Warum ein Bonus für viele Apotheken nicht drin ist 17.04.2026 08:00 Uhr
Mit einer Entlastungsprämie von bis zu 1000 Euro sollen Unternehmen ihre Mitarbeitenden in diesem Jahr steuer- und abgabenfrei entlasten können. Können sich die Apotheken diese Mehrkosten beim Personal überhaupt leisten? Viele Inhaberinnen und Inhaber winken ab.
Die geplante steuerfreie Prämie in Höhe von 1000 Euro pro Mitarbeitendem kann zu Diskussionen im Team führen. Während sich solche Zahlungen in Großkonzernen und im öffentlichen Dienst finanzieren lassen, sehen die Apothekenleiterinnen und -leiter diese Maßnahme kritisch. „Einzelne werden das schon tun, doch bei einem Großteil der Apotheken wird das nicht drin sein“, erklärt Dr. Sebastian Schwintek von der Treuhand Hannover.
Beispielrechnung mit 1000 Euro Prämie
Er rechnet vor: Im Schnitt seien in jeder Apotheke etwa 6,5 Vollzeitäquivalente beschäftigt. Er rechne in Vollzeitäquivalenten, da eine solche Prämie in der Regel bei Teilzeitkräften nicht voll, sondern nur anteilig ausgezahlt werde. Bei der durchschnittlichen Mitarbeitendenzahl würde die voll ausgezahlte Prämie für jede Apotheke in diesem Jahr 6500 Euro extra Personalkosten bedeuten.
Hinzu kämen die Lohnsteigerungen, die sich in diesem Jahr ohnehin aus den Tarifverhandlungen und als Folge der Erhöhung des Mindestlohns ergeben werden. Ein Großteil der Verträge sehe im Jahr 2026 eine Tariferhöhung von 3 Prozent vor, demnächst werde neu verhandelt.
Für den Durchschnitt fallen in diesem Jahr damit allein aus der letzten Tarifrunde 11.000 Euro Mehrkosten an, zu denen die 6500 Euro für die Entlastungsprämie noch addiert werden müssten. Für Bonuszahlungen bleibe den Apotheken in der Fläche wohl wenig Spielraum.
Kritik von Inhabern
Apotheker Erol Gülsen von der Glückauf Apotheke in Kamp-Lintfort etwa verweist darauf, dass der Staat von den 1000 Euro keinen Cent übernehme. Der Vorschlag der Politik klinge zunächst gut, sei aber „für viele ein Schlag ins Gesicht“. Während sich die Politik raushalte, sollten die Chefinnen und Chefs den Zuschuss übernehmen. Bei einem Betrieb mit zehn Angestellten handele es sich um 10.000 Euro zusätzliche Kosten. Das für viele schlicht unmöglich. Die Apotheken seien jetzt schon unter Druck wegen höheren Kosten und mehr Bürokratie.
Auch für Lilian Barbarino von der Schloss-Apotheke in Schwindegg ist die Prämie das falsche Signal: „Das suggeriert, dass es uns doch eh gut geht und wir auf hohem Niveau jammern.“ Durch solch eine Politik erreiche man eben nur marginal die richtigen Stellen. Im Gegenteil: „Die Erwartungshaltung bei den Arbeitnehmern ist hoch, das gefährdet die gute Stimmung im Betrieb.“ Für viele große Unternehmen möge das Sinn machen und sogar vorteilhaft sein. „Für die meisten mittel- und kleinständischen Betriebe ist es dafür ein Schlag ins Gesicht. Ich bin alles andere als begeistert von diesem undurchdachten Plan und hoffe auf einen baldigen Entlastungsplan für die Arbeitgeber.“
Prämie bietet auch Chancen
Gesundheitsökonom Dr. Reinhard Herzog rät allerdings dazu, auch die Chancen in der Prämienzahlung zu sehen. Seiner Rechnung nach liegen die Lohngesamtkosten für die Vollzeitäquivalente – „im Schnitt dürften das circa 7 pro Apotheke sein“ – somit unter dem Strich bei knapp 400.000 Euro. „Eine Ausschüttung von den vollen 7000 Euro würde also die Lohnkosten um knapp 2 Prozent steigern“, rechnet er vor. Allerdings sollten die Inhaber nicht nur auf die Kosten des laufenden Jahres schauen, denn da regelhaft übertariflich gezahlt werde, könnte die Prämie zum Teil in die Lohnanpassungsgespräche im nächsten Jahr einfließen.
„Wer klug ist, führt solche Gespräche einzeln mit jedem und hat entsprechende Arbeitsverträge, welche die Anrechnung übertariflicher Anteile auf die Lohnsteigerungen zulassen. Dann gibt man die Tariferhöhung eben nicht 1:1 weiter und schnürt individuelle Anpassungspakete. Und die 1000 Euro bleiben im Hinterkopf, auch wenn man sie jetzt nicht direkt anrechnen darf.“ Entscheidend sei eben, ob man damit auch etwas bewirke.