Generikakonzerne

EpiPen: Mylan knickt ein dpa, 26.08.2016 13:55 Uhr

Gieriger Hersteller: Mylan ist wegen des Preises für sein Notfallmedikament EpiPen in den USA in die Schlagzeilen geraten. Foto: APOTHEKE ADHOC
Berlin - 

Der Generikakonzern Mylan macht seine Allergiespritze EpiPen (Adrenalin) in den USA günstiger und reagiert damit auf zunehmende Kritik und politischen Druck. Man sei sich der finanziellen Belastung der Patienten bewusst, die zunehmend höhere Versicherungsprämien stemmen und zugleich den vollen Listenpreis für Medikamente zahlen müssten, teilte der Konzern mit.

Ein Sprecher des Weißen Hauses hatte die Branche als „gierig“ bezeichnet. Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton nahm ganz gezielt Mylan ins Visier und forderte den Hersteller auf, den Preis für seine Allergiespritze zu senken. Millionen Amerikaner seien auf ein Mittel wie den EpiPen angewiesen, sagte Clinton. Der Konzern nutze dies aus und verlange ungeheuerliche Preise.

Auch die republikanische Seite äußerte Empörung. Senator Chuck Grassley, der dem Justizausschuss des Senats vorsitzt, forderte von Mylan eine Erklärung, warum der Konzern den Preis für den EpiPen seit 2007 um mehr als 400 Prozent angehoben habe.

Die Einmalspritze, die sich Patienten bei einer schweren allergischen Reaktion selbst verabreichen können, kostet derzeit 300 US-Dollar das Stück und muss alle 12 bis 18 Monate ersetzt werden. Mylan bietet nun eine Karte an, womit sich der Preis für das Paket um die Hälfte reduziert. Zudem will der Konzern mehr Vergünstigungen für einkommensschwache Patienten anbieten.

Nachdem er in den Tagen zuvor wegen seiner Preispolitik öffentlich an den Pranger gestellt worden war, verteidigte sich der Konzern. Die Preise seien nur ein Teil des Problems. Alle Beteiligten müssten dazu beitragen, die Krise des US-Gesundheitssystems zu lösen. Die hohen Gesundheitskosten sind im US-Wahlkampf zum Politikum geworden. Die Schuld daran wird unter anderem der Pharmaindustrie zugeschoben.

Hierzulande wird das Produkt unter dem Namen Fastjekt seit 2011 von Meda vertrieben. Vor einem Jahr gab es wegen der Wespenplage immer wieder Engpässe; der Fertigpen konnte tageweise nicht geliefert werden. Es gibt zwei Dosierungen: Erwachsene mit einem Körpergewicht von mindestens 30 Kilo bekommen 0,3 mg; Kinder die Hälfte.

Andere Präpatate sind Jext (Alk Abelló) und Emerade (Bausch + Lomb). In Wirkstoff und Dosierung sind die angebotenen Präparate identisch; allerdings unterscheidet sich die Handhabung, daher ist eine produktspezifische Schulung vor der Anwendung notwendig. Das „Expertenforum Anaphylaxie“ warnte daher vor einem Jahr davor, Autoinjektoren für Rabattverträge auszuschreiben. Damit würden Menschenleben riskiert.

Etwa 3,5 Prozent der Deutschen, also fast drei Millionen, reagieren auf Insektengifte von Bienen und Wespen mit einer starken allergischen Reaktion, in schlimmen Fällen sogar mit einem allergischen Schock, einer Anaphylaxie. Das kann tödlich enden: Pro Jahr sterben knapp 20 Personen infolge eines Stichs – die Dunkelziffer könnte noch höher liegen. Etwa 3000 Personen müssen pro Jahr vom Notarzt versorgt werden. Für den Notfall sollten Betroffene daher ein Set mit einer Adrenalinspritze bei sich haben.

Die Injektion wirkt innerhalb von wenigen Minuten; sie stabilisiert den Kreislauf und erleichtert die Atmung. Daneben wirkt das Präparat auch gegen allergische Reaktionen im Magen- und Darmtrakt sowie auf der Haut. Zu einem kompletten Anaphylaxie-Notfallset gehören darüber hinaus ein Antihistaminikum und Cortison, die ebenfalls gegen die körperlichen Folgen wirken, nicht aber gegen Atemnot oder Kreislaufkrankheiten.

Gegen eine Insektengift-Allergie empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Hyposensibilisierung. Nach der Immuntherapie sind 90 Prozent der Behandelten beschwerdefrei. Ansonsten gilt es, Wespenstiche zu vermeiden: Es sollte Ruhe bewahrt werden, wenn sich die Insekten nähern. Während der Wespenzeit sollte tagsüber nicht draußen gegessen werden, um die Tiere nicht anzulocken.