Japaner übernehmen Aicuris 27.02.2026 12:27 Uhr
Der japanische Mischkonzern Asahi Kasei übernimmt Aicuris für etwa 780 Millionen Euro. Der Fokus des deutschen Biopharmaunternehmens liegt auf der Behandlung schwerer Infektionskrankheiten.
AiCuris wurde 2006 als Spin-Off von Bayer gegründet und konzentriert sich auf die Erforschung und Entwicklung von Wirkstoffen gegen Infektionskrankheiten. Der Pharmakonzern wollte sich damals aus dem Bereich zurückziehen, die Leiterin der Sparte, Professor Dr. Helga Rübsamen-Schaeff, gründete daraufhin Aicuris gemeinsam mit ehemaligen Mitarbeitern und den Strüngmann-Brüdern als Hauptinvestoren.
2012 kaufte der US-Pharmakonzern Merck für 110 Millionen Euro die weltweiten exklusiven Lizenzrechte für ein Portfolio des Unternehmens; in Abhängigkeit vom Erreichen weiterer Entwicklungs-, Zulassungs- und Vermarktungsziele wurden zusätzlich bis zu 332,5 Millionen Euro vereinbart. 2017 kam mit Prevymis (Letermovir) das erste eigene Präparat zur Behandlung von Infektionen mit dem Cytomegalovirus (CMV) auf den Markt. 2020 verkaufte Aicuris einen Teil der für Prevymis fälligen Lizenzgebühren gegen eine einmalige Zahlung von 220 Millionen US-Dollar an die US-Firma Royalty Pharma.
Strüngmanns ziehen sich zurück
Jetzt ziehen sich die Strüngmanns, denen knapp 80 Prozent gehörten, sowie die anderen Investoren zurück. Asahi Kaseis sieht die Pipeline von Aicuris als Ergänzung zu den eigenen Kernbereichen Transplantation (Veloxis) und Nephrologie (Calliditas), in denen infektionsbedingte Komplikationen nach wie vor ein bedeutendes klinisches Problem darstellen. Durch die Nutzung seiner etablierten kommerziellen Infrastruktur in Transplantationszentren und bei Nephrologie-Anbietern sowie seiner fortschrittlichen Forschungs- und Entwicklungskapazitäten erwartet Asahi Kasei, die Entwicklung und Vermarktung der Produkt-Pipeline von Aicuris zu beschleunigen. Gleichzeitig würden die betriebliche Effizienz und die langfristigen Erträge gesteigert.
„Diese Übernahme stärkt unsere Position in miteinander verbundenen Therapiebereichen, darunter Autoimmunerkrankungen, Transplantationen, Nierenerkrankungen und schwere Infektionskrankheiten. Sie erweitert unsere Pipeline und untermauert unsere Strategie, ein weltweit führendes Spezialpharmaunternehmen aufzubauen“, erklärte Ken Shinomiya, Leiter des Geschäftsbereichs Healthcare von Asahi Kasei. „Diese Transaktion steht im Einklang mit unseren Investitionsplänen und unterstützt unser Ziel, bis zum Geschäftsjahr 2030 einen Nettoumsatz von 300 Milliarden Yen im Bereich Pharmazeutika mit einer operativen Marge von 15 Prozent oder mehr zu erzielen.“
Drei Wirkstoffe im Fokus
In der Pipeline von AiCuris sind derzeit Pritelivir zur Behandlung von Herpes-Infektionen (Phase III) sowie AIC468 gegen das oft im Zusammenhang mit Nierentransplantationen auftretende BK-Virus oder Humanes Polyomavirus (Phase II).
Pritelivir stellt laut Konzern einen bedeutenden kurzfristigen Wachstumstreiber dar und wird derzeit für die Behandlung von HSV-Infektionen bei immungeschwächten Patienten evaluiert. Diese Patienten werden häufig in Transplantationszentren und spezialisierten Krankenhäusern behandelt, mit denen Asahi Kasei etablierte Geschäftsbeziehungen unterhält. Diese Ausrichtung ermögliche einen effizienten Marktzugang und eine gezielte Akzeptanz innerhalb einer definierten Patientengruppe.
Auch bei AIC468 gebe es einen direkten Zusammenhang mit dem Transplantationsgeschäft und dem Netzwerk für Nierenerkrankungen von Asahi Kasei. BKV sei nach wie vor eine bedeutende Komplikation nach Transplantationen, für die es nur wenige zugelassene Behandlungsmöglichkeiten gebe. Durch die Nutzung seiner etablierten klinischen, regulatorischen und kommerziellen Kompetenzen sei man in der Lage, die Entwicklung und Vermarktung effizient voranzutreiben.
Das Portfolio verbessere auch das Finanzprofil von Asahi Kasei, indem es sofortige Lizenzgebühren aus Prevymis mit kurzfristigen Erträgen aus Pritelivir kombiniere, für das die Zulassung im laufenden Jahr angestrebt werde.