Wolfenbüttel

Baustelle gefährdet Apotheke Eugenie Ankowitsch, 11.12.2016 09:13 Uhr

Berlin - 

Seit Juni wird die Innenstadt im niedersächsischen Wolfenbüttel saniert. Inhaber der Geschäfte in der Fußgängezone klagen über Kundenrückgang und Umsatzeinbußen. Betroffen ist auch die Schloss-Apotheke von Susanne Böbel.

Die Wolfenbütteler Innenstadt ist für Fußgänger seit Monaten nur mühsam zu passieren. Wagt sich doch einer in die verkehrsberuhigte Zone, muss er sich im Slalom an Baumaschinen vorbeischlängeln. Bis vor Kurzem klaffte noch mitten auf dem Hauptplatz ein riesiges Loch. Die Baustelle macht vielen Händlern in der Fußgängerzone zu schaffen. Sie müssen mit Kundenrückgang und Umsatzeinbußen kämpfen.

„Das nimmt mittlerweile dramatische Ausmaße an. Die Nerven liegen blank“, berichtet Böbel. Manch einer Ladenbesitzer könne sogar seine Miete nicht mehr bezahlen, so die Apothekerin. Auch sie habe Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent zu verzeichnen. Zudem habe sie den Botendienst ausweiten müssen. Das liegt daran, dass Menschen die Fußgängerzone mit der Baustelle meiden und nur im absoluten Notfall dort einkaufen gehen.

Die Schloss-Apotheke kann beispielsweise nur über einen schmalen unbefestigten Fußgängerweg aus fest getretenem Schotter und Sand erreicht werden. „Vor allem für Mütter mit einem Kinderwagen oder ältere Menschen ist dieser Weg eine Zumutung“, beklagt die Pharmazeutin. Wer auf eine Gehhilfe, einen Rollator oder gar einen Rollstuhl angewiesen ist, habe so gut wie keine Chance, dort durchzukommen.

„Zahlreiche Zusatzarbeiten im Bereich des Ver- und Entsorgungsleitungsbaus haben zu Veränderungen im Gesamtzeitplan des Bereichs Krambuden geführt“, sagt ein Sprecher der Stadt. Der Regenwasserkanalbau und die Arbeiten an Schmutzwasser-Hausanschlussleitungen seien „erheblich durch Bodenhindernisse behindert“ worden. „Mehrmals haben die Bauarbeiter die Straße aufgerissen und wieder zugemacht“, erinnert sich Böbel.

Vor mehr als einer Woche hätten die Bauarbeiter die Straße bis zur Apotheke fertiggestellt. Seitdem würden die Bauarbeiten ruhen. Der wahrscheinliche Grund: Die Apothekerin streitet mit der Stadt um die Anhebung der Fußgängerzone, damit ihre Offizin barrierefrei erreichbar ist.

Vor zwei Jahren ist Böbel mit ihrer Apotheke an den neuen Standort gezogen. Günstigere Miete, größere und hellere Räume: Es habe viele Gründe für den Umzug gegeben, erzählt sie. Ein Manko habe aber der Laden mitten in der Innenstadt: Er hat eine Stufe und ist damit nicht barrierefrei. „Seit 2012 müssen neu eröffnete Apotheken aber barrierefrei sein“, sagt Böbel. Auf eigenen Kosten wollte sie die Stufe entfernen und so die Vorschrift umsetzen. Bei der Stadtverwaltung habe man ihr aber angeboten, dass im Zuge der Innenstadtsanierung die Fußgängerzone etwas angehoben werden könne und sich das Problem damit von allein erledigen würde.

Erfreut habe sie als eine Übergangslösung eine Metallrampe am Eingang befestigen und das Provisorium von der Apothekerkammer genehmigen lassen. „Als es soweit war, wollte die Stadt aber nichts mehr davon wissen“, ärgert sich die Pharmazeutin. Die Anhebung könne aus bautechnischen Gründen nicht umgesetzt werden, so die Begründung der Stadt. Anders würden das der Architekt und die Bauarbeiter sehen. Sie hätten der Apothekerin versichert, dass die Anhebung überhaupt keine Schwierigkeiten bereiten würde. Die Stadtverwaltung müsse das lediglich veranlassen.

Als sich Böbel wiederholt bei der Stadt beschwerte, habe man ihr lapidar gesagt, dass sie ja keiner gezwungen habe, dort einzuziehen. Die Apothekerin gibt aber nicht auf und sicherte sich Unterstützung von der Opposition im Rathaus. Vor wenigen Tagen haben SPD- und FDP-Politiker ihr Anliegen nochmals bei der Bauausschusssitzung zum Thema gemacht.

Allerdings sei ihr Einsatz für die Schloss-Apotheke verpufft, berichtet Böbel. Denn bereits vor der Ausschusssitzung hätten die Verantwortlichen bei der Stadt beschlossen, dass die Fußgängerzone nicht angehoben wird. Damit muss die Apothekerin die Stufe nun doch auf eigene Kosten beseitigen lassen. Nach dieser Entscheidung der Stadt seien die Bauarbeiten endlich wieder fortgesetzt worden. Pünktlich zur Öffnung der Apotheke hätten die Bauarbeiter angefangen vor der Schloss-Apotheke zu graben, sodass eine Stunde lang kein Kunde die Offizin betreten konnte.