Impfzertifikat

Apotheken warten auf Freischaltung Carolin Ciulli, 10.06.2021 10:42 Uhr

  • Viele Fragen offen: Apotheker Jens-Hendrik Pott will das digitale Impfzertifikat anbieten. Foto: Stern-Apotheke

Berlin - Apotheker Jens-Henrik Pott aus Osnabrück bietet seinen Kunden das digitale Impfzertifikat an. Zwar wartet der Inhaber der Stern-Apotheke noch auf die endgültige Freischaltung, doch nach der Ankündigung der Tagesschau steigen die Anfragen: „Nach so einem Bericht sind die Kunden am nächsten Morgen in der Apotheke, da steht der Servicegedanke im Vordergrund“, sagt er. Eine bessere Imagewerbung könnten die Apotheken nicht haben. Unter welchen Voraussetzungen er die 18 Euro pro Nachweis erhält, sei unklar.

Die Tagesschau hat den Start des digitalen Impfpasses für heute angekündigt. Die Anwendung „CovPass“ werde nach und nach in den App-Stores verfügbar sein. Der Nachweis solle auch in der Warn-App des Bundes angezeigt. Vollständig Geimpfte könnten den QR-Code auch nachträglich erhalten. Geplant sei, dass der Code auch nachträglich ausgestellt werden solle, etwa in Arztpraxen, Impfzentren oder „einigen Apotheken“, heißt es in der ARD. „Die Kunden hören nur ‚morgen‘ und ‚Apotheke‘ und nicht mehr den Rest.“ Der Apotheker nimmt es gelassen.

Bis jetzt seien wegen des digitalen Impfzertifikats ungefähr vier Kunden mit Nachfragen gekommen, sagt Pott. Er und sein Team verweisen in diesen Fällen auf Montag und kündigen an, dass der Nachweis ohne Anmeldung erhältlich sei und sich die Apotheke darum kümmern werde. „Mir geht es um den Service und die Profilierung der Apotheke. Auch wenn ich die ersten vielleicht nicht abrechnen kann, steht der Imagegedanke im Vordergrund.“

Tatsächlich haben die Apotheken noch keine abschließende Information, wie genau sie die geplanten 18 Euro pro Zertifikat erhalten können. „Wie immer kommt alles auf den letzten Drücker“, sagt Pott. Dieses Verfahren sei man nach den Masken im Dezember bereits gewohnt. Wie die Apotheke nachweisen solle, dass sie den QR-Code ausgestellt habe, wenn er anonym generiert und im Anschluss wieder gelöscht werde, sei „eine spannende Frage“.

Bis jetzt habe der Deutsche Apothekerverband (DAV) das Tool noch nicht endgültig freigeschaltet, sagt Pott. Aktuell scheint das Portal auch überlastet, es dauere sehr lange, bis man sich einloggen könne. „Ich konnte nur die Apothekendaten eintragen. Die Freischaltung soll im Laufe der Woche geschehen.“ Wichtig sei gewesen, die Telematik-ID einzutragen, sonst könne das Tool nicht freigeschaltet werden. „Apotheken, die diese nicht haben, sind außen vor.“ Die Mitgliedsverbände verweisen darauf, dass Apotheken bereit seien, wenn sie sich angemeldet hätten. „Weitere Informationen zum Beispiel über den Ablauf der Abrechnung werden Sie baldmöglichst erhalten.“

Wie viele andere Pharmazeuten wendete sich auch Apotheker Christian Engel diese Woche an die Abda. Zu seiner Überraschung wurde er von Abda-Präsidentin Gabriele Overwiening persönlich zurückgerufen. Diese bat Herrn Engel und Kolleg:innen noch um ein wenig Geduld. Laut ihr musste der DAV mit einer Meldung vorpreschen, da es seitens des Gesundheitsministeriums erheblichen Druck gab. „Alle Apotheken, ob Verbandsmitglieder oder nicht, sollen diskriminierungsfrei an dem Portal teilnehmen können“, versicherte Overwiening. Nicht-Verbandsmitglieder sollen einen Gastzugang bekommen. Weitere Informationen seitens der Landesverbände und der Abda selbst sollen so schnell wie möglich folgen. Overwiening betonte, dass die Abda eine Vertretung für alle Apotheken sei und nicht nur für einen gewissen Prozentsatz.