Nur wenige Anbieter übrig

Das sind die führenden Versender 02.02.2026 12:19 Uhr

Berlin - 

Jahrelang war im Markt eine massive Konsolidierung zu beobachten, jetzt dominieren im Versandhandel mit Arzneimitteln einige wenige Anbieter den Markt. Dies zeigen aktuelle Zahlen der Unternehmensberatung Sempora.

Laut aktueller Analyse von Sempora konnte im vergangenen Jahr vor allem Shop Apotheke seine Position als unangefochtener Marktführer weiter ausbauen. Von den 1,55 Milliarden Euro an Umsatz entfällt mittlerweile sogar ein Drittel auf den verschreibungspflichtigen Bereich – die Kampagne mit TV-Promi Günther Jauch war so erfolgreich, dass der Versender seine Rx-Erlöse auf eine halbe Milliarde Euro verdoppeln konnte. Auffällig auch: Während andere Anbieter mit verschiedenen Marken und auf verschiedenen Kanälen unterwegs sind, setzt man in Venlo komplett auf Shop Apotheke. Der Ableger Europa Apotheek Venlo (EAV) wurde schon vor Jahren eingestampft.

Weniger dynamisch entwickelte sich zuletzt DocMorris, allerdings konnte auch hier der Umsatz auf mehr als eine Milliarde Euro gesteigert werden. Hier entfallen 252 Millionen Euro auf den Rx-Bereich – und damit nur rund ein Viertel. DocMorris konnte seine Rx-Erlöse 2025 nur um ein Drittel steigern. Hinzu kommt: Ein Teil des Geschäfts entfällt nach wie vor auf die Marken Medpex und Apotal. Unter dem Namen Esando ist der Konzern auch auf Amazon aktiv.

Amazon auf Rang 3

Mit 430 Millionen Euro hält Amazon den Rang 3. Über den Marketplace werden apothekenpflichtige und freiverkäufliche Gesundheitsprodukte von Drittanbietern verkauft. Etwas mehr als die Hälfte entfällt dabei auf Shops von Versandapotheken wie Esando (DocMorris), Apodiscounter und Apotheke Online (Apo.com), Aponeo (Atida) und Homöopathiefuchs (Sanicare), der Rest auf andere Händler sowie Hersteller, die ihre Produkte direkt verkaufen.

Auf 300 Millionen Euro Umsatz kommt Apo.com mit Ablegern wie Apodiscounter, Apotheke.de, Apolux, Deutsche Internetapotheke (DIA), Juvalis und Versandapo.de. Immerhin 35 Millionen Euro entfallen hier auch schon auf den verschreibungspflichtigen Bereich.

Es folgt Medikamente-per-Klick mit 290 Millionen Euro. Der Webshop gehört zur Luitpold Apotheke von Herrn Karlheinz Ilius in Bad Steben und ist damit eine der letzten echten deutschen Versandapotheken. Mit 15 Millionen Euro hat der Versender ebenfalls ein Standbein im Rx-Bereich.

Aponeo gehört zur europaweit aufgestellten Atida-Gruppe und kommt auf 182 Millionen Euro, davon 2 Millionen Euro im Rx-Bereich. Zur Gruppe gehören außerdem Pharmeo, Sparmed und Delmed sowie Meine-Onlineapo.de. Während ein Teil des Geschäfts nach wie vor über die Berliner Apotheke des früheren Inhabers Konstantin Primbas abgewickelt wird, gibt es auch einen Standort im niederländischen Venlo.

Ebenfalls in die Niederlande ausweichen will Sanicare, die Versandapotheke aus Bad Laer will Investoren an Bord holen. Von den 60 Millionen Euro Umsatz entfallen 3 Millionen Euro auf den Rx-Bereich.

dm noch hinterher

Noch keine große Rolle spielt der tschechische OTC-Versender der Drogeriekette dm, der kurz vor Weihnachten an den Start gegangen ist. Ulrich Zander, Managing Partner bei Sermpora, sieht hier den Elefanten im Raum: „Wann werden dm und Rossmann ihre volle Wirkung im Markt entfalten? Welche Bedeutung wird – neben online – ihr stationäres Business haben?!“

Und Thomas Golly, ebenfalls Managing Partner bei Sempora, kommentiert: „Das Wettbewerbsumfeld zieht sich weiter auseinander: Die Top Player enteilen dem Markt, Akteure aus der zweiten Reihe ringen um die richtige Balance aus Wachstum und Profitabilität, Online-Apotheken aus der dritten Reihe sind zunehmend gefährdet.“