BaWü: Streiks im Großhandel in Sicht 31.03.2026 15:55 Uhr
Nach zwei Jahren läuft im Groß- und Einzelhandel in Baden-Württemberg der Tarifvertrag ab. Die Betriebsräte signalisieren laut Verdi eine starke Beteiligung für die anstehenden Tarifrunden – Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer unterstreicht die Notwendigkeit spürbarer Entgeltsteigerungen. Neue Streiks auch im Pharmagroßhandel könnten anstehen.
Mit einer Konferenz, an der rund 170 Betriebsrätinnen und Betriebsräte aus dem Einzel- und Versandhandel sowie dem Groß- und Außenhandel in Baden-Württemberg teilnahmen, hat Verdi in Stuttgart die Tarifrunden 2026 für den Handel eröffnet. Die versammelten Betriebsräte sprachen sich in einer gemeinsamen Entschließung für „deutliche Verbesserungen der Realeinkommen“ aus. Die bevorstehenden Tarifrunden müssten im Sinne der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erfolgreich abgeschlossen werden.
Der Tarifvertrag im Einzelhandel wurde von Verdi zum 31. März gekündigt, der im Großhandel zum 30. April.
Die Gewerkschaft fordert im Großhandel eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 7 Prozent, mindestens 250 Euro. Das rentenfeste Mindesteinkommen soll bei 14,90 Euro pro Stunde liegen, die Ausbildungsvergütungen sollen um 150 Euro monatlich erhöht werden. Die Laufzeit soll nur bei 12 Monaten liegen. Die erste Verhandlung findet am 17. April in Stuttgart statt.
Im Einzelhandel wird eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 300 Euro monatlich sowie der Ausbildungsvergütungen um 150 Euro monatlich gefordert. Auch hier ist eine Laufzeit von 12 Monaten vorgesehen. Die Verhandlungen starten am 24. April in Sindelfingen.
Zuletzt wurden die Entgelte für die Mitarbeitenden im Großhandel zum 1. Oktober 2023 um 5,1 Prozent erhöht worden sowie zum 1. Mai 2024 um weitere 5 Prozent. Zum 1. Mai 2025 gab es ein weiteres Plus von 2 Prozent. Außerdem erhielten die Beschäftigten unter anderem 1000 Euro Inflationsausgleichsprämie (Vollzeit) und jährlich 480 Euro Altersvorsorge. Der Tarifvertrag hatte eine Laufzeit von 36 Monaten und orientierte sich am bayerischen Pilotabschluss.
Da die Tarifrunden oft parallel stattfinden, könnte es auch in anderen Bundesländern zu Streiks kommen.
„Handel ist Knochenarbeit“
Zimmer betonte in ihrer Rede, dass die Verhandlungen in stürmischen Zeiten stattfänden: Arbeitgeber forderten unbezahlte Karenztage und längere Arbeitszeiten, die Politik kündige soziale Verschärfungen an und die CDU bezichtige Angestellte in Teilzeit der Faulenzerei. „Im Einzelhandel sind rund 68 Prozent der Beschäftigte teilzeitbeschäftigt. Deswegen wissen die Kolleginnen und Kollegen nur zu gut, dass Teilzeit meist erzwungen ist. Teilzeit führt häufig zu niedrigen Löhnen und leider auch zu niedrigen Renten. Arbeiten im Handel ist Knochenarbeit. Ein Einkommen, von dem die Beschäftigten leben können, ist dringend geboten. Das ist momentan nicht der Fall. Hier müssen die Arbeitgeber nachbessern.“
Verhandlungsführer Wolfgang Krüger sagte: „In einer Zeit, in der die Unsicherheiten weltweit zunehmen, brauchen die Beschäftigten im Handel stabile Einkommen und Schutz vor sozialem Abstieg. Viele Kolleginnen und Kollegen leben am Limit. Dagegen müssen wir etwas tun.“
Verdi hatte im vergangenen Jahr eine bundesweite Befragung durchgeführt, bei der viele Beschäftigte aus dem Handel angaben, dass ihr Einkommen „nicht“ oder „gerade so“ zum Leben reicht. Außerdem machten zahlreiche Befragte deutlich, dass sie große Sorge vor Altersarmut hätten.
Im Einzel- und Versandhandel Baden-Württemberg arbeiten rund 500.000 Beschäftigte, im Groß- und Außenhandel sind es rund 190.000.