dm-Chef: Apothekenmarkt läuft auf uns zu 27.07.2026 14:04 Uhr
Ein halbes Jahr nach dem Start liegt die Drogeriekette dm mit ihrer Versandapotheke weit hinter den Erwartungen zurück. Doch Konzernchef Christoph Werner gibt sich betont gelassen. Man habe es überhaupt nicht eilig, sagte er im Interview mit der Lebensmittel Zeitung (LZ).
Konkrete Zahlen wollte Werner gegenüber der LZ nicht nennen; sie seien aber „erfreulich und über unseren Erwartungen“, so seine Botschaft. Nach seinen Angaben sind bereits rund zwei Drittel der Warenkörbe im Online-Segment gemischt, beinhalten also Produkte aus Drogerie- und Apothekensortiment.
Man habe aber ohnehin eher konservativ geplant, weil man zunächst einen reibungslosen Ablauf habe sicherstellen wollen. „Das haben wir geschafft. Jetzt werden wir das Angebot auch stärker kommunizieren.“ Seit Kurzem erhöhe man die Lautstärke, etwa mit Hinweisschildern an den Regalen in den Filialen. Aber: „Wir haben es aber nicht eilig. Es ist ein Markt, der auf uns zuläuft. Generell kann ich sagen, dass unser Ansatz, Sortimentskompetenz beim Thema Gesundheit zu zeigen, ankommt.“
Die Kritik von Apothekern und Berufsverbänden bezeichnete er gegenüber der LZ als „reinen Strukturkonservatismus“. „Der Gesundheitsmarkt wird sich wandeln, das ist unausweichlich. Überlegen Sie mal, welches Handelsformat in 40 Jahren keinen Wandel erlebt hat. Mir fällt keines ein – bis eben auf die Apotheken.“
Dass Rossmann jetzt ebenfalls mit einer eigenen Versandapotheke starten will, sieht Werner als Bestätigung. Anders als beim Konkurrent gebe es aber bei dm keine Pläne, auch rezeptpflichtige Medikamente zu liefern: „Unser Anliegen war es nie, Apotheken Konkurrenz zu machen, sondern unsere Sortimentskompetenz zu stärken. Die Entscheidung für ein Medikament trifft der Arzt, das Rezept ist eine Art Gutschein, den der Kunde einlöst. Er trifft also keine klassische Kaufentscheidung. Und damit ist auch keine händlerische Expertise gefragt.“
Anders ausgedrückt: „Wer ein Rezept ausgestellt bekommt, will es schnell einlösen – und nicht parallel noch sein Shampoo kaufen.“ Auch organisatorisch handele es sich um ein ganz anderes Geschäftsmodell: „Wer rezeptpflichtige Medikamente anbietet, kuratiert sein Sortiment nicht, sondern muss die Beschaffung jedes einzelnen Medikamentes schnell sicherstellen. Wir schließen das nicht kategorisch aus, das wäre auch sehr unklug. Aber Stand heute entspricht das Geschäft nicht unserer Logik eines Händlers.“