Höhere Zuzahlungen

Finanzkommission: Jubel bei Boni-Versendern 31.03.2026 13:15 Uhr

Berlin - 

Die Vorschläge der Finanzkommission sorgen bei den Anlegern der Versandapotheken für neue Fantasie: Wenn die Zuzahlung erhöht wird, könnten Patientinnen und Patienten wieder verstärkt zu den Anbietern von Boni wechseln, so die Logik. Um rund 20 Prozent schossen die Aktien von Redcare und DocMorris seit Montag nach oben.

Die am Vortag schwungvoll eingeleitete Erholung bei Redcare hat sich am Dienstag fortgesetzt. Die Aktien knüpften mit einem Anstieg um 12 Prozent an ihre fast 8-prozentigen Gewinne vom Montag an, die nach einem anfangs noch erreichten Tief seit 2019 zustande kamen. Auch die Aktien von DocMorris zogen in Zürich um 7 Prozent an.

Das Bankhaus Metzler begründet die Erholung mit Reformvorschlägen der Finanzkommission. Die von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) beauftragten Experten hatten insgesamt 66 Vorschläge vorgelegt, über die jetzt weiter beraten wird. Für Redcare sieht Analyst Felix Dennl vor allem einen Kurstreiber in dem Vorschlag, die Zuzahlung von gesetzlich Versicherten zu verschreibungspflichtigen Medikamenten zu erhöhen. Der Experte glaubt, dass höhere Zuzahlungen die Verbraucher dazu veranlassen könnten, von stationären Apotheken zu preisgünstigeren Versandapotheken zu wechseln. Versandapotheken mit Sitz in der EU seien nicht an die deutschen Festpreise für verschreibungspflichtige Arzneimittel gebunden und dürften Boni zwischen 2,50 und 20 Euro vergeben, so Dennl. „Und so ein Bonus könnte die Zuzahlung kompensieren.“

Die Finanzkommission will die Zuzahlung für Arzneimittel von 5 bis 10 auf 7,50 bis 15 Euro erhöhen. Die niederländischen Versender hatten zuletzt vermehrt Boni ausgelobt, mit denen die Verbraucher die Zuzahlung sparen konnten.

Am Markt wurde für beide Werte aber auch auf Eindeckungen von Leerverkäufen zum Quartalsende verwiesen. So haben einem Börsianer zufolge etwa zahlreiche auf Leerverkäufe spezialisierte Anleger Redcare auf ihrem Shortselling-Radar, wobei manche derzeit ihre Bestände reduzierten. Das heißt, diese Leerverkäufer schließen ihre Short-Positionen durch Aktienkäufe am Markt.

Sie hatten die Aktien zu einem früheren Zeitpunkt ausgeliehen und verkauft, um so auf fallende Kurse zu spekulieren. Tritt dies ein, können sie die geliehenen Papiere zu einem günstigeren Kurs zurückgeben und machen Gewinn. Steigt jedoch der Kurs, muss rasch zurückgekauft werden, um Verluste zu begrenzen. Dies verstärkt dann in der Regel noch derlei Kursanstiege, vor allem wenn sehr viele Leerverkäufer in der Aktie „short“ sind.