Celesio/Gehe/DocMorris

Gerüchte um die ISA-Apotheken APOTHEKE ADHOC, 20.09.2007 16:40 Uhr

Berlin/Stuttgart - 

Seit Wochen halten sich hartnäckig Gerüchte, dass DocMorris den Deutschen Apothekertag nutzen könnte, um erneut Aufmerksamkeit zu generieren. Nach Informationen aus der Branche könnten mehrere Apotheken geschlossen in das Partner-Apotheken-Konzept der Celesio-Tochter wechseln. Das dürfte die Debatte um die Rolle von Gehe, Celesio und DocMorris im Vorfeld des EuGH-Urteils neu und erheblich entfachen.

Die Rede ist derzeit davon, dass bereits in der letzten Septemberwoche mehrere der im so genannten Bundesverband zur Förderung der innovativen inhabergeführten Serviceapotheken Deutschlands (ISA) zusammengeschlossenen Apotheken als Partner-Apotheken von DocMorris firmieren wollen. Der ISA gilt seit seiner Gründung als äußerst Gehe-nah - und hat daran in der Vergangenheit keinen Zweifel gelassen. Auf der Website der Gruppe wird bezeichnenderweise keiner der Apotheker als konkreter Ansprechpartner genannt; vielmehr läuft der Kontakt über den langjährigen Gehe-Pressesprecher Michael Brinkert und die offizielle Gehe-Adresse in Stuttgart. Die ISA-Apotheken galten für den Stuttgarter Grossisten immer schon als Vorzeige-Apotheken, die auch zu Exkursionen in verschiedene europäische Länder eingeladen wurden.

ISA-Sprecher Dr. Werner Gajewski unterstrich gegenüber APOTHEKE ADHOC, dass sein Verband keinerlei Empfehlungen zur Beteiligung an Franchise-Konzepten gebe. Jedes Mitglied treffe solche Entscheidungen selbst, es gebe jedoch durchaus Überlegungen in diese Richtung. So könne es gut sein, dass in den nächsten Wochen zeitgleich verschiedene Einzelentscheidungen getroffen würden. Denn man wolle auch bei ISA nicht zusehen, wie branchenfremde Anbieter den Markt erobern.

Laut Gajewski sind die kaufmännisch ausgerichteten Apotheken die erfolgreicheren Apotheken. Mit seiner eigenen Apotheke in Steinfurt bei Münster werde er sich definitiv nicht an DocMorris beteiligen, so Gajewski weiter gegenüber APOTHEKE ADHOC. Allerdings könne er sich durchaus vorstellen, sich im Falle einer Neueröffnung an einem umkämpften Standort einer Franchise-Marke anzuschließen. Dies geschehe jedoch in keinem Fall "aus alter Freundschaft zu Gehe"; vielmehr werde ISA auch in Zukunft als eigenständige Gruppe bestehen bleiben, in der "bestimmte Denkmodelle und Ideen für den Markt" ausgetauscht würden.

Eigenen Angaben zufolge war ISA im Mai 2002 von "acht Apothekerinnen und Apotheker aus ganz Deutschland" infolge der Liberalisierungsdiskussionen in Stuttgart gegründet worden. Ob nun die Apotheker oder der Großhändler die Initiative ergriffen ist nicht gewiss - ein Zitat hilft womöglich weiter: "Der Vorstand wird von der Gehe Pharma Handel GmbH unterstützt."

ISA will nach eigenen Angaben "auf die öffentliche Meinungsbildung Einfluss nehmen, eine konkrete Vision für die Zukunft der Apotheken entwerfen und diese gegenüber der Öffentlichkeit vertreten". Von den auf der Website vollmundig angekündigten Aktionen hatte es seit 2002 aber nicht allzu viele gegeben. Und so rechnen Brancheninsider damit, dass der Eintritt der ISA-Apotheken bei DocMorris zweierlei bedeutet: Zum einen könnte sich der ISA-Verband ohnehin überlebt haben und von den Fakten, die Celesio mit dem Kauf der DocMorris-Mehrheit geschaffen hatte, faktisch überrollt worden sein. Zum anderen könnten Celesio, DocMorris und Gehe ein Vehikel benötigen, das den Anschein eines verbandlichen und politischen Instruments vermittelt.

Sollten aus den Gerüchten Fakten werden, hätte DocMorris dann mehr als 50 Partner-Apotheken beisammen. Von den angestrebten 100 Partner-Apotheken in 2007 ist man noch immer weit entfernt.