Wachstumsprogramm

Apobank will 10.000 Neukunden pro Jahr 16.04.2026 11:38 Uhr

Berlin - 

Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) hat das vergleichsweise schwache erste Halbjahr aufgeholt und 2025 erfolgreich abgeschlossen. Mit dem Programm „Primus 2028“ hat Vorstandssprecher Matthias Schellenberg eine neue Wachstumsinitiative gestartet.

Der Zinsüberschuss lag bei 977 Millionen Euro und damit auf Vorjahresniveau. Grund war laut Finanzvorstand Dr. Christian Wiermann ein „bärenstarkes Darlehensneugeschäft“ – die Neuausleihungen stiegen um 20 Prozent auf 6 Milliarden Euro und kompensierten negative Effekte im Einlagengeschäft infolge des sinkenden Zinsniveaus. 2025 wurden rund 3100 Praxen und 300 Apotheken finanziert, rund 400 mehr als 2024. Der Bestand an Existenzgründungskrediten erreicht damit fast 9 Milliarden Euro, der Bestand an Immobilienfinanzierungen liegt bei 17 Milliarden Euro.

Der Provisionsüberschuss stieg um 12 Prozent auf 198 Millionen. Wesentlicher Treiber waren Erträge aus dem Wertpapiergeschäft mit Kunden und höhere Vermittlungsprovisionen. Das Depotvolumen stieg auf 16 Milliarden Euro, davon 9,4 Mrd. Euro in der Vermögensverwaltung – 1,7 Milliarden Euro mehr als 2024.

Der Verwaltungsaufwand stieg um 7 Prozent auf 784 Millionen Euro. Im Personalaufwand schlugen höhere Löhne und Gehälter sowie höhere gesetzliche Abgaben und Rückstellungen für die betriebliche Altersvorsorge zu Buche. Die Sachaufwendungen inklusive Abschreibungen waren geprägt von Investitionen in Projekte und Aufwendungen für Dienstleistungen. Die Cost-Income-Ratio lag bei 66 Prozent und damit unter der Zielgröße von 70 Prozent.

Das operative Ergebnis, also das Teilbetriebsergebnis vor Risikovorsorge, lag mit 413 Millionen Euro nur leicht über Vorjahr – hier konnte die Schwäche im ersten Halbjahr aufgeholt werden.

Die Risikovorsorge für das operative Geschäft belief sich auf 79 Millionen Euro, 28 Prozent mehr als im Vorjahr. Ein Grund für den Anstieg waren höhere Nettozuführungen zu Einzelwertberichtigungen, vor allem im Firmenkundengeschäft. Laut Schellenberg handelt es sich vorwiegend um „einzelne Adressen aus dem Pflege- und Fachkrankenhausbereich, die überwiegend auch zu unserem Abbauportfolio gehören“. Es handele sich um „Buy-and-Build“-Modelle, die noch aus der Niedrigzinsphase stammten. Hier liege man mit Engagements schnell in der Größenordnung von 20 bis 30 Millionen Euro, also deutlich mehr als bei Einzelpraxen oder Apotheken. Dennoch sei die Summe mit Blick auf das gesamte Anlagevermögen unproblematisch. Insgesamt sei man mit der Bonität des Portfolios unverändert sehr zufrieden.

Die Risikovorsorge mit Reservecharakter verdreifachte sich fast auf 99 Millionen Euro. Damit habe man die Reserven für allgemeine Bankrisiken deutlich gestärkt, „ein Zeichen der Stärke“, so Wiermann.

Nach einem Sondereffekt im Jahr 2024 ging das Betriebsergebnis um 24 Prozent auf 236 Millionen Euro zurück; der Jahresüberschuss lag mit 100 Millionen Euro trotzdem leicht über Vorjahr. Daher soll es auch in diesem Jahr eine Dividende von 6 Prozent geben.

Die Zahl der Mitglieder konnte entgegen dem Trend im Genossenschaftslager um 3100 gesteigert werden.

Für das laufende Jahr rechnet der Vorstand mit einer Seitwärtsbewegung bei allen Kennzahlen.

Neue Initiative

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Agenda 2025 beginnt laut Schellenberg jetzt ein neues Programm mit dem Namen „Primus 2028“. Ziel sei es, der Marktanteil von mehr als 50 Prozent bei den Existenzgründungen im deutschen Heilberufemarkt zu halten. Jährlich sollen 10.000 neue Heilberufler als Kundinnen und Kunden hinzukommen. Zum Vergleich: Aktuell gibt es rund 514.000 Kunden, wobei in den vergangenen Jahren jeweils zwischen 4000 und 8000 hinzugekommen sind.

Das Depotvolumen soll auf 20 Milliarden Euro steigen.

Zur Positionierung beitragen sollen auch Engagements etwa im Abrechnungsbereich. Zuletzt hatte die Apobank offiziell weitere Anteile an der Güldener-Gruppe übernommen. Man sei seit langem als strategischer Investor beteiligt, auch wenn Güldener selbstständig agiere. Mit dem Ausbau des Engagements unterstreiche man dies noch einmal: Es gehe darum, wichtige ergänzende Dienstleistungen rund um das Kerngeschäft anzubieten. Zum Bereich gehöre mehr als nur Belegabrechnung oder Factoring. Als Beispiel nannte Schellenberg das Liquititätsmanagement, aber auch das Thema Praxissoftware. „Hier wollen wir Partner sein.“

Medisign und Versorgungswerk

Die massiven Probleme bei Medisign erklärte Schellenberg mit einem Softwareupdate während des von der Gematik angewiesenen Kartentauschs. Es sei nicht nur Medisign betroffen gewesen, sondern auch andere Anbieter. „Das hat für die Betroffenen zu unschönen Verzögerungen geführt, aber zum Jahresende konnte der Tausch weitgehend durchgeführt werden.“ Die Geschäftsführung habe alles getan, um die Probleme zu lösen; der permanente Austausch mit den Kammern habe geholfen, das Thema wieder einzufangen.

Es habe auch keinerlei Sicherheitsprobleme oder Anwenungseinschränkungen gegeben. Generell habe man als Apobank keinen beherrschenden Einfluss auf das Unternehmen, stehe aber im regelmäßigen Austausch mit der Geschäftsführung.

Auch beim Versorgungswerk der Zahnärzte in Berlin habe sich die Apobank nichts zuschulden kommen lassen. Schellenberg unterstrich aber, dass das System der berufsständischen Versorgungseinrichtungen trotz der aktuellen Herausforderungen nach wie vor richtig sei.