TK-Rabattverträge

Der rätselhafte 1A-Superrabatt Alexander Müller, 26.10.2011 14:33 Uhr

Berlin - 

Exklusivität ist das Lockmittel der Rabattverträge: Je mehr Firmen einen Wirkstoff anbieten und je weniger Zuschläge eine Kasse erteilt, desto härter wird geboten. Die Techniker Krankenkasse (TK) macht sich das am konsequentesten zunutze und schreibt die Wirkstoffe je nach Marktlage exklusiv oder im Drei-Partner-Modus aus. Bei ihrer zuletzt abgeschlossenen Rabattrunde hatte die Kasse sogar eine Art Exklusivitätsklausel für besonders gute Angebote.


Während die etablierten Konzerne die Ausschreibungen dominieren, ziehen sich kleine Hersteller immer mehr aus den Rabattverträgen zurück. Das schlägt sich auch in der Anzahl der Gebote wieder: Bei der TK hatten durchschnittlich nur 4,6 Unternehmen pro Wirkstoff ein Gebot abgegeben. Ausreißer nach oben waren Anastrozol mit 18 und Pramipexol mit 17 Geboten.


Umso erstaunlicher ist, dass die Hexal-Tochter 1A Pharma ausgerechnet bei Anastrozol einziger Vertragspartner ist. Denn die TK hatte in der Regel drei Zuschläge pro Wirkstoff erteilt. Grund dafür könnte die besondere Rabattklausel sein: Die TK hatte vorab festgelegt, dass bei diesen beiden Wirkstoffen nur ein Hersteller unter Vertrag genommen wird, wenn der Preisabstand zu den nächstbesten Angeboten mehr als 40 Prozent beträgt.


Unter den Firmen gibt es Zweifel, dass 1A Pharma die Konkurrenz derart unterboten haben soll - jedenfalls nicht mit auskömmlichen Rechnungen. Grundsätzlich verboten sind Dumpingpreise nicht bei allen Ausschreibungen: Wenn ein Hersteller belegen kann, dass er sich sein Gebot wirtschaftlich leisten kann, sind Rabatte oberhalb der Herstellungskosten mitunter zulässig. Hierfür reicht etwa eine Patronatserklärung des Mutterkonzerns.


Offen ist, ob diese Regelung bei der TK-Ausschreibung zur Anwendung kam. Die Kasse wollte sich auf Nachfrage nicht zu den Details äußern. Als sicher gilt aber, dass vereinzelt Hersteller wegen Dumpingpreisen ausgeschlossen wurden. 1A Pharma weist alle Spekulationen betreffend Anastrozol entschieden zurück: „Selbstverständlich sind unsere Angebote auskömmlich“, sagte ein Sprecher auf Nachfrage.


Wenn das stimmt, gibt es nur zwei mögliche Erklärungen für den rätselhaften Durchmarsch: Entweder war das Angebot wirklich viel besser als der Rest. Oder alle Anderen haben sich verspekuliert und konnten der Kasse ihre Auskömmlichkeit nicht nachweisen. Oder eine Mischung aus beidem.


Jedenfalls hat 1A Pharma bei der TK das Los exklusiv. Bei Pramipexol haben übrigens drei Hersteller einen Zuschlag erhalten: Axcount, Neuraxpharm und TAD. Die Verträge starten im Februar. Bei der neuen Ausschreibung über 24 Wirkstoffe, die im April starten soll, vergibt die TK ausschließlich exklusive Zuschläge.