Abzocke oder alternativloser Preis?

20 Euro pro Atemmaske: Apotheke kriegt Shitstorm ab APOTHEKE ADHOC, 30.03.2020 15:40 Uhr

  • Überteuert: Eine Apotheke in Düsseldorf steht am Pranger, weil sie Atemmasken für 20 Euro pro Stück verkauft. Der Inhaber rechtfertigt sich: Er verdiene daran auch nichts, der Einkaufspreis mache sie so teuer. Foto: Dan Race/shutterstock.com
Berlin -

Immer wieder berichten Medien in den vergangenen Wochen von echten oder vermeintlichen Krisengewinnlern, die mit Wucher-Angeboten einen Reibach machen. Jetzt hat es die Schadow-Apotheke in Düsseldorf getroffen: Für 20 Euro das Stück werden dort Atemmasken verkauft. Für den Düsseldorfer „Express“ und erregte Nutzer in den sozialen Medien ist das ein klarer Fall von Raffgier. Inhaber Jörg Müller-Behrendt hingegen verteidigt sich: Er kriege sie ja selbst auch nicht günstiger.

„Profitgeier“, „Abzocker“, „Gut, dass gezeigt wird, um welche Apotheke es sich handelt. Da gehe ich bestimmt nicht hin“: Zumindest in der Kommentarspalte des Düsseldorfer Express scheint der Fall eindeutig zu sein. Die Nutzer erregen sich über die mit vollem Namen und Panoramabild gezeigte Schadow-Apotheke in Düsseldorf. Überraschend ist das nicht. „Da bleibt einem die Luft weg“, hatte die Boulevardzeitung am Montag auf ihrer Homepage in fetten roten Lettern getitelt und die Apotheke mit Verweis auf das ebenfalls zur Mangelware gewordene Toilettenpapier in einem kurzen Artikel angeprangert. Sie habe „anscheinend gemerkt, dass neben den raren Papierrollen auch Atemschutzmasken ein immer seltener werdendes Gut sind“.

Im Internet brach sich die zu erwartende Entrüstung Bahn. Doch ganz so einfach scheint der Fall nicht, wenn man sich die Gegenseite anhört. Inhaber Jörg Müller-Behrendt schwankt zwischen demonstrativem Desinteresse und einer Rechtfertigung des hohen Preises. Von der Berichterstattung will er sich zumindest nicht einschüchtern lassen. „Das ist so eine Geschichte von denen, die zu Hause sitzen und sich aufregen, während wir hier im Betrieb täglich unseren Mann stehen“, sagt er über den Artikel im Express. „Die, die sowas schreiben, sitzen garantiert im Homeoffice.“

Dabei könne er die Empörung mancher Kunden sogar nachvollziehen. „Ich habe Verständnis dafür, dass Leute sich aufregen, es ist ja auch ein teurer Preis.“ Das sei aber nicht seine Schuld. „Der Preis ist nicht gerechtfertigt, sondern liegt an dem Preis, zu dem wir einkaufen müssen. Irgendjemand wird daran sicherlich verdienen – aber ich bin es nicht.“

Denn, so erklärt Müller-Behrendt, er verdiene selbst kaum etwas an den Masken. Der Rohertrag liege bei 2,15 pro Maske. Er sei noch an ein paar Kartons N95-Maskem von 3M gekommen – 30 Stück für 450 Euro. Addiert man die Mehrwertsteuer, bleibe da für ihn selbst auch kaum noch etwas übrig. „Tatsache ist: Die Masken sind sehr teuer und wir kriegen nichts Billigeres“, sagt er. „Es wird ja auch keiner gezwungen, solche Masken zu kaufen.“ Es stimme, dass er die Masken ausgeeinzelt hat und stückweise in Gefrierbeutel verpackt verkauft. „Einen ganzen Karton wird ja wohl kaum jemand kaufen.“

Der Bedarf sei allerdings weiterhin hoch, vor allem unter Risikopatienten. Deshalb habe er sich entschieden, die Masken trotz des überhöhten Preises im Sortiment zu belassen. „Wir wollen wenigstens die Patienten versorgen können, die wirklich welche brauchen. Viele meiner Kollegen haben nicht mal mehr welche“, so Müller-Behrendt. Außer in den Medien habe er auch noch überhaupt keine Aufregung über den Preis wahrgenommen, erst recht nicht in der Apotheke selbst. „Wir haben regelmäßig Patienten in der Apotheke, die die Masken verlangen, kaufen und bezahlen – und es gibt keinerlei Aufregung darum.“

Die Aufregung könnte aber bald weitergehen, befürchtet der Inhaber. Denn er ahnt, dass die Presse noch nicht locker lässt. Er habe heute schon zwei oder drei Testkäufer in der Apotheke gehabt, mutmaßlich von der Bild oder vom Express sagt er. „Man hat ja inzwischen so ein Gespür dafür.“ Er rechne damit, dass in den kommenden Tagen erneut unrühmliche Nachrichten über ihn verbreitet werden. „Es ist mir nicht angenehm, was ich da über mich lesen werde. Da steht man den ganzen Tag hier in der Offizin, um sich um die Patienten zu kümmern, und dann kommen am Ende solche Artikel.“