Gesundheitszentrum

Easy-Aufsichtsrat baut ohne Easy Torsten Bless, 08.09.2018 07:09 Uhr

Berlin - 

Für 5,5 Millionen Euro hat Easy-Aufsichtsrat Philip Dean Kruk-De la Cruz in seiner unterfränkischen Heimatgemeinde ein Gesundheitszentrum gebaut. Auch die Mühlen-Apotheke von Dr. Erich Henke hat hier ihren Platz gefunden.

„Ich hatte das Glück, dank Beteiligungen an großen Unternehmen wirtschaftlich sehr erfolgreich zu sein“, erzählt Kruk-de la Cruz. „Dann überlegte ich, ob ich mir nicht Nachfolger suchen und noch einmal ganz etwas anderes machen sollte.“ Kruk-De la Cruz entschloss sich für den kompletten Neustart und stand schon vor der nächsten Herausforderung. „Was mache ich jetzt mit meinem ganzen Geld?“ Seit knapp 20 Jahren lebt er in Glattbach. Die 3500-Einwohner-Gemeinde liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu Aschaffenburg. „Meine Familie wurde hier sehr herzlich willkommen geheißen. Ich wollte etwas von meinem Erfolg an die Gesellschaft weitergeben und gleichzeitig die gesundheitliche Versorgung vor Ort sicherstellen.“

Kruk-de la Cruz kaufte 2015 das Grundstück der zentral an der Hauptstraße gelegenen und längst verlassenen Gaststätte „Glattbacher Mühle“. Zunächst dachte er an ein Ärztehaus mit angeschlossenem Penthouse unterm Dach. „Doch während der Planungsphase nahm das Projekt immer größere Dimensionen an.“ So beschloss der Bauherr, eine Apotheke miteinzubeziehen. „Seit 2011 sitze ich im Aufsichtsrat der Holding von Easy-Apotheke. Ich kenne die Statistiken und weiß um die Situation der Landapotheken.“

Zunächst habe er an die Eröffnung einer weiteren Easy-Apotheke gedacht. „Doch in der Zentrale wurde mir bedeutet, dass der Standort nicht interessant genug sei, zumal in Aschaffenburg schon eine ansässig ist.“ Stattdessen nahm der Bauherr das Gespräch mit der schon bestehenden Apotheke auf. Deren Inhaber ist in der Branche kein Unbekannter: Mit seiner Apotheke am Elisenpalais ist er in der Sterilherstellung aktiv, das von ihm gegründete Blisterzentrum gehört mittlerweile Phoenix.

„Für die Gemeinde ist das ein grandioses Projekt“, freut sich Henke. Vor knappen drei Jahren hatte er die Mühlen-Apotheke übernommen. „Glattbach steht stellvertretend für viele ländliche Gemeinden, die mit dem Älterwerden ihrer Bevölkerung zu kämpfen haben. Wenn die Ärzte aufhören und kein Nachfolger da ist, schließen auch die Apotheken.“ Da gelte es, aktiv nach Zukunftsperspektiven zu suchen.

Henke brachte dafür reichlich pharmazeutische Erfahrung aus Aschaffenburg mit ein: Mit 27 hatte er sich mit der Rats-Apotheke selbstständig gemacht. Später eröffnete er die Apotheke im Elisenpalais und machte sie zum Hauptbetrieb. Zielstrebig baute er sie zur Zyto-Spezialapotheke aus. „Wir stellen Infusions- und Injektionslösungen her und liefern sie an die Praxen aus.“ Zudem hat sich Henke auf parenteralen Ernährung und Palliativversorgung spezialisiert. Gemeinsam mit dem Bauherrn entwickelte der Apotheker die Idee, auch eine Sozialstation ins Glattbacher Gesundheitszentrum zu integrieren.

Im Februar 2016 begannen die Bauarbeiten. „Ich hatte ein sehr gutes Team von Architekten und Ingenieuren. Wir gingen nach einem ganz strammen Zeitplan vor“, erzählt Kruk-De la Cruz. Anders als bei anderen Vorhaben dieser Größe seien die Vorgaben nur um vier Wochen überschritten worden. In diesem Juli eröffnete das Gesundheitszentrum seine Pforten.

Die in die neuen Räume gezogene und vergrößerte Mühlen-Apotheke, zwei Ärzte und zwei Zahnärzte finden sich hier auf 2000 Quadratmetern ebenso wieder wie eine Physiotherapiepraxis, die Sozialstation der Caritas, die Nachbarschaftshilfe und die Raiffeisenbank. In Unterfranken einmalig ist die Integration einer Senioren-WG im Dachgeschoss und ein auf dem hinteren Teil des Grundstücks entstandenes eigenes Seniorendorf mit sieben barrierefreien Mietwohnungen. Der Linienbus hält direkt vor der Tür, dazu stehen 40 Parkplätze zur Verfügung.

5,5 Millionen Euro investierte Kruk-de la Cruz. Die Praxisräume hat er verkauft, die Apotheke und die ins Dorf eingezogenen Senioren zahlen Miete. Doch um Rendite allein gehe es ihm nicht, betont der heute 72-Jährige. Die Mieteinnahmen für die Caritas-Räume und die Senioren-WG kommen der neu gegründeten Glattbacher Stiftung zugute. „Mit den jährlich etwa 40.000 Euro wollen wir Gutes in Glattbach und der Region tun“, betont der Initiator.

Henke freut sich über die neuen Möglichkeiten, die sich mit dem Gesundheitszentrum eröffnen. „Die neuen Bewohner haben alles, was sie brauchen, in unmittelbarer Nähe. Eine Apotheke, eine Sozialstation und Arztpraxen unter einem Dach zu vereinen, kann ein Modell auch für andere ländliche Regionen sein“, sagt der Apotheker. „Damit ist eine ganz andere Qualität in der Versorgung unserer Patienten möglich. Hier in Glattbach wird das schon richtig gut angenommen.“