässernden Wirkung eine Rolle – diese hätten noch nicht alle Experten in ihre Schätzungen eingearbeitet. Daher gebe es wohl nur ein geringes Risiko sinkender Konsenserwartungen, so die Goldman-Fachleute. Für Jefferies-Experte Michael Leuchten war der Ausblick auf 2026 gar „fein“.

Wie CEO Vasant Narasimhan im Gespräch mit Journalisten sagte, dürfte die Umsatzbelastung durch patentfreie Konkurrenzprodukte in diesem Jahr insgesamt bei etwa 4 Milliarden US-Dollar liegen. Dabei würden die Auswirkungen in der ersten Jahreshälfte deutlich stärker ausfallen als in der zweiten. Grund dafür ist, dass die ersten Generika für die Blockbuster Entresto, Promacta und Tasigna erst ab der zweiten Jahreshälfte 2025 in den USA auf den Markt kamen. Entsprechend sei die Vergleichsbasis vor allem für die ersten sechs Monate noch deutlich höher.

Ab der zweiten Jahreshälfte sollte sich der Effekt dann abschwächen. In dieser Zeit erwartet Novartis dann auch wieder ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich. Für das Gesamtjahr peilt die Novartis-Führung damit zu konstanten Wechselkursen ein Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich an.

Noch deutlicher macht sich die Konkurrenz aber auf der Gewinnseite bemerkbar. Für das Gesamtjahr sagt der Konzern einen Rückgang beim operativen Kernergebnis im niedrigen einstelligen Prozentbereich voraus. Besonders stark dürfte der Gewinn in den ersten sechs Monaten fallen. Im zweiten Halbjahr rechnen die Schweizer dann bereits wieder mit einem Gewinnwachstum.

Trotz der Delle im laufenden Jahr geht das Management davon aus, die mittelfristigen Ziele zu erreichen. „Bereits 2027 erwarten wir eine Rückkehr zum Gewinnwachstum“, sagte Narasimhan. Novartis hatte die eigene Generikasparte Sandoz/Hexal vor drei Jahren an die Börse gebracht.

Wie Novartis mitteilte, kletterten die Umsätze im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 1 Prozent auf 13,3 Milliarden US-Dollar. Zu konstanten Wechselkursen war dies ein Minus von 1 Prozent. Damit hat sich das Wachstumstempo gegenüber dem Vorquartal (plus 8 Prozent) deutlich verlangsamt, nachdem es in den ersten beiden Quartalen jeweils zweistellig war.

Beim operativen Gewinn verbuchten die Basler in dem Jahresviertel einen Anstieg um 2 Prozent auf 3,6 Milliarden. Unter dem Strich resultierte ein Konzerngewinn von 2,4 Milliarden nach 2,8 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Der Rückgang sei vor allem höheren Ertragssteuern geschuldet, hieß es weiter.

Für Analysten ist aber vor allem der um verschiedene Einflüsse bereinigte Kern-Betriebsgewinn entscheidend. Mit 4,9 Milliarden legte dieser um 1 Prozent zu und traf damit die Markterwartung.

Im gesamten Geschäftsjahr 2025 setzte Novartis mit 54,5 Milliarden Franken nominal und auch währungsbereinigt 8 Prozent mehr um. Damit erreichte der Konzern das vom Management in Aussicht gestellte Nettowachstum im hohen einstelligen Prozentbereich. Unter dem Strich verblieb ein Jahresgewinn von 14 Milliarden nach knapp 12 Milliarden im Vorjahr.

Die Aktionäre erhalten eine von 3,50 auf 3,70 Franken erhöhte Dividende.