Temperaturkontrolle für Versender

Mycare-Chef: Warken macht Medikamente teurer 19.03.2026 14:06 Uhr

Berlin - 

Mit der Apothekenreform soll auch die Temperaturkontrolle im Versandhandel verschärft werden. „Die geplante Änderung der Apothekenbetriebsordnung würde dazu führen, dass Arzneimittel für Patienten teurer werden“, warnt Roland Helle, Inhaber der Versandapotheke Mycare.

Künftig sollen entlang der gesamten Lieferkette umfassende Dokumentationspflichten und eine durchgängige Temperaturkontrolle vorgeschrieben werden. „In der Praxis würde das bedeuten, dass Sendungen mit besonders geprüften Spezialverpackungen ausgestattet, mit elektronischen Temperatur-Loggern versehen und während des gesamten Transports lückenlos dokumentiert werden müssten. Hinzu kämen Prozesse zur Auswertung, Archivierung und gegebenenfalls Rückführung der eingesetzten Logger. Damit würde der Versand deutlich komplexer, bürokratischer und kostenintensiver werden“, so Helle.

Für Versandapotheken gebe es unter diesen Bedingungen nur zwei Optionen: „Entweder sie beauftragen spezialisierte Transportdienstleister mit kontrollierten klimatischen Bedingungen oder sie bauen eine eigene qualifizierte Transportstruktur auf, die sämtliche Pakete beispielsweise aus unserem Lager in Lutherstadt Wittenberg bundesweit zu den Patienten bringt. Beide Wege wären im Massengeschäft mit mehreren tausend Sendungen täglich mit erheblichen Mehrkosten verbunden.“

Die derzeit durchschnittlichen Versandkosten pro Paket von rund vier Euro würden mit Spezialverpackung künftig etwa 1,50 bis 2 Euro teurer. Ein elektronischer Temperatur-Logger schlägt laut Helle mit weiteren 2 bis 3 Euro zu Buche. Hinzu kämen zusätzliche Prozess- und Dokumentationskosten von 50 Cent bis 1 Euro pro Paket. „In Summe ergibt das eine Mehrbelastung von rund 4 bis 5 Euro je Sendung. Die Versandkosten würden sich damit in etwa verdoppeln. Da diese Mehrkosten aber nicht einfach über eine höhere Versandpauschale weitergegeben werden können, würden sie sich zwangsläufig in den Preisen von OTC-Arzneimitteln widerspiegeln.“

Bestellung bald 5 Euro teurer?

„Für eine typische Bestellung im Wert von 40 Euro entspräche eine zusätzliche Belastung von 4 bis 5 Euro einer Preissteigerung von rund 10 bis 12 Prozent allein durch neue regulatorische Anforderungen“, so Helle. In der Summe käme auf die Versender eine massive Mehrbelastung zu: Bei mehreren tausend Paketen pro Werktag könnten schnell fünf bis 6,25 Millionen Euro pro Jahr erreicht werden.

„Der Versand von Arzneimitteln ist für viele Patienten ein unverzichtbarer Bestandteil der Gesundheitsversorgung. Mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland haben heute einen längeren Weg zur nächsten Apotheke als noch vor wenigen Jahren, weil Apotheken geschlossen wurden und die Versorgungsdichte abnimmt. Gerade in strukturschwächeren oder ländlichen Regionen sind Apotheken teils nur mit langen Anfahrtswegen erreichbar, häufig ohne verlässliche Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr“, so Helle.

„Ältere, chronisch kranke oder mobilitätseingeschränkte Menschen sowie Patienten in unterversorgten Regionen können ihre Medikamente oft nicht ohne Weiteres selbst abholen. Zudem gibt es spezialisierte Arzneimittel, die nicht überall unmittelbar verfügbar sind. Wenn regulatorische Vorgaben den Versand deutlich verteuern oder faktisch erschweren, trifft das am Ende vor allem diejenigen, die auf eine verlässliche, bezahlbare und niedrigschwellige Versorgung angewiesen sind.“