Suche nach Therapiemöglichkeiten

Remdesivir: Ebolamittel gegen Covid-19? APOTHEKE ADHOC, 13.03.2020 07:58 Uhr

  • Die Lösung gegen Covid-19? Das Virustatikum Remdesivir zeigt vielversprechende Ergebnisse. Foto: shutterstock.com/creativeneko
Berlin -

Die Suche nach einem geeigneten Wirkstoff gegen Covid-19 laufen noch immer auf Hochtouren. Derzeit zeigt das Virustatikum Remdesivir vielversprechende Ergebnisse – sowohl zur Behandlung wie auch zur Prävention.

Sieben Wirkstoffe, ein Favorit

Nachdem das Virustatikum Remdesivir bereits in den USA gute Ergebnisse bei einem Patienten erzielt hatte und erste in-vitro-Experimente auf eine Wirksamkeit hindeuteten, starteten chinesische Forscher zwei klinische Studien. Am Institut für Virologie in Wuhan werden sieben Wirkstoffe auf ihre Wirkung untersucht, von denen eine potenzielle Wirkung bei RNA-Viren bekannt ist: Neben Remdesivir und Favipiravir auch Ribavirin, Penciclovir, Nitazoxanid, Nafamostat und Chloroquin.

Nachdem die Forscher das Virus isoliert und kultiviert hatten, versetzten sie die Zellkulturen mit den Wirkstoffen und ermittelten, ob sie die Viruskonzentration im Überstand senkten und die Zerstörung der Zellen verhinderten. Zu den Endpunkten gehörten die mittlere effektive Konzentration (EC50) und die halbmaximale zytotoxische Konzentration (CC50). Ribavirin, Penciclovir und Favipiravir schieden danach bereits aus: Denn sie hatten die jeweils die höchsten Werte – dies sprach gegen eine Wirksamkeit. Nafamostat und Nitazoxanid lagen im mittleren Bereich. Die besten Werte erzielten Remdesivir und Chloroquin: Daher könnten sich beide Mittel für den klinischen Einsatz eignen. Da sie bereits in klinischen Studien eingesetzt wurden, beziehungsweise lange zugelassen sind, steht klinischen Studien nichts mehr im Weg.

Erste Ergebnisse im April erwartet

Die chinesischen Behörden entschieden sich für Remdesivir, da der genaue Wirkmechanismus bekannt ist: Das Prodrug hemmt nach seiner Aktivierung die RNA-Polymerase, die auch das neue Coronavirus braucht, um sich innerhalb der infizierten Zellen vermehren zu können. Die ersten beiden randomisierten klinischen Studien werden am China-Japan Friendship Hospital in Beijing durchgeführt: In den nächsten Wochen sollen 308 Patienten mit milder oder mittelschwerer und 452 Patienten mit schwerer Pneumonie durch eine bestätigte Covid-19-Infektion auf eine Behandlung mit Remdesivir oder Placebo randomisiert werden. Die Studien sollen Anfang April abgeschlossen sein.

Ebolamittel gegen Covid-19?

Ursprünglich wurde Remdesivir zur Behandlung des Ebola-Fiebers entwickelt. Studien zeigten jedoch auch eine mögliche Wirksamkeit beim MERS-Virus. Da das MERS-Virus eng mit Sars-CoV2 verwandt ist, könnten die Ergebnisse für eine mögliche Schutzwirkung von Remdesivir sprechen. Tierexperimtente konnten sogar bessere Ergebnisse als eine Kombination aus Lopinavir und Ritonavir erzielen, die derzeit ebenfalls als mögliche Mittel gegen 2019-nCoV im Gespräch ist.

Prävention & Behandlung: Tierversuche sind erfolgreich

Remdesivir könnte zudem auch präventive Wirkungen besitzen: Durch die prophylaktische Gabe konnten Rhesusaffen vor einer Ansteckung mit dem MERS-Virus geschützt werden. In den Untersuchungen wurden sechs Affen 24 Stunden vor einer absichtlichen MERS-Infektion mit Remdesivir behandelt. Sechs weitere Tiere wurden zwölf Stunden nach der Infektion behandelt, eine dritte Gruppe mit sechs Tieren blieb unbehandelt.

Die unbehandelten Tiere der Kontrollgruppe erkrankten allesamt am Virus. Die Tiere, die Remdesivir prophylaktisch erhalten hatten blieben gesund. Bei der Gruppe, die erst nach der Infektion behandelt wurden brach die Erkrankung zwar aus, verlief aber insgesamt milder. Die Ergebnisse wurden durch Röntgenbilder untermauert: Auch hier zeigten sich durch die prophylaktische und postexponentielle Behandlung deutlich abgeschwächte Symptome. Die Viruslast in den Lungen war nach der prophylaktischen Gabe um 2,5 bis 4 Log-Einheiten geringer. Die Nekropsie der Tiere zeigte ebenfalls, dass die Lungen der prophylaktisch behandelten Tiere ohne Zeichen einer Pneumonie waren. Bei den Tieren der postexponentiellen Behandlung waren deutlich weniger Lungenareale befallen als in der Kontrollgruppe.