„Nur eine Frage der Verteilung“

Engpässe: EU-Versender wollen Lösung sein 05.10.2026 11:31 Uhr

Berlin - 

Lieferengpässe machen Apotheken zu schaffen – nicht nur in Deutschland. Deshalb hat Versender Redcare eine Expertenstudie in Auftrag gegeben. Mit „Exploring the role of the European Health Data Space (EHDS) for online pharmacies in addressing critical medicine shortages in cross-border e-prescription“ soll gezeigt werden, dass grenzüberschreitende E-Rezepte und Versender hier Lücken schließen könnten.

Die Studie kombiniert eine Bestandsaufnahme mit einer politischen Forderung: Versorgungslücken könnten durch das System grenzüberschreitend arbeitender Versandapotheken gelöst werden, so das Resultat der Redcare-Studie.

Untersucht wurden Daten zu Engpässen bei 49 kritischen Arzneimitteln in sechs europäischen Ländern: Deutschland, Österreich, Griechenland, Italien, den Niederlanden und der Schweiz. Ergebnis: Engpässe in vier, fünf oder sechs Ländern gleichzeitig gab es nur in Einzelfällen. Dass drei Länder gleichzeitig betroffen waren, gab es in zehn Fällen. Dagegen gab es jeweils 18 Fälle, in denen Arzneimittel in einem oder in zwei Ländern fehlten.

Engpässe seien demnach häufig nur eine Frage der Verteilung und nicht der grundsätzlichen Verfügbarkeit der betroffenen Medikamente. Hier könne der EHDS künftig Abhilfe schaffen, da E-Rezepte über MyHealth@EU, die grenzüberschreitende digitale Gesundheitsinfrastruktur der EU, auch in einem anderen Mitgliedstaat eingelöst werden können.

Redcare ermahnt zur „Wahlfreiheit“

Ab Anfang 2029 soll das EU-weit funktionieren. Versender, die an MyHealth@EU angebunden sind, könnten laut Studie verfügbare Arzneimittel sicher zu den Patient:innen bringen, was wiederum das im EHDS verankerte Recht von Patient:innen, ihre Gesundheitsdaten mit Dienstleistern ihrer Wahl zu teilen, unterstütze. Auch der CMA werde gefördert, da die Widerstandsfähigkeit der europäischen Arzneimittelversorgung auf diesem Weg gestärkt werde.

Die Studie definiert zur effizienten Umsetzung fünf Maßnahmen:

  • die vollständige Umsetzung des EHDS und der MyHealth@EU-Infrastruktur
  • die Einbindung von Versendern in diese Dienste
  • die Anerkennung von Versendern
  • die Harmonisierung von E-Rezept-Standards und der Rezeptvalidierung zwischen den Mitgliedstaaten
  • die Schaffung transparenter Erstattungs- und Governance-Strukturen

„Wahlfreiheit ist ein zentraler Wert unserer europäischen Gesellschaft. Wir müssen sicherstellen, dass Bürgerinnen und Bürger frei entscheiden können, wie sie pharmazeutische Versorgung in Anspruch nehmen möchten – ob vor Ort in der Apotheke, zu Hause, am Arbeitsplatz oder unterwegs“, so Theresa Holler, Chief Operational Officer und verantwortliche Apothekerin bei Redcare.

Die Studie orientierte sich an den Inhalten des Europäischen Gesundheitsdatenraums (European Health Data Space, EHDS) und des Critical Medicines Act (CMA). Dafür beauftragte Redcare das Institute for Medical Technology Assessment (iMTA) der Erasmus-Universität Rotterdam und Health Connect Partners (HCP).