Lilly: Neubau im Zeitplan – aber halbe Kraft 10.08.2026 06:42 Uhr
Der US-Pharmakonzern Eli Lilly will trotz der gestrichenen Milliardeninvestitionen die Produktionsstätte für Medikamente in Alzey Ende nächsten Jahres eröffnen. Die Reduktion werde sich auf den Ausbau der Fertigungsbereiche sowie die Produktionskapazitäten beziehen, sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Was das im Detail bedeute und welche Auswirkungen das auf die geplanten Stellen an dem Standort haben werde, daran arbeite das Management noch.
Lilly wollte bislang 2,5 Milliarden Dollar (2,16 Milliarden Euro) in die neue Produktionsstätte für injizierbare Medikamente im rheinhessischen Alzey stecken. Wegen der Sparpläne der Bundesregierung im Gesundheitswesen hat der US-Pharmakonzern angekündigt, den noch ausstehenden Umfang des Projekts um 50 Prozent gegenüber der ursprünglichen Planung zu reduzieren. Ursprünglich sahen die Pläne vor, in Alzey bis zu 1000 Fachkräfte einzustellen.
Kritik an Bundesregierung
Der Standort werde wie geplant ein hochmoderner, verlässlicher und leistungsfähiger Teil des globalen Lilly-Netzwerks werden, sagte der Konzernsprecher. Die Eröffnung sei weiterhin für Ende 2027 geplant. Die in Alzey produzierten Medikamente würden Patienten weltweit erreichen.
Lilly kritisierte erneut den Kurs der Regierungskoalition: „Wir bedauern, dass die Bundesregierung das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz in der vorliegenden Form verabschiedet hat“, sagte der Sprecher. „Es ist aus unserer Sicht keine Gesundheitsreform, sondern ein Spargesetz.“ Der Koalitionsvertrag weise der Pharmaindustrie die Rolle einer Schlüsselindustrie zu. Das habe Erwartungen geweckt, die die jetzige Regelung bisher nicht erfülle.
Sicherheit für Investitionen
„Wir verstehen, dass wir einen finanziellen Beitrag leisten müssen“, versicherte der Sprecher. „Das Ausmaß der jetzt neu entschiedenen Belastung geht jedoch deutlich zu weit.“ Das Gesetz enthalte mehrere Belastungen gleichzeitig: Mehr als Verdoppelung des bisherigen Herstellerabgaberabatts, verschärfte Preis-Mengen-Regelung, Rabatte auf patentgeschützte Arzneimittel, erhöhter Impfstoffabschlag.
Der neue Herstellerzwangsrabatt von 15,5 Prozent greife direkt in das Kerngeschäft der Arzneimittelindustrie ein und untergrabe Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit bei Investitionen. Von der Bundesregierung würden deshalb Maßnahmen zur Sicherstellung erwartet, dass strukturelle Reformen Innovationen belohnen und verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen geschaffen werden, betonte der Sprecher. „Solange wir hier keine positive Entwicklung sehen, halten wir an der angekündigten Reduzierung unseres Investments in Alzey fest.“