Zwischenanalyse veröffentlicht

Janssen: Impfschutz von 66 Prozent Alexandra Negt, 29.01.2021 16:16 Uhr

  • Janssen stellt die Zwischenergebnisse seiner Phase-III-Studie zum Vektorviren-Impfstoff vor. Die Wirksamkeit beläuft sich auf bis zu 72 Prozent. Foto: Janssen / Johnson & Johnson

Berlin - Der Impfstoffkandidat von Janssen kommt einer möglichen Zulassung einen Schritt näher. In einer Zwischenanalyse der Phase-III-Studie „Ensemble“ zeigt sich eine ausreichende Immunantwort. Der Impfstoff mit dem vorläufigen Namen Ad.26. COV2.S führt nach einmaliger Injektion zu einem Impfschutz von 66 Prozent.

Im Mittel war der Impfstoff 28 Tage nach Injektion zu 66 Prozent wirksam. Isoliert betrachtet führte der Impfstoff in den einzelnen Regionen zu unterschiedlichen Schutzleistungen: In den USA kam es zu einem Impfschutz von 72 Prozent, in Lateinamerika zu 66 Prozent und in Südafrika zu 57 Prozent. Bereits nach 14 Tagen konnte der beginnende Impfschutz verzeichnet werden. An der Studie nahmen über 40.000 Probanden teil.

„Unser Ziel war es stets, eine einfache und effektive Lösung für die größtmögliche Anzahl von Menschen zu schaffen und maximale Wirkung zu erzielen, um die Pandemie zu beenden“, so CEO Alex Gorsky. „Wir sind stolz darauf, diesen kritischen Meilenstein erreicht zu haben, und unser Engagement zur Bewältigung dieser globalen Krise.“

Der Impfstoffkandidat zeigte bei der Vorbeugung schwerer Verläufe in allen untersuchten Gruppen eine höhere Wirksamkeit von 85 Prozent 28 Tage nach der Impfung. Schwere Verläufe waren definiert als laborbestätigte Sars-CoV-2-Infektion mit zusätzlichen Hinweisen auf klinische Anzeichen für schwere systemische Erkrankungen, Atemversagen, Schock, signifikante Organfunktionsstörungen, intensivmedizinische Aufnahme im Krankenhaus oder Tod. Die Studie schloss Probanden ab 18 Jahre mit ein. Die Wirksamkeit liegt auch bei höherem Alter vor. Über 13.000 Probanden waren älter als 60 Jahre. Auch in Südafrika, wo fast alle Infektionen auf die Mutation B.1.351 zurückzuführen waren, war die Wirksamkeit gegeben.

Erhält Janssen die Zulassung, so wäre ein zweiter Vektorviren-Impfstoff in Deutschland verfügbar. Die Vakzine basiert auf einem menschlichen Adenovirus für die Spikeprotein-Präsentation. Adenoviren sind eine Gruppe von Viren, die Infektionen der Atemwege und des Magen-Darm-Trakts verursachen. Der verwendete Adenovirusvektor wurde für den Impfstoff so modifiziert, dass er sich im menschlichen Organismus nicht mehr replizieren und in der Folge keine Krankheiten mehr verursachen kann.

„Diese Ergebnisse sind ein Beweis für die außerordentlichen Bemühungen aller an unserem klinischen Covid-19-Impfstoffkandidaten Programm beteiligten Personen. Wir sind den Mitarbeitern und Teilnehmern der Studie für ihre außerordentlichen Beiträge sehr dankbar“, so Dr. Mathai Mammen, Leiter Forschung und Entwicklung bei Janssen. „Um den Verlauf der Pandemie zu ändern, ist eine Massenimpfung erforderlich, nur so kann die nötige Herdenimmunität erreicht werden. Ein Einzeldosis-Regime mit schnellem Schutz und einfacher Lieferung und Lagerung bietet eine Lösung, um so viele Menschen wie möglich zu erreichen. Die Fähigkeit, Krankenhausaufenthalte und Todesfälle zu vermeiden, würde die Bekämpfung der Pandemie erleichtern. “

Der Impfstoff beruht auf der firmeneigenen AdVac-Technologie, die auch bereits beim Ebola-Impfstoff Anwendung fand. Zu den häufigeren Nebenwirkungen gehörte eine erhöhte Körpertemperatur. Die Gesamtfieberrate betrug 9 Prozent. Hohes Fieber zeigten 0,2 Prozent der Probanden. Die Rate der schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse war bei den Teilnehmern, die Placebo erhielten, höher als bei denen, die den aktiven Impfstoffkandidaten erhielten.