Bene macht Produktion in München dicht 21.04.2026 16:37 Uhr
Bene Arzneimittel beabsichtigt die Einstellung der Produktion am Standort München-Solln und den Abbau unterstützender, produktionsnaher Funktionen. Darüber informierte die Geschäftsführung heute die Belegschaft im Rahmen einer Mitarbeiterversammlung.
Bene ist mit der Marke Ben-u-ron vor allem im deutschen Schmerzmittelmarkt aktiv, der sich laut Unternehmen seit der Jahrtausendwende schrittweise zu einem reinen Generikamarkt entwickelt hat. Begleitet worden sei diese Entwicklung von umfangreichen Produktionsverlagerungen deutscher Hersteller ins Ausland sowie steigenden Importen aus China und Indien.
„Wir haben uns diesem Trend aus Verbundenheit mit dem Heimatstandort München-Solln hartnäckig widersetzt – allerdings um den Preis einer kontinuierlich abnehmenden Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Frank Tischler, Vorsitzender des Beirats. „Dadurch hat sich mittlerweile ein Investitionsstau in Bereichen wie Gebäude, Infrastruktur und Anlagen im deutlich zweistelligen Millionenbereich aufgebaut.“
Mangelnde Perspektive
Auch angesichts der jüngsten Verschlechterung der generellen Rahmenbedingungen für die deutsche Wirtschaft ist nach Einschätzung des Managements nun ein Punkt erreicht, an dem sich keine realistische Option mehr für eine wettbewerbsfähige Produktion am Standort bietet.
Beirat und Geschäftsführung nehmen nun Gespräche mit dem Betriebsrat auf, um über die geplante Schließung zu verhandeln und gemeinsam einen Interessenausgleich und einen Sozialplan zu vereinbaren.
„Uns ist bewusst, dass diese Überlegungen für die Beschäftigten, die ihre Aufgaben mit viel Herzblut erfüllen, eine Zäsur bedeuten“, so Tischler. „Entsprechend sorgfältig, respektvoll und transparent werden wir die anstehenden Gespräche mit dem Betriebsrat führen.“
Insgesamt beschäftigt Bene hierzulande an drei Standorten in Solln, Olching und Geretsried gut 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Erhalten bliebe in einem solchen Szenario eine Kernorganisation zur Fortführung der Geschäftstätigkeit im deutschen und internationalen Markt.
Bene erwirtschaftete zuletzt 2024 einen Umsatz von 27 Millionen Euro, allerdings zu 80 Prozent im Ausland. Portugal ist der wichtigste Markt des Unternehmens, hier ist die Marke Ben-u-ron absoluter Marktführer. In Deutschland kam es dagegen zu einer Halbierung der Erlöse, was unter anderem mit Zuzahlungen in Folge des Engpassgesetzes ALBVVG zu tun hatte. 13 Prozent des Gesamtumsatzes entfallen auf den Bereich Lohnherstellung.
Trotz des Umsatzrückgangs um 8 Prozent konnte Bene 2024 noch einen Gewinn von 2 Millionen Euro einfahren, von denen 750.000 Euro an die Gesellschafter ausgeschüttet wurden. Geschäftsführer ist seit einem Jahr Dr. Jürgen Betzing, die Eigentümerfamilie ist über den Beirat vertreten.