DocMorris: Aktionärsvertreter gegen Oesterle 30.04.2026 13:59 Uhr
Machtkampf bei DocMorris: Zwei Wochen vor dem Showdown bei der Generalversammlung stellt sich ein weiterer Aktionärsvertreter hinter das Management – und gegen das Team um den früheren Celesio-CEO Dr. Fritz Oesterle.
Die globalen Teams von Institutional Shareholder Services (ISS) beraten institutionelle Anleger wie Pensionsfonds oder Vermögensverwalter bei der Ausübung ihrer Stimmrechte und gilt damit als bedeutender Einflussfaktor an der Börse. Im Fall von DocMorris stellen sich die Berater nun auf die Seite des amtierenden Managements und gegen den Großaktionär CEPD, der den Verwaltungsrat austauschen und den langjährigen Firmenchef Walter Oberhänsli vom Hof jagen will. Stattdessen soll Oesterle die Führung des Kontroll- und Führungsgremiums übernehmen.
Intensiv setzt sich die Analystin mit der Geschäftsentwicklung von DocMorris auseinander, die CEPD als Begründung für den Umsturzversuch nimmt. „Der deutliche Kursverfall der Aktie in den letzten fünf Jahren ist zwar enttäuschend, doch ist die Kursentwicklung größtenteils auf regulatorische Änderungen und externe Faktoren (die nachlassenden Auswirkungen der Covid-19-Lockdowns) zurückzuführen und weniger auf die fundamentale Performance, wie der vergleichbare Kursrückgang des Hauptkonkurrenten Redcare zeigt“, heißt es in der Stellungnahme.
Auch seien in der Vergangenheit die Ziele verfehlt worden, wofür das amtierende Management die Verantwortung trage. „Doch gibt es Anzeichen für eine Verbesserung der operativen Effizienz.“ So habe DocMorris im ersten Quartal ein starkes Umsatzwachstum und einen geringeren operativen Verlust (Ebitda) erzielt. Auch baue DocMorris sein digitales Segment – Teleclinic und Werbung – zügig aus, was voraussichtlich zu einem positiven Ergebnis beitragen werde. Dies scheine die Anleger beruhigt zu haben, dass das Management auf Kurs sei, seine Ziele zu erreichen.
Die Hauptbedenken von CEPD beträfen vermeintliche operative Schwächen. „Wir stellen fest, dass sich die Bruttomarge von DocMorris in den letzten vier Jahren stetig verbessert hat – von 17,2 auf 22,3 Prozent im Geschäftsjahr 2025. Zum Vergleich: Die Bruttomarge von Redcare sank im gleichen Zeitraum von 27,5 auf 22,6 Prozent.“
Wie sein Hauptkonkurrent habe auch DocMorris die Effizienz in anderen Kostenbereichen steigern können. So seien beispielsweise die Personalkosten in den letzten vier Jahren von 12,2 auf 8,8 Prozent vom Umsatz gesunken, wenngleich sie damit weiterhin über denen von Redcare lägen, wo sie sich von 9,7 auf 6,5 Prozent verbessert hätten.
Andererseits falle auf, dass DocMorris deutlich weniger für Vertrieb/Verwaltung/Marketing ausgebe, nämlich weniger als 11 Prozent im Vergleich zu 14 Prozent bei Redcare. „Ein weiterer Bereich, in dem DcMorris weit besser zu sein scheint als sein Wettbewerber ist das Wachstum aktiver Kundinnen und Kunden. DocMorris steigerte die Anzahl seit 2023 durchschnittlich um 15,8 Prozent pro Jahr, während Redcare ein jährliches Wachstum von 13,4 Prozent verzeichnete.“
„Wir stellen fest, dass keine offensichtlichen Bedenken hinsichtlich der Unternehmensführung bestehen – der Vorstand und seine Ausschüsse sind mehrheitlich unabhängig, der Vorstand ist angemessen neu besetzt und entspricht im Hinblick auf Diversität weitgehend den marktüblichen Standards.“ Insgesamt habe CEPD nicht überzeugend dargelegt, warum ein Wechsel im Vorstand zum jetzigen Zeitpunkt notwendig sei.