Hermes trauert um Firmenchef

Johannes Burges verstorben Patrick Hollstein, 19.10.2021 13:19 Uhr

  • Johannes Burges ist verstorben. Foto: Hermes Arzneimittel
Berlin -

Johnannes Burges ist tot. Der Inhaber von Hermes Arzneimittel verstarb am 14. Oktober im Kreise seiner Familie in Pullach. Er wurde 82 Jahre alt.

Burges, Jahrgang 1939 und von Hause aus Nationalökonom, führte das Unternehmen zunächst gemeinsam mit seinem Vater Albert. Damals hieß die Firma noch Nymphosan, erst 1979 wurde der Name Hermes eingeführt. Seit 1974 war Burges der alleinige Geschäftsführende Gesellschafter.

Seit seinem Eintritt in die Firmenleitung im Jahr 1968 baute Burges den kleinen, rund hundertköpfigen Betrieb zu einem international tätigen Pharmaunternehmen auf. Parallel machte er sich für die Branche stark: Von 1980 bis 2005 war er Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands der Arzneimittelhersteller (BAH). 2015 wurde er für seine Leistungen zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Auch das Verbandsgebäude in Bonn, nach seinem Geschmack gebaut, trägt seinen Namen.

Darüber hinaus engagierte er sich sowohl auf europäischer als auch globaler Ebene im Rahmen seiner Arbeit in den Verbänden Association Euroépenne des Spécialités Pharmaceutiques Grand Public (AESGP) in Brüssel und der Global Self-Care Federation (GSCF) in Nyon für die Selbstmedikation.

In einem Nachruf würdigt ihn das Unternehmen als „engagierte Unternehmerpersönlichkeit“; Burges habe sich um die Entwicklung der Arzneimittelwirtschaft in Deutschland und Europa in hohem Maße verdient gemacht. „In tiefer Dankbarkeit und großem Respekt vor seinem, mit dem Bundesverdienstkreuz sowie dem Ehrenzeichen für Verdienste der Republik Österreich und des Landes Kärnten ausgezeichneten Lebenswerk, trauern die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Geschäftsleitung sowie alle der Unternehmensgruppe eng verbundenen Partner mit seiner Familie und den Angehörigen.“

Auch kulturell war Burges aktiv: Als leidenschaftlicher Verehrer der klassischen Musik förderte er sowohl die Münchener Oper und die Salzburger Festspiele, als auch lokale kulturelle Einrichtungen wie den Münchener Konzertverein.

Da keiner seiner drei Nachkommen in der vierten Generation die Leitung des Unternehmens übernahm, gründete Burges Ende 2018 eine nach ihm benannte privatnützige Stiftung und brachte die Anteile an Hermes ein. Maßgabe für Vorstand und Stiftungsrat ist es, die Firmengruppe in ihrem unternehmerischen Bestand zu erhalten. Der Stiftungszweck darf im Grundsatz nicht verändert werden. Satzungsänderungen sind nur zulässig, sofern es veränderte Verhältnisse geboten erscheinen lassen – etwa weil es keine Erben mehr gibt oder die Steuerlast zu hoch wird.

Die Satzung gibt auch vor, wie mit den Gewinnen aus der Unternehmensgruppe umzugehen ist: Bis zu 80 Prozent der ausgeschütteten Summe sollen künftig genutzt werden, um die laufende Versorgung der Familie zu gewährleisten, weitere 20 Prozent sollen für Ausbildung und Existenzgründung künftiger Generationen vorbehalten sein. Außerdem sollen die bereits bestehende gemeinnützige Hermes-Johannes-Burges-Stiftung gefördert und auch die Grabpflege finanziert werden.

Hermes wurde 1907 zunächst als Teehersteller in München gegründet; 1939 zog die Firma nach Großhesselohe im Süden der Stadt um. Insgesamt beschäftigt die Gruppe heute 750 Mitarbeiter am Hauptsitz, in der österreichischen Zentrale in Wien sowie in den beiden Produktionsstandorten in Wolfratshausen und Wolfsberg/Österreich. Vom Umsatz von zuletzt rund 230 Millionen Euro entfällt knapp die Hälfte auf die Lohnherstellung. Jährlich werden rund 90 Millionen Packungen produziert, vor allem Brausetabletten. Bereits 1960 hatte Hermes die erste Multivitaminbrausetablette auf den Markt gebracht, seit 1989 wird auch für andere Firmen produziert. Noch heute ist das Unternehmen dank eines speziellen Herstellungsverfahrens einer der führenden Lieferanten von Präparaten mit N-Acetylcystein, Macrogol, Calcium und Vitamin D.

Rund 75 Millionen Euro erwirtschaftet die Gruppe mit OTC-Präparaten, davon entfallen 90 Prozent auf das Inland. Zwei Drittel des Umsatzes in deutschen Apotheken entfallen auf hauseigene Marken wie Biolectra, Cevitt, Doc, Optovit und Superpep, ein Drittel steuerten zuletzt Lizenzprodukte wie Anti-Brumm (Vifor), Omron und zuletzt Algovir bei. Mit Betaisodona hat sich Hermes zuletzt ein weiteres Produkt von Mundipharma geschnappt. Jüngster Neuzugang im Portfolio war Aspecton.