Dumpingpreise bei Amoxicillin: Sandoz fordert EU-Zölle 08.06.2026 13:21 Uhr
Sandoz hat bei der EU-Kommission einen Entwurf zur Antidumpingbeschwerde gegen chinesische Importe von Amoxicillin eingereicht. Darin führt das Unternehmen klare Anzeichen marktverzerrender Praktiken an, darunter dauerhaft unter den Herstellungskosten liegende Preise, staatliche Subventionen und die Konzentration globaler Produktionskapazitäten in einem einzigen Land. Es ist der erste derartige Fall in der Pharmaindustrie seit Jahrzehnten.
Mit der Beschwerde fordert Sandoz die EU auf, Antidumpingzölle zu erheben, um zu verhindern, dass ausländische Unternehmen die Weltmärkte mit extrem billigen, staatlich subventionierten Penicillin-Wirkstoffen überschwemmen. Indien habe bereits Maßnahmen ergriffen und Mindestimportpreise festgelegt, um seine eigene Antibiotika-Lieferkette zu schützen.
„Antibiotika haben mehr Leben gerettet als jedes andere Medikament. Doch sie werden wie eine Massenware behandelt, und eine Packung kostet oft weniger als eine Packung Kaugummi“, so CEO Richard Saynor. „Die aktuellen Marktbedingungen spiegeln keinen fairen Wettbewerb wider – sie benachteiligen systematisch die widerstandsfähige europäische Produktion und bergen das Risiko, dass wichtige Produktionskapazitäten verloren gehen, da sie unter grundlegend ungleichen Bedingungen konkurrieren müssen.“
Im heutigen instabilen geopolitischen Umfeld sei der Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten, insbesondere Antibiotika, strategisch wichtiger denn je.
Europa muss handeln
„Die Sicherung der Antibiotikaversorgung ist nicht nur eine gesundheitspolitische Frage, sondern auch eine Frage der wirtschaftlichen Sicherheit und der strategischen Handelspolitik. Europa muss jetzt handeln, um die unabhängige Versorgung in den kommenden Jahren zu gewährleisten“, so Saynor.
Vor zwei Wochen hatte Sandoz das 80-jährige Jubiläum seines Werks in Kundl gefeiert, dem letzten Standort in Europa, an dem Antibiotika vom Wirkstoff bis zum Fertigarzneimittel hergestellt werden. Der Konzern hat in den vergangenen Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag investiert. Ob man eine solche Entscheidung unter den heutigen Umständen noch treffen würde, sei fraglich, hieß es.