Insolvenz: R-Pharm-Tochter hofft auf Verkauf 05.05.2026 09:18 Uhr
Die insolvente deutsche Tochter des russischen Medikamentenherstellers R-Pharm kann ihren Geschäftsbetrieb vorerst fortführen. Für die nächsten Monate ist das in Illertissen beheimatete Allgäuer Unternehmen durchfinanziert, wie Insolvenzverwalter Markus Fröhlich mitteilte.
Das Amtsgericht Neu-Ulm habe zum 1. Mai das Insolvenzverfahren formell eröffnet. Fröhlich hofft auf die Übernahme durch einen Käufer. Es gebe bereits zahlreiche Gespräche und auch erste Angebote. Interessenten führen demnach derzeit die bei Unternehmenskäufen übliche Prüfung der Risiken und Geschäftszahlen durch. Verkauft wird dann voraussichtlich im Zuge einer übertragenden Sanierung.
Russland-Sanktionen zogen Zahlungsschwierigkeiten nach sich
R-Pharm Germany ist seit 2014 Tochter des russischen Konzerns und hat 300 Mitarbeiter. Das Unternehmen hatte Mitte März Insolvenz beantragt. Hauptgrund waren nach Worten des Anwalts die im Zuge des Ukraine-Kriegs verhängten Sanktionen der EU und die russischen Gegenmaßnahmen.
Trotz Insolvenz gebe es positive Signale: „Wir sind weiter voll handlungsfähig, auch dank der Belegschaft, die loyal zu dem Unternehmen hält“, so der Insolvenzverwalter. Zudem habe das Unternehmen weitere Aufträge seiner Kunden erhalten, schreibt Fröhlich. In Illertissen werde entwickelt, produziert und für Kunden in rund 150 Ländern Arzneimittel versendet. Seit dem 1. Mai bekommen die Angestellten ihre Löhne und Gehälter wieder vom Unternehmen.
Das Unternehmen hat eine lange Historie: 1860 wurde die Produktion in Illertissen vom Ulmer Unternehmer Heinrich Mack eröffnet, in den ersten Jahrzehnten stellte die Fabrik Seife und Drogerieartikel her. Ein ehedem in ganz Deutschland bekanntes Produkt war das noch in der Nachkriegszeit weit verbreitete „Kaiser Borax“, das als Hautpflegemittel, als Badezusatz und für allerlei andere kosmetische Zwecke verwendet wurde. Anfang der 1970er Jahre übernahm der US-Pharmakonzern Pfizer den Standort, 2014 dann R-Pharm.