dm-Chef: Die Schnellen verdrängen die Langsamen 11.05.2026 12:59 Uhr
Wenn es um die Liberalisierung des Gesundheitsmarktes ging, ist der CDU-Wirtschaftsrat traditionell vorne mit dabei. Im aktuellen Magazin „Trend“ darf dm-Chef Christoph Werner in einem Gastbeitrag darlegen, warum sein Unternehmen künftig in diesem Bereich mitspielen sollte.
Werner lässt sich lange Zeit, bevor er in seinem Gastbeitrag auf seine eigentliche Botschaft zu sprechen kommt: „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen manche Mauern, andere Windräder“, schreibt er ganz am Ende seines Textes mit Blick auf die Gesundheitswirtschaft. Im Zeitalter des E-Commerce lasse sich der Einzelhandel nicht mehr durch eine restriktive stationäre Genehmigungspolitik steuern: „Und wenn die Kosten des bestehenden Gesundheitssystems davonlaufen, lassen sich effizientere Angebote auf Dauer auch nicht durch höhere Vergütungen für bestehende Strukturen und Akteure verhindern.“
Zuvor hat er ausführlich das Bild eines sich verändernden Landes skizziert. Wenn sich Kundenerwartungen und Technologien beständig verändern, müssten sich auch Unternehmensprozesse und die Tätigkeiten der Menschen im Unternehmen stetig anpassen, so seine These. Stets müssten die wechselnden Bedürfnisse und Prioritäten der Kundschaft im Blick behalten werden; je schneller die Marktlage sich verändere, desto flexibler müssten auch die Rahmenbedingungen sein, um den Unternehmen eine ebenso große Anpassungsgeschwindigkeit zu ermöglichen. Wenn der Gesetzgeber vieles bis ins Detail regeln wolle, werde genau dies jedoch erschwert, meint Werner. Dadurch werde eine „Illusion der Beständigkeit“ geschaffen, die mittel- und langfristig mit Wohlstandsverlust einherginge.
Nicht klein vs. groß: Kunden entscheiden
„Wenn Kunden nach dem für sie relevantesten Waren- und Dienstleistungsangebot greifen, verdrängen die anpassungsfähigen Unternehmen die behäbigen. Denn am Ende verdrängen nicht die Großen die Kleinen, sondern die Schnellen die Langsamen“, so die These des dm-Chefs.
Mit Blick auf ausländische Konkurrenz ist er weniger marktliberal: „Ja, wir brauchen faire Wettbewerbsbedingungen und es darf nicht toleriert werden, wenn chinesische Plattformen unter Missachtung bestehender Sicherheitsanforderungen den deutschen Markt mit Waren fluten. Ausschlaggebend ist dabei die Frage, ob ein innovatives Geschäftsmodell vorliegt oder ob Gesetze missachtet und Kunden objektiv getäuscht werden. Ersteres gilt es zuzulassen, letzteres zu unterbinden.“
Sein Credo gilt seiner Auffassung nach auch für Deutschland als Ganzes: „Wenn wir weiterhin ein Land sein wollen, in dem Menschen ihr Leben in Freiheit gestalten, müssen wir durch mutige Reformen die Rahmenbedingungen so weiterentwickeln, dass die Zukunft wieder mehr von der Initiative der Menschen und Unternehmungen getragen wird.“ Nur so könne „Wohlstand für alle“ auch weiterhin gelingen und Deutschland ein „Entwicklungsland“ im positiven Sinne bleiben.