Heinrich: „Wir machen auch Testkäufe“ 04.02.2026 18:39 Uhr
Redcare-CEO Olaf Heinrich hat sich mit der Berliner Kammerpräsidentin Dr. Ina Lucas einen Schlagabtausch geliefert. Dabei ging es beim Kooperationsgipfel in München unter anderem um die geforderte Honorarerhöhung von 9,50 Euro, Rx-Boni und die Kühlkette.
Vor-Ort- und Versandapotheken blicken aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf die pharmazeutische Versorgung. Das haben Heinrich und Lucas bei der Diskussionsrunde des Bundesverbands Deutscher Apothekenkooperationen (BVDAK) deutlich gemacht. Heinrich sagte mit Blick auf die geforderten 9,50 Euro, dass eine Erhöhung natürlich generell gut sei. Sie werde aber nicht helfen, die Struktur zu erhalten, wie es sie heute gebe. „Das ist das falsche Mittel.“
Lucas: „Jetzt stehen wir auf“
Lucas hielt dagegen, dass man nur Leistungen in der Fläche anbieten könne, wenn sie entsprechend bezahlt würden. Es sei nicht gerecht, dass die Apotheken so lange auf die Erhöhung warten mussten. „Man kann der Apothekerschaft zwei Dinge vorwerfen. Wir haben sehr viel Gutes getan, nur nicht darüber gesprochen. PR haben wir nicht gemacht. Wir neigen dazu sehr leidensfähig zu sein. Davon hat Olaf Heinrich profitiert, das ist vorbei. Jetzt stehen wir auf. Wer eine gute Versorgung möchte, der muss mit 9,50 Euro um die Ecke kommen und dann werden wir sehen.“
Heinrich warf in die Runde, dass aktuell ein Drittel der Vor-Ort-Apotheken nicht überlebensfähig sei. „Da helfen die 9,50 Euro nicht weiter. Da sind keine Ärzte, da sind keine Rezepte. Man muss überlegen, welches Apothekennetz wollen wir haben?“ Diese Diskussion müsse geführt werden.
„Ich finde es toll, dass sich die Vor-Ort-Apotheke auf den Weg macht, um zu schauen, wie die Rolle aussehen kann.“ Den Versand werde es aber ergänzend geben. „Es wird Menschen geben, die sagen, Beratung vor Ort ist nicht ganz so wichtig, davon gibt es viele.“ Jeder solle selbst entscheiden, wo er Arzneimittel beziehe.
Therapiekompetenz als Aufgabe für Vor-Ort-Apotheke
Lucas betonte, dass Therapiebegleitung nicht trivial sei. Eine Aufgabe der Apotheke sei, Therapiekompetenz zu vermitteln, das sei es, was ökonomisch Sinn mache. Das sei Shop Apotheke aber „viel zu teuer“.
„Uns in die Ecke des Logistikers zu drücken, greift zu kurz“, konterte Heinrich. Auch aus der Ferne könne eine gute Betreuung über digitale Angebote gelingen. Durch größere Einheiten könne das sogar besser dargestellt werden als in Vor-Ort-Apotheke. Lucas hielt dagegen, dass man dies kleineren Apotheken nicht generell absprechen könne. „Gerade wenn man sie entsprechend honoriert.“
Debattiert wurde auch über die Lieferung und die Einhaltung der Kühlkette auch für normale Arzneimittel. Heinrich sagte mit Blick auf den Gesetzesentwurf, dass das kein Thema sei, da Shop Apotheke längst aktiv und passiv kühle, je nach Gegebenheit. „Das stellen wir seit 20 Jahren sicher, das ist eine erfundene Diskussion, die führt dazu Bürokratie aufzubauen.“ Auch Redcare schaue sich den Markt an: Es gebe Botendienste, die die Tüten mit Arzneimitteln an die Tür des Nachbarn hängen würden. „Wir machen auch Testkäufe.“
Heinrich verteidigt Rx-Boni
Auch beim Thema Rx-Boni sah sich Heinrich im Recht: „Es ist nun einmal so: Europarecht sticht nationales Recht. Wir haben europarechtliche Regelung.“ Die Sache sei geklärt, auch wenn noch über den § 129 Sozialgesetzbuch (SGB V) zum Thema Preisbindung in den kommenden Jahren entschieden werde. „Wo sind denn die einstweiligen Verfügungen, ich kann sie nicht sehen. Es gibt keine einstweiligen Verfügungen, die sich auf unser aktuelles Bonus-Modell beziehen.“